Theo Hilchenbach im Interview

Drolshagens Bürgermeister Theo Hilchenbach.
Drolshagens Bürgermeister Theo Hilchenbach.
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Was wir bereits wissen
Der dienstälteste Bürgermeister im Kreis Olpe, Theo Hilchenbach aus Drolshagen, beantwortete die Fragen von Josef Schmidt

Drolshagen..  Theo Hilchenbach, der dienstälteste Bürgermeister des Kreises Olpe, stand uns ,zwischen den Tagen’ Rede und Antwort.

Frage: Das Jahr 2014 war in Drolshagen sicherlich ein turbulentes Jahr. Was waren für Sie die prägendsten Ereignisse?

Hilchenbach: Das Prägende in der Politik war neben der angespannten Finanzsituation, mit der wir das ganze Jahr zu kämpfen hatten, das Ausscheiden von Peter Spitzer und das Bürgerbegehren, das damit verbunden war. was uns im zweiten Halbjahr verstärkt beschäftigt hat und auch noch weiterhin beschäftigen wird, ist die Flüchtlings-Situation. Hier muss ich hervorheben, dass wir eine sehr ehrliche und engagierte Hilfsbereitschaft unserer Bürger vorgefunden haben. Das ist natürlich angestoßen worden, auch hier aus dem Rathaus, aber wir haben sehr viele Menschen angetroffen, die unserem Aufruf gefolgt sind, die nachhaltig helfen. Nicht spontan irgendwas machen und sich dann nicht mehr blicken lassen, sondern nachhaltig. Und das ist sehr, sehr wichtig, das entlastet uns auch im Hause ungemein. Vor allem, weil wir damit rechnen, dass wir Anfang Januar erhebliche Zuweisungen bekommen.

Wird also auch in Drolshagen wie in Olpe die Flüchtlingssituation das bestimmende Thema im Jahr 2015 sein?

Hilchenbach: Eines der bestimmenden Themen. Wir sind darauf eingestellt. Wir haben mittlerweile etliche Räume in der Schule in Bleche fertiggestellt. Dort können wir bereits Personen unterbringen, was wir Anfang Januar auch tun werden.

Wie viele?

Hilchenbach: Dort können maximal 20 Menschen untergebracht werden.

Mit wie vielen neuen Flüchtlingen rechnen Sie 2015 und wie viele werden es dann in der Stadt insgesamt sein?

Hilchenbach: Ich rechne für 2015 mit 40 bis 50 Neuankömmlingen. Ende 2015 werden es dann rund 120 bis 130 sein. Wir hatten aber auch schon mal mehr, Anfang der 90-er Jahre. Das waren damals über 200. Eine wesentliche Frage wird für uns sein, wie lange diese Menschen bei uns bleiben. Das wird vermutlich in vielen Fällen schwierig zu beantworten sein.

Frage: Peter Spitzer, der 2. Mann im Rathaus, ist im Ruhestand. Wie hat die Stadtverwaltung diesen ersatzlosen Wegfall verkraftet?

Hilchenbach: Mich hat nicht das Bürgerbegehren als solches verärgert. Was mich aber mitgenommen hat, war die damit verbundene Häme - nach dem Motto: Jetzt seht mal zu, dass ihr fertig werdet. Das kam in vielen Beiträgen so rüber. Es wurde ja auch zum Politikum. Da spielte rein, wer sich dann beworben hatte, der ja auch nicht unpolitisch war. Es gab die Auffassung bei vielen, dass ein Spitzenbeamter mal eben zu Hause bleiben kann und man ihn ohne weiteres ersetzen kann. So etwas erfordert hier im Hause eine ungeheure Solidarität, nicht nur der leitenden Mitarbeiter, sondern der gesamten Belegschaft inclusive des Personalrates. Es waren dadurch ja eine ganze Reihe von Veränderungen erforderlich, die sich durchzogen von der Spitze bis unten hin. Nur diese Solidarität hat dazu geführt, dass sich die größten und gröbsten Probleme, die auftraten, überwinden ließen. Was ich nicht so schön finde, ist, dass man von sogenannten Parteifreunden aus anderen Städten noch kluge Ratschläge bekommt, es müsse nur mal ein frischer Wind durchs Rathaus wehen, dann klappe das schon.

