Verdienstkreuz für ein großes Herz

Kreis Olpe..  Seit vielen Jahren setzt er sich unermüdlich für Menschen in Weißrussland ein, die von der Reaktor-Katastrophe in Tschernobyl betroffen sind: Gerhard Kramer aus Finnentrop. Dafür, aber auch für sein beispielhaftes Engagement auf anderen Gebieten, hat Bundespräsident Joachim Gauck dem 68-Jährigen das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Diese Auszeichnung nahm Gerhard Kramer am Montag im Rahmen einer Feierstunde im Olper Kreishaus aus den Händen von Landrat Frank Beckehoff entgegen. Vom Bundespräsident unterzeichnet wurde sie bereits am 10. Dezember 2014. Scherzte der Landrat: „Sie sehen daran, was das für ein langer Weg ist von Berlin bis in den Kreis Olpe.“

Kramer habe sich, so Beckehoff , durch sein langjähriges Engagement überwiegend im sozial-humanitären Bereich auszeichnungswürdige Verdienste erworben.

Ein Besuch in der weißrussischen Stadt Woloshin, die von der Reaktor-Katastrophe im ukrainischen Tschernobyl 1986 stark betroffen war, erschütterte Gerhard Kramer derart, dass er im Jahr 1992 die Aktion „Hilfe für Woloshin“ ins Leben rief. Seitdem ist er der Motor dieser Hilfsaktion.

Einmal jährlich organisiert er einen Hilfsgütertransport mit einem 40-Tonner-Lkw, der Bekleidung, Medikamente, Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs nach Woloshin transportiert.

Gerhard Kramer hält sich auch einmal im Jahr rund einen Monat lang in der Region auf und packt vor Ort bei der Arbeit mit an. So plante und half er beispielsweise bei der Renovierung einer katholischen Kirche und beim Aufbau einer Schule bzw. eines Kindergartens mit.

Für die Ausstattung der Kirche wurde neben Messkelch, Priestergewand und Weihrauchfass sogar ein mehrere hundert Kilo schwerer Beichtstuhl nach Woloshin transportiert. Für die Schule gab’s unter anderem Schultische und -bänke, Farbe und eine Musikanlage. Beim Umbau der Aula halfen auch mehrere Finnentroper Bürger mit. Dank Gerhard Kramers Engagement konnten darüber hinaus mehrere Kindergärten in Woloshin und Umgebung mit Spielzeug und Hilfsmitteln für Renovierungs- und Instandhaltungsarbeiten versorgt werden.

Genesungsferien für Kinder

Ein ganz besonders großes Herz hat Gerhard Kramer aber für die vielen an Krebs erkrankten Kinder in Woloshin. Für diese Jungen und Mädchen organisierte er seit über zwei Jahrzehnten Genesungsferien in Deutschland. Er schafft es auch immer wieder, Gastfamilien für die Betreuung der Kids zu finden. Und die Familien übernehmen nicht nur die Betreuung, sondern auch die Reise- und Aufenthaltskosten für die Kinder. Bis heute konnte Gerhard Kramer mehr als 500 Kindern mehrwöchige Ferien in der Gemeinde Finnentrop ermöglichen.

Auch im Bereich der Brauchtumspflege engagiert sich Gerhard Kramer. Als Mitglied des Schützenvereins Bamenohl von 1879 übte er zwei Jahrzehnte das Amt des Fähnrichs aus. Im Jahr 2000 wurde er für seinen Einsatz zum Ehrenoffizier auf Lebenszeit ernannt. Gleichzeitig verlieh ihm der Verein die Ehrenmitgliedschaft.

Weitere Auszeichnungen waren im Jahr 2004 der Bürgerpreis der Gemeinde Finnentrop und im Jahr 2012 eine besondere Ehrung durch die Regierung Belarus, die ihm damit für seinen ehrenamtlichen Einsatz dankte.

Das Engagament des 68-Jährigen würdigten am Montag im Kreishaus auch Bernadette Gastreich, 1. stellvertretende Bürgermeisterin der Gemeinde Finnentrop, und Prof. Dr. Heiner David, der die Verleihung des Bundesverdienskreuzes angeregt hatte.

Betreuer des Sohnes

Gerhard Kramer ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Bis März 2014 war er Inhaber der Kramer Fernseh GmbH in Bamenohl. Seit einigen Jahren ist sein erwachsener Sohn infolge eines Schlaganfalls auf die Hilfe seiner Eltern angewiesen und Gerhard Kramer wurde zu seinem Betreuer bestellt.