Vater-Kind-Wochenende für Strafgefangene im Sauerland

Ein T-Shirt mit Gesicht hat Marvin mit seinem Vater gebatikt. Das Bildungsprojekt im Strafvollzug ist einzigartig.
Ein T-Shirt mit Gesicht hat Marvin mit seinem Vater gebatikt. Das Bildungsprojekt im Strafvollzug ist einzigartig.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Männer, die im Gefängnis sitzen, sind oft nicht nur Verurteilte, sondern auch Väter. Damit sie das Verhältnis zu ihren Kindern nicht verlieren und sich in Ruhe mit ihnen beschäftigen können, hat die evangelische Kirche nun bereits zum vierten Mal ein Vater-Kind-Wochenende für Strafgefangene im Sauerland veranstaltet.

Schwerte/Attendorn/Meinerzhagen.. Die Väter von heute sind anders. Sie wollen mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Bloß klappt das häufig nicht: Arbeit. Stress. Termine. Solche Probleme hätten andere Väter gern. Väter, die im Gefängnis sitzen. Väter, die, selbst wenn sie im offenen Vollzug sind und manche Wochenenden bei ihren Familien verbringen dürfen, unter solchem Druck stehen, dass die Kinder wider Willen zu kurz kommen.

Für solche Väter und ihre Kinder haben das Schwerter Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen und die Diakonie für Bielefeld jetzt ein Wochenendseminar im Sauerland veranstaltet. Bereits zum vierten Mal. Und doch ist dies Vater-Kind-Wochenende ein einzigartiges Projekt.

„Schade, dass es so ein Wochenende mit Papa nicht öfter im Jahr gibt“, sagt die 14-jährige Paula. Aber Jürgen Haas, in Schwerte für die Kooperation von Kirche und Justiz zuständig, ist schon zufrieden, wenn für eine Veranstaltung im Jahr die Finanzierung zustande kommt. Deshalb ist momentan auch nicht geplant, die Zahl der beteiligten Justizvollzugsanstalten - bisher sind das Bielefeld und Attendorn - auszuweiten.

Altersgrenze der Kinder von 4 bis 16 Jahren

„Der Bedarf wäre sicher größer“, sagt Haas und beschreibt die Probleme der Väter in Haft: „Wenn sie ein Wochenende zu Hause verbringen, müssen sie ihre Energie darauf verwenden, die Beziehung zur Frau aufrecht zu erhalten. Die Erwartungen von Verwandten und Bekannten stürzen auf sie ein. Da bleibt zu wenig Zeit für die Kinder. Und schon gar keine, die sie mit den Kindern alleine verbringen.“

JVA-Meisenhof Letzteres trifft auch auf andere Väter zu. Das weiß Jürgen Haas, weil die Kirche im Rahmen der Familienbildung jedes Jahr 60 bis 70 solcher Seminare anbietet. Und im Rahmen dieser Veranstaltungen für die Väter, die ein schlechtes Gewissen haben, weil sie gerne mehr für ihre Kinder da wären, es aber nicht schaffen und die auch mit anderen Vätern in Kontakt kommen wollen, entstand die Idee, ein Angebot für eine besondere Gruppe zu machen. Bei dem ist die Altersgrenze weiter gefasst: von 4 bis 16 Jahren. „Normalerweise wäre das schwierig“, sagt Haas. „Aber hier haben die Kinder ein verbindendes Schicksal.“

Oft müssen die Mütter dem Projekt zustimmen

Ansonsten sind die Bedingungen problematischer: Die Väter haben oft kein Sorgerecht, also müssen die Mütter zustimmen. Sonst üblichen Vor- und Nachbereitungstreffen fallen weg. Die Väter sind misstrauisch: Was von dem, was am Wochenende passiert, wird in der JVA bekannt? „Und die meisten sind sehr wenig geübt im Vater sein“, hat Haas erfahren. Deshalb ist die Betreuung intensiv: Vier Mitarbeiter kümmerten sich in Meinerzhagen um acht Väter und zwölf Kinder.

Gemeinsam die Normalität üben - Aufstellen von Regeln

Eine Kennenlernrunde, das gemeinsame Aufstellen von Regeln, Basteln, Spiele, Sport, Gute-Nacht-Geschichten und Gesprächsrunden - das ist das Programm. Aber nicht zu viel. „Mehr als 6 x 45 Minuten pro Tag sind nicht vorgesehen“, sagt Mitorganisator Jürgen Haas, „es soll ja nicht nur um die Gruppe gehen, sondern auch ums Alleinsein von Vater und Kind(ern). Gemeinsam ins Bett gehen, gemeinsam aufwachen. Normalität eben.“

JVA Attendorn Und danach ist alles wieder wie vorher? „Da ändert sich schon etwas“, sagt Haas. „Es gibt eine größere Motivation, auf die Kinder zuzugehen, einen engeren Kontakt aufrechtzuerhalten. Und die Überlegung, was nach der Inhaftierung passiert, spielt eine große Rolle.“

Vorrangig geht es um das Wohl der Kinder

Zum Abschluss überreichen Väter und Kinder sich gegenseitig eine Perle - als Belohnung. Paula gab sie ihrem Vater für seinen Mut, weil er beim Verstecken auf einen Baum geklettert war. Und sie bekam eine, weil er auf sie so gut auf ihre kleinen Geschwister aufgepasst hat. „Ein Vater bekam kein Lob, sondern eine Mahnung“, erinnert sich Haas: „Mach keinen Mist mehr, damit du bald wieder nach Hause kommst.“ Das wäre ein angenehmer Nebeneffekt. Aber vorrangig geht es um das Wohl der Kinder. „Die Väter haben bestimmt ihre Strafen verdient“, meint Haas. „Aber die Kinder nicht.“