Tarifforderungen überzogen

Nahmen Stellung zur Konjunktur und Tarifauseinandersetzung (vom links): Arndt G. Kirchhoff, Felix G. Hensel und Stefan Stracke
Nahmen Stellung zur Konjunktur und Tarifauseinandersetzung (vom links): Arndt G. Kirchhoff, Felix G. Hensel und Stefan Stracke
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Der Arbeitgeberverband für den Kreis Olpe nahm in einer Pressekonferenz in Olpe Stellung zur konjunkturellen Lage vor Ort und die derzeitige Tarifauseinandersetzung mit der IG Metall.

Kreis Olpe..  „Instabil“ ist das Stichwort, dass die Arbeitgeber im Kreis Olpe gestern im Hotel Albus auf der Griesemert gleich mehrfach in den Mund nahmen. Und sie meinen damit sowohl die Situation der Firmen - einigen geht es gut, anderen nicht - als auch die Situation in der Eurozone sowie immer schneller aufeinander folgende Veränderungszwänge und die geo- und finanzpolitische Lage.

Immer schneller reagieren

Verhalten, so der Vorsitzende des heimischen Arbeitgeberverbandes Felix G. Hensel, seien die Prognosen für das neue Jahr ausgefallen. Ein Prozent Steigerung erwarte man beim Bruttoinlandsprodukt, was allenfalls durch die „gleichfalls niedrig prognostizierten Verbraucherpreise (1,3 Prozent) etwas abgemildert“ werde. Das wirke sich auch auf die Zahl der Beschäftigten aus, die wohl allenfalls um 150 000 steigen werde.

Ähnlich „instabil“ wird die Lage vor Ort bewertet. Etwa jedes dritte der 24 an der Konjunkturumfrage beteiligten Unternehmen rechnet mit einer Verschlechterung, nur 15 Prozent mit einer positive Geschäftsentwicklung. 42 Prozent erwarten bei den Inlandorders, 35 Prozent bei Auslandsaufträgen einen Rückgang. Diese Zahlen nannte der Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes, Stefan Stracke. Demgegenüber hoffen 21 bzw 25 Prozent auf eine Verbesserung. Immerhin 85 Prozent bewerten die Ertragslage als befriedigend oder gut. Aber nur fünf Prozent erwarten eine bessere Ertragslage, 50 Prozent eine schlechtere. Unter dem Strich rechnet Hensel für 2015 mit einem „sich abschwächenden gesamtwirtschaftlichen Wachstum.“

Auf Veränderungen wie das verloren gegangene Russlandgeschäft müsse man immer schneller reagieren, machte Arndt G. Kirchhoff, stellv. Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Olpe und Vorsitzender der Fachgruppe Metall, deutlich. Veränderung brauche aber Zeit.

Absurde Forderungen

Vor diesem Hintergrund halten Hensel und Kirchhoff die Tarifforderungen der Gewerkschaft für absurd. 5,5 Prozent Lohnsteigerung, eine Ausweitung der Altersteilzeit und Schaffung einer Bildungsfreizeit seien in konjunkturell schwächer werdenden Zeiten völlig überzogen, ist Hensel überzeugt. Außerdem hätten die Themen Altersteilzeit und Bildungsfreizeit in der Tarifrunde eigentlich nichts zu suchen. „Wir reden darüber, aber außerhalb der Tarifrunde“, sagte Kirchhoff, der als Präsident von Metall NRW auch die Tarifrunde in NRW leitet. Zu diesem Themenkomplex gehörten auch Gespräche über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und eine lebensphasenbezogene Arbeitszeit. Schon heute würden Mitarbeiter weitergebildet, wenn es betriebsbedingt nötig sei. Und was das Thema Altersteilzeit angeht, meint Kirchhoff, dass es dieses Angebot für besonders belastete Mitarbeitern sicher geben müsse, aber nicht für jedem, der es wolle. Das würde, ergänzte Stracke, „auch das Problem des Facharbeitermangels extrem verschärfen.“

Diesem Problem wollen die Unternehmen auch mit einer gleich bleibenden Ausbildungsquote begegnen - Beweis dafür, dass die Firmen dem drohenden Facharbeitermangel aktiv gegensteuern.

Beim Lohnzuwachs hält Kirchhoff das Arbeitgerberangebot von 2,2 Prozent für einen „richtigen Reallohnzuwachs“. Das sei „ein sehr faires Angebot“, zumal man in diesen Zeiten auch kleinere Zahlen belegen könnte.

Sofort etwas tun

Immerhin ein Drittel der Unternehmen habe derzeit zu hohe Personalkosten. Die würde ein hoher Tarifabschluss besonders treffen. Hensel appelliert deshalb an die Tarifparteien, Maß zu halten und auch die Schwächsten in der Kette zu berücksichtigen.

Die große Verunsicherung in den Unternehmen habe dazu geführt, dass zuwenig investiert werde. Auch der Staat investiere zu wenig in die Infrastruktur, kritisiert Kirchhoff. Gerade hierzulande passe die Zahl der Lkw, die die heimischen Unternehmen anfahren, nicht mehr zu den kleinen Straßen. „Wir müssen diese Investitionen einfordern“, ist Kirchhoff überzeugt, dass sofort etwas getan werden muss.