Telekom: „Das würde Millionen kosten!“

Foto: Werner Linden
Was wir bereits wissen
Einen 100-prozentigen Schutz des Internets gegen untalentierte Baggerfahrer gibt es nicht

Attendorn..  Der Kollaps des Internets am 22. Januar in Attendorn hatte in der Ratssitzung ein politisches Nachspiel. Winfried Richard (UWG) machte den Bürgermeister auf die Tatsache aufmerksam, dass ein Attendorner Industriebetrieb aufgrund des Ausfalls um ein Haar einen Millionen-Auftrag verpasst hätte. Seine Frage: Wäre es möglich, Attendorn als Industriestandort durch einen zweiten, unabhängigen Knotenpunkt vor solchen Schwierigkeiten zu schützen? Bürgermeister Christian Pospischil sagte zu, das Thema mit der Telekom zu erörtern.

Helfen wird es aber vermutlich nicht.

Was war geschehen? Wie berichtet hatte an diesem Donnerstagmorgen ein Bagger eine zentrale Versorgungsleitung beschädigt, was in großen teilen Attendorns den völligen Zusammenbruch der Internetverbindungen zur Folge hatte. Besonders betroffen die Lewa, wie Geschäftsführer Andreas Volprecht auf Anfrage bestätigte: „Der Auftrag hätte uns tatsächlich durch die Lappen gehen können, wir haben das dann auf privater Basis abgewickelt.“

„Das würde Millionen kosten“

Konkret ging es um die Ausschreibung für einen Auftrag in siebenstelliger Höhe, auf die man innerhalb von 24 Stunden reagieren musste. Im Rennen blieb die Lewa, weil ein Mitarbeiter zu Hause noch Zugang zum Internet hatte und von dort auf den Server des Auftraggebers zugriff.

André Hofmann, Pressesprecher der Telekom, sieht keine Möglichkeit, Attendorns Industriebetriebe durch einen zweiten Knotenpunkt gegen untalentierte Baggerfahrer in Schutz zu nehmen: „Das würde Millionen kosten, wer soll das denn bezahlen? Wir nicht!“

Jedem Unternehmen würden angeboten, den Betrieb durch eine zweite Leitung abzusichern, „aber das kostet natürlich und ist den meisten zu teuer.“ Aber selbst mit einer zweiten Leitung gäbe es keine 100-prozentige Sicherheit.

Eine Alternative seien die jetzt in Attendorn ausgebauten LTE-Verbindungen, die zwar langsamer würden, wenn aus einer Funkzelle „massenhaft“ zugegriffen würde, „aber auch dann hat man da immer noch ganz ordentliche Übertragungsraten.“