„Unsere Prognosen haben sich bewahrheitet“

Olpe..  Prof. Dr. Henning Zoz stand uns anlässlich der Ministerbesuche zum Thema E-Mobilität Rede und Antwort.

Frage: Wie bewerten Sie die Minister-Besuche mit Blick auf Ihre Ziele in Sachen E-Mobilität ?

Dr. Henning Zoz: Ich freue mich, dass die Herren Remmel und Duin bei uns waren und werte das als Signal, dass es eben nicht nur die ganz Großen sind, die Innovationstreiber sein können. Beim ersten Besuch von Minister Remmel vor vier Jahren haben wir vieles in Sachen E-mobilität und Energiewende prognostiziert, was sich alles komplett bewahrheitet hat. Positiv bewerten wir auch, dass Joachim Boller, der Aufsichtsratsvorsitzende der Siegener Versorgungsbetriebe zu Gast war, da wir für unsere batteriebetriebene Fahrzeugflotte einen kommunalen Versorger benötigen, der in der Region zusätzliche E-Tankstellen für solche Batterie-Autos zur Verfügung stellt.

Sind Sie nach wie vor davon überzeugt, dass dem Wasserstoff bei der E-Mobilität die Zukunft gehört?

Wenn es nach mir ginge, dann absolut ja. Für kurze Strecken fahren wir und werden wir nach wie vor am besten mit Batterie fahren. Wenn wir nicht so gute Verbrennungsmotoren hätten, und wenn sich damit nicht so viel Geld verdienen ließe, dann wäre heute wohl schon alles anders. Wenn die Wasserstoffautos zum Beispiel bei Hochdrucktanks bleiben, dadurch aber ein brauchbares Tankstellennetz quasi unbezahlbar wird, dann könnte das die Wasserstoffmobilität für lange Zeit verhindern. Das läge dann bedauerlicherweise aber gar nicht an der Fahrzeugtechnik, sondern nur am falschen Tank. Wahrscheinlich wird es von allem etwas geben, weil sich nicht alle gesellschaftlichen Lenker gleichzeitig zur meiner Einschätzung richtigen Veränderung trauen werden. Wirtschaftlich fahren wir am besten mit Benzin oder Erdgas, und Öl und Gas wird es noch sehr lange geben. Aber - fossile Brennstoffe sind schon seit 100 Jahren zu schade zum Verbrennen. Damit machen wir besser Besseres.

Sie haben zwei Hyundai-Autos bestellt, die ausschließlich mit Wasserstoff und einer Brennstoffzelle betrieben werden. Was machen Sie, wenn es absehbar keine Wasserstoff-Tankstelle im Sieger- oder Sauerland geben wird?

Da ich die Fahrzeuge durch eine EU-Subvention dramatisch unter Wert kaufen konnte, mache ich mir keine Sorgen. Entweder wir bekommen eine Wasserstoff-Hochdruck-Tankstelle mit z. B. 400 bis 800 bar H2-Gas ins Sauer-/Siegerland, oder wir werden versuchen, mit unseren Metallhydriden quasi unsere eigenen Kompressor herzustellen. Wir glauben derzeit, dass wir technisch vernünftig 300 bis 400 bar erreichen können, und das würde reichen, um halb voll zu tanken. Das wäre okay. Im schlimmsten Fall verkaufen wir die Fahrzeugverträge möglicherweise mit Gewinn dahin weiter, wo es eine entsprechende Tankstelle gibt.

Sie besitzen auch eine kleine Flotte von Batterie betriebenen Fahrzeugen. Warum, wenn Sie Batterie-Autos keine Zukunft geben?

Ich sagte bereits: Batterie-Autos haben eine Zukunft und sind auch richtig für Kurzstrecke - derzeit für weniger als 50 km Reichweite. Wahrscheinlich werden Batterie-Autos auch in den Segmenten Mittel- und Langstrecke eine Zukunft haben, das halte ich aber für technisch falsch. Jedenfalls wollen wir unsere ,Batterie-Fahrzeugflotte’ in den innerstädtischen Umlauf bringen und später dann mittels unseres Wasserstoff-Stromkoffers für deutlich längere Reichweiten fit machen. Dieser Stromkoffer wird mit Hilfe unserer kleinen, bereits bekannten Wasserstoff-Minitanks gespeist und kann im Kofferraum eines jeden unserer Batteriefahrzeuge mitgeführt werden. Man kann dann mit einer sehr kleinen Brennstoffzelle im Kofferraum „den ganzen Tag“ nachladen. Das kann außer uns noch keiner, auch kein Automobilgigant. Und genau in diesem Punkt hoffe ich auf politische Lobby. Zunächst benötigen wir lediglich in der Startphase ein Dutzend simpler Stromtankstellen an gut positionierten Standorten. Da erhoffe ich mir natürlich auch durch die heimischen Versorgungsbetriebe die notwendige Unterstützung.