Frage: Von der früheren Verwaltungs-Troika Hilchenbach, Spitzer, Feldmann sind nur noch Sie übrig. Wohin wird Sie in 2015 der Weg führen?

Hilchenbach: Das werde ich in der Ratssitzung am 29. Januar kundtun. Ich werde dann erklären, wie ich mich bezüglich meiner politischen Zukunft verhalten werde. Das halte ich für das richtige Gremium und den richtigen Zeitpunkt. Das ist so vereinbart mit dem Stadtverbandsvorsitzenden der CDU und mit dem Fraktionsvorsitzenden.

Frage: Was haben Sie sich, unabhängig davon, ob Sie nun noch mal kandidieren oder nicht, für die Monate bis zum 20. Oktober 2015 vorgenommen?

Hilchenbach: Ich bin kein Typ, der morgen aufhören würde, zu arbeiten, wenn ich mich entscheiden würde, nicht mehr zu kandidieren. Selbstverständlich werde ich mit meiner ganzen Kraft die Dinge, die wir jetzt eingestielt haben oder die uns bevorstehen, auch weiter bearbeiten bis zum letzten Tag. Das ist selbstverständlich. Das halte ich auch für meine Pflicht. Dazu gehört an vorderer Stelle die Erweiterung der Sekundarschule. Die Baugenehmigung wird vorbereitet, Ende Januar reichen wir den Bauantrag ein, Mitte des Jahres wollen wir mit den Bauarbeiten beginnen. Ganz oben auf der Agenda steht auch die weitere Haushalts-Konsolidierung, so dass wir 2017, wie Schäuble auch, wieder eine schwarze Null schreiben und die Haushaltssicherung verlassen können. Dann sollten wir darüber nachdenken, im Gewerbepark Hüppcherhammer in den 2. Bauabschnitt einzusteigen. Ich bin guter Dinge. Wir haben noch einige gute Anfragen, aus denen hoffentlich auch etwas wird.

Frage: Horst Müller ist fraglos der älteste Bürgermeister im Kreis Olpe, Sie sind aber der dienstälteste.

Hilchenbach: Ja, aber nur um einen Tag. Ich bin am 3. November 1994 gewählt worden. Peter Brüser einen Tag später. Wir sind damals noch vom Innenminister Schnoor eingeladen worden. Das waren damals 13 Bürgermeister und eine Frau, eine Oberbürgermeisterin aus Bielefeld. Außer Peter Brüser und mir ist von diesen 14 Personen niemand mehr Bürgermeister.

Frage: Was war Ihr schönstes Erlebnis in dieser langen Zeit in Ihrem Amt als Bürgermeister?

Hilchenbach: Die Intensivierung der Städtepartnerschaft mit Joure. Mit dem ehemaligen Bürgermeister Kuiper habe ich heute noch freundschaftliche Beziehungen.

Frage: Wobei innige Freundschaft zwischen Niederländern und Deutschen nicht die Regel ist.

Hilchenbach: Das haben wir anfangs das eine oder andere Mal auch gespürt. Aber es kommt auch darauf an, wie man sich gibt. Es sind jedenfalls viele freundschaftliche Beziehungen entstanden, auch zur neuen Gemeinde Friese Meeren.

Frage: Wenn Sie denn im Oktober in den Ruhestand treten sollten, was macht der Privatier Hilchenbach dann?

Hilchenbach: Ich bin handwerklich nicht ganz ungeschickt, habe zu Hause, wie jeder weiß, noch eine kleine Land- und Forstwirtschaft. So 15 Hektar, und da habe ich viel Arbeit. Ich hoffe, das kann ich gesundheitlich noch lange machen.

Zahlen und Fakten

Theo Hilchenbach ist am 3. Februar 1951 in Drolshagen geboren. Der Diplom-Volkswirt war 15 Jahre bei der Olper Firma Fröhling beschäftigt, zuletzt als Prokurist, als er am 1. Juli 1993 Stadtdirektor von Drolshagen wurde. Nach der Abschaffung der Doppelspitze wurde Hilchenbach dann am 3. November 1994 zum hauptamtlichen Bürgermeister der Stadt Drolshagen gewählt. Hilchenbach ist verheiratet, Vater von vier erwachsenen Kindern und Großvater eines Enkelkindes.