Tradition und Gegenwart unter einem Dach

Der Gasthof "Zu den Linden" in Oberhundem feiert in diesem Jahr sein 200-jähriges Bestehen.
Der Gasthof "Zu den Linden" in Oberhundem feiert in diesem Jahr sein 200-jähriges Bestehen.
Foto: WP

Oberhundem..  Rechts neben der Eingangstür steht ein betagter weißer Kohleherd, in der Mitte sein modernes Pendant mit Induktionstechnik. An der Wand hängt der handgestickte Spruch: „Fünf sind geladen, zehn sind gekommen. Gieß Wasser zur Suppe, heiß alle willkommen“.

Ein Blick in die kleine Küche des Gasthofs „Zu den Linden“ in Oberhundem macht klar, wie treffend der Wahlspruch des Hauses „Tradition trifft Gegenwart“ ist: Bezug zur Vergangenheit ist in dem denkmalgeschützten Fachwerkhaus von 1815 genauso selbstverständlich wie die Offenheit für Innovationen.

So wurde gerade erst der Außenbereich neu gestaltet, der mit der Biergarteneröffnung am 18. April offiziell eingeweiht wird. Demnächst soll die schwarz-weiße Fassade mit den alten Inschriften auf den Querbalken renoviert werden. Und auch Gratis-WLAN, für die Gäste, die von Handy oder Laptop nicht lassen können, gibt es ebenfalls.

Am vorherrschenden Ambiente von anno dazumal hat das aber nichts geändert – egal ob in der urigen Gaststube, wo sich regelmäßig Einheimische zum Stammtisch bei frisch gezapftem Pils treffen, oder in den zwei Speisezimmern, in denen eine Standuhr tickt, Fotos von früher oder historische Stiche von der Adolfsburg als Dekoration dienen.

Dazu passend werden Spezialitäten wie Dicke Bohnen mit Speck und Mettwurst, Rouladen, Sauerbraten und Tafelspitz serviert - täglich außer montags aus frischen Zutaten nach überlieferten Rezepten zubereitet. „Gerade junge Leute lieben solche Gerichte, die sie selbst nicht mehr kochen, aber oft von ihrer Oma kennen“, weiß Juniorchefin Aferdita Greitemann.

Viele Stammgäste

Kein Wunder, dass viele Besucher zu „Wiederholungstätern“ werden und oft schon seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten aus dem Ruhrgebiet, dem Rheinland oder sogar aus den Niederlanden anreisen. „Von einem Gefühl wie bei Freunden“ schwärmen Deutsche sowie Holländer im Gästebuch des Hauses. Oder von der „familiären, liebevollen Atmosphäre“.

Die Handschrift des Hauses führt seit 1991 Gaby Brüggemann. Als Nachfolgerin ihrer Eltern Margarete und („der lange“) Heinrich, die den Familienbetrieb seit 1945 führten, kümmert sie sich von früh bis spät vom Kartoffelschälen bis zum Zubereiten leckerer Puddings wie der Herrencreme aus Eiern, Zucker, Gelantine, Sahne und einem Schuss Cognac um alles im Haus.

Unterstützt wird die 69-Jährige dabei sowohl von ihrer Adoptivtochter Aferdita als auch von einem halben Dutzend weiterer Mitarbeiter, die im Service mitarbeiten und die zehn Zimmer sowie drei Ferienwohnungen in Schuss halten. Hochbetrieb herrscht zwischen Mai und Oktober vor allem an den Wochenenden und in den Ferien, wenn viele Wanderer auf dem nahen Rothaarsteig unterwegs sind oder Rad- und Motorradfahrer durch das Sauerland touren.

Außerdem hat sich der Gasthof Zu den Linden zum Treffpunkt für Freundescliquen und Familien entwickelt, die oft verstreut über die ganze Bundesrepublik leben und hier in regelmäßigen Abständen zusammenkommen. „Was Städter bei uns suchen, ist vor allem die Ruhe fernab ihres hektischen Alltags“, weiß Aferdita Greitemann, die in den vergangenen 15 Jahren langsam in den Betrieb hineingewachsen ist. Heute fühlt sie sich am goldrichtigen Platz: mit ihrem Ehemann Dirk, zwei kleinen Töchtern und einer Aufgabe, die ihr „ganz viel zurück gibt“, weil die Charaktere der Gäste so unterschiedlich sind wie deren Geschichten.

Sollte sich ihre Mutter Gaby eines Tages aus dem Geschäft zurückziehen, will die 35-Jährige als alleinige Chefin und Wirtin unbedingt die Balance zwischen gestern und heute bewahren.