Syrer in Benolpe willkommen

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Was wir bereits wissen
Viele Benolper waren zum Willkommensabend gekommen.

Benolpe..  Es war ein Plädoyer für mehr Menschlichkeit und Toleranz. Fast 70 Benolper kamen am Wochenende zum Willkommensabend ins Pfarrheim, um die drei syrischen Flüchtlinge zu besuchen, die seit einigen Tagen im Ort wohnen.

Eingeladen hatte die örtliche Caritas-Konferenz, die sich mit großem Engagement und Unterstützung aus Benolpe um die Möblierung der Wohnung und die Begrüßung der drei Männer gekümmert hat. Sieben symbolische Pflanzen in farbigen Blumentöpfen mit dem Schriftzug „Welcome“ sollten deutlich machen, dass Deutschland ein gastfreundliches Einwanderungsland sein sollte, das im positiven Sinne immer bunter wird und die neu zugezogenen Menschen als Bereicherung betrachtet. Und das nicht zuletzt auch im eigenen Interesse angesichts der Abwanderungsbewegung aus den Dörfern und der demographischen Entwicklung auf dem Land.

20 Millionen auf der Flucht

Zur Begrüßung sprach die Konferenz-Vorsitzende Andrea Becker von den persönlichen Erfahrungen und Begegnungen der letzten Tagen und formulierte deutlich: „Wir haben viel auf die Beine gestellt und uns eingesetzt, aber wir haben unendlich viel mehr von diesen Menschen zurückbekommen.“

Zum Einstieg in den Abend stellte Caritas-Vorstand Christoph Becker die Entwicklung und Situation von Flüchtlingen weltweit und insbesondere in Syrien vor. Der dortige Bürgerkrieg hat inzwischen über 3,8 Millionen der insgesamt 20 Millionen Einwohner zur Flucht außerhalb des Landes gebracht, fast die Hälfte der Bevölkerung ist innerhalb des Landes auf der Flucht und drängt in die Hauptstadt Damaskus. Etwa 40 Prozent der syrischen Flüchtlinge, die das Land verlassen haben, sind Kinder bis elf