Taufe unterm Zeltdach durch den Pfarrer auf Rädern

Wenden..  Die Tische im gut geheizten Chapiteau sind farbenfroh gedeckt. Türkise Tischdecken und weiße Blumen deuten auf einen festlichen Anlass hin. Während die Familienmitglieder des Circus Trumpf mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt sind, hat auch Pfarrer Frank Ellinghaus seine Arbeit aufgenommen. Der Geistliche holt die letzten Utensilien für den Altar aus seinem bis unters Dach vollgepackten Kleinbus. Taufschale, Kerzen, der CD-Player für die sakrale Musik, das Altartuch, das Chrisam-Öl und weitere Utensilien werden auf dem Altar plaziert.

„Heute ist es dem Anlass entsprechend der kleine Altar“, erklärt der Geistliche, der seit zwei Wochen täglich im Einsatz ist und aktive Seelsorge bei Schaustellern betreibt. Dreimal begab er sich auf die Reise, um Kommunionen vorzunehmen, dreimal warteten Firmlinge auf den „reisenden“ Pfarrer und dreimal wurden, wie am Mittwoch beim Circus Trumpf in Wenden kleine Kinder mit der Taufe in die Kirche aufgenommen.

Kommunion im Autoscooter

Wenn Pfarrer Ellinghaus von seiner Tätigkeit erzählt, huscht einem ein kleines Schmunzeln über die Lippen. Am Ostersonntag fand beispielsweise eine Kommunion im Autoscooter in Köln statt. Ab dem Jahr 2002 war Frank Ellinghaus als ehrenamtlicher Pfarrer unterwegs und ist seit dem 1. Januar 2014 hauptberuflicher Seelsorger der Schausteller. Ellinghaus ist hauptamtlicher Mitarbeiter der Katholischen Circus- und Schaustellerseelsorge in Deutschland. „Ich habe die gleichen Aufgaben, wie jeder andere Pfarrer, nur liegen stets mehrere 100 Kilometer dazwischen“, erklärt Ellinghaus, der in einem nicht genutzten Pfarrhaus in Dortmund lebt. Sein Büro ist in Bonn. Unterstützt wird der einzige hauptamtliche Pfarrer auf Rädern von fünf Ehrenamtlichen. Im vergangenen Jahr war das nördlichste Einsatzgebiet des Geistlichen eine Taufe in Kiel, das südlichste eine Kommunion in Arborn in der Schweiz und das östlichste eine Beerdigung an der Polnischen Grenze.

Doppelte Anreise

Eine Taufe beispielsweise bedeutet zwei Anreisen. In der vergangenen Woche hat Pfarrer Ellinghaus das Taufgespräch mit den Eltern Maike und Fernando Trumpf in Hünsborn geführt. Fernando Trumpf ist selber schon unter der Zirkuskuppel getauft worden. Seine Frau Maike hat vor acht Jahren ihr bürgerliches Leben aufgegeben und reist seit dem mit ihren Mann, ihren zwei Kindern und der Familie quer durch Deutschland. „Ich musste mich natürlich erst daran gewöhnen, aber es war nicht so schwer, wie ich dachte“, blickt Maike Trumpf zurück. Im Mittelpunkt standen jedoch ihre acht Wochen alten Zwillinge Nevio und Neyphan.
Im weißen Anzug, mit roter Fliege besonders chic gemacht bekamen die Jungs nicht viel von dem Trubel um sie herum mit und schliefen. Die jüngsten Sprößlinge des Circus Trumpf, die immerhin zu insgesamt neun Kleinkindern gehören, haben sich längst an die Geräuschkulisse gewöhnt. „Gegen Ende der Vorstellungen sind sie in der Manege dabei, um sich dran zu gewöhnen“, erklärt Maike Trumpf und weiter: „Mit etwa fünf Monaten wird die Beweglichkeit bereits langsam trainiert.“

Mit seiner freundlich, lockeren Art zelebriert Pfarrer Ellinghaus eine ganz normale Taufe und hätte man die Augen geschlossen, würde man wahrscheinlich gar nicht merken, dass der Ort keine Kirche, sondern ein Circuszelt ist. Was für die Eltern, Paten, Familie, sowie Gäste ein besonderer Tag ist, stellt für Frank Ellinghaus eine gewisse Normalität dar. Und nach dem das Ritual beendet ist, sitzen alle bei Kaffee und Kuchen in fröhlicher Runde zusammen.