Unsinnige Bürokratie

Ärzte kritisieren Gesundheitsstruktur„Schwächungs“-Gesetz..  Man kann nur hoffen, dass das vom Kabinett verabschiedete Gesundheitsstruktur-Förderungs-(Schwächungs-)Gesetz beim Galopp über die parlamentarischen Hürden ordentlich Federn lassen muss.


Die Bedarfsplanung, die der gemeinsame Bundesausschuss am grünen Tisch erlassen hat, ist in unserem sauerländisch-/siegerländischen Bereich Makulatur. Die zur Verbesserung der medizinischen Versorgung geplanten Öffnungen der medizinischen Versorgungszentren und Krankenhaus-Ambulanzen sind für diese bei gleichartigem Ärztemangel illusorisch. Die schon lange bekannte, demographische Entwicklung (in unserem Bereich sind 40 bis 60 % der Ärzte/innen über 60 Jahre!) ist schon im haus- wie im fachärztlichen Bereich überall spürbar. Die langen Wartezeiten, die unsinnige, bürokratische Vermittlungsbüros fern ab der lokalen Realität abbauen sollen (sie werden aus dem ärztlichen Honorar bezahlt) , werden dieses große Problem nicht lösen können.


Der Aufkauf von Praxen in „überversorgten“ Gebieten (auch dies bezahlen die Ärzte mit ihrem Honorar!) ist grundgesetzwidrig. Erneut stört das die Politik und Krankenkassen nicht. Aber damit kann einem „freien Beruf“ die Niederlassung in Altena oder Erndtebrück auch nicht schmackhafter gemacht werden. Wer ein Durchschnittsabitur mit der Abschlussnote zwei aufweist, muss mit einer Wartezeit bis zur Zulassung zum Studium von ca. fünf Jahren rechnen! Wer hält das durch?


Eine Kuriosität: wer während der Wartesemester zwangsläufig ein anderes Studium oder ein begleitendes Hilfsstudium beginnt, verliert damit die Anrechnung seiner Wartesemester!! Dies wird seit Jahren bei Deutschen Ärztetagen moniert, die Politik ist aber nicht in der Lage, diesen Unsinn wie auch die zentrale Studienvergabestelle (ZVS) als Zugangs-Diskriminierung endlich abzuschaffen! Die Kommunen werden mit Hilfe aller Beteiligten, auch mit Mithilfe unserer stabilen, mittelständischen Industrie, ihren eigenen Wettbewerbs-Wettlauf um die Sicherstellung der medizinischen Versorgung der Bevölkerung, der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, endlich beginnen müssen. Es reicht nicht, auf die Sicherstellungspflicht der Kassenärztlichen Vereinigungen zu verweisen, die auch keine jungen, niederlassungswilligen Ärztinnen und Ärzte aus dem Hut zaubern können!


Dr. med. Martin Junker, Bezirksstellenleiter KVWL, Lüdenscheid

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