US-Kampfberichte werfen neue Fragen auf

Albaum..  70 Jahre ist es her, dass die US- Armee in der ersten Hälfte des Aprils 1945 im Sauerland Dorf um Dorf einnahm oder eroberte. Wie groß das Interesse an den Ereignissen jener Tage heute immer noch ist, zeigte auch der Vortrag von Robert Rameil aus Korschenbroich mit dem Thema „Kriegsende April 1945 – Als die Amerikaner kamen“ auf Einladung des Heimat- und Fördervereins Albaum vor einigen Tagen in der Fischereianstalt Albaum. Albrecht Sandholz, Vorsitzender des Heimatvereins: „Wir mussten 20 weitere Stühle stellen, um für die 60 Zuhörer Sitzmöglichkeiten zu haben. Mit diesem Andrang haben wir nicht gerechnet. Rund 70 Prozent kamen von außerhalb und dies belegt, welch großes Interesse besteht“. Referent Robert Rameil hat sich viele Jahre mit den Ereignissen des Krieges beschäftigt. Bei mehreren Reisen in die USA sichtete er die Kampfberichte der US-Armee im Nationalarchiv in Washington und wertete sie aus.

Detailliert ging Rameil in seinem Referat auf die letzten Kampfhandlungen am 7. und 8. April 1945 in Oberhundem und Saalhausen ein. In Oberhundem berichten die US-Soldaten von weißen Laken in den Fenstern und schlossen daraus, dass sie den Ort kampflos einnehmen könnten. Dabei erhielten sie massives Gegenfeuer von versteckten Resten der Wehrmacht. „Im Hagel von Kugeln und explodierenden Granaten gingen einige von uns neben dem Straßenrand zu Boden, während andere sich ins Gebüsch schlugen. Es war die perfekte Tötungsszenerie“, zitierte Rameil aus dem Bericht der US-Armee. US-Soldat Guy Duren hielt in seinem Tagebuch fest: „Wir wussten nicht, was wir tun sollten, wohin wir schießen sollten, weil wir keine deutschen Soldaten schießen sahen. In der Entfernung von etwa 400 Meter sahen wir Soldaten und Zivilisten auf der Straße - wir feuerten auf sie. Das war keine gute Idee. Die deutschen Soldaten feuerten weiter. Ein Kamerad forderte über Funk von der Nebelwerfer-Kompanie, eine Menge Rauchgranaten abzuschießen, so dass zwischen uns und dem Dorf eine Nebelwand lag.“ Zum Teil sind diese Berichte auch in der Oberhundemer Dorfchronik aus dem Jahr 2008 abgedruckt.

Nach dem Rückzug der Amerikaner nahm die US-Luftwaffe das Dorf massiv unter Beschuss, wobei 80 Prozent der Häuser zerstört oder beschädigt wurden.

Angriff auf Saalhausen

Am gleichen Tag griff das 2. Bataillon des 394. Infanterie-Regiments auch Saalhausen an und stieß auf Gegenwehr. Einen Tag später wurde der Ort eingenommen. Sergeant Harold E. Atkins wird folgendermaßen zitiert: „Unsere Mörser, die sich auf den Anhöhen befanden, legten Feuer. Die Hölle war los in Saalhausen an diesem Morgen, als Flak Blei über das ganze Dorf regnen ließen. In dieser Phase des Angriffs wurden acht unserer Kameraden getötet. ... Es wurden insgesamt 200 Gefangene gemacht, 80 deutsche Soldaten fielen bei diesen Kämpfen um Saalhausen.“

Die Zahlen der amerikanischen Verluste weichen erheblich von früheren Berichten deutscher Zeitzeugen ab. So sind nach US-Angaben beim Angriff auf Oberhundem „nur“ elf US-Soldaten gefallen, bisher war vielfach von mehr als 300 bis sogar 450 Gefallenen die Rede.

Die „After actions reports“, die nach den Kampfhandlungen in einer Art Tagebuch von US-Offizieren auf verschiedenen Führungsebenen angefertigt wurden, sind zwar durchaus authentisch, doch fand mit Sicherheit eine Zensur durch Auswahl statt.

Nach dem Vortrag schlugen einige Zuhörer vor, die Kampfberichte der Amerikaner mit Berichten der deutschen Militärs und den Ortschroniken abzugleichen. Laut Kirchhundems Gemeindearchivar Martin Vormberg sind Militärberichte der Deutschen Wehrmacht über die letzten Kriegstage im Bundesarchiv in Freiburg archiviert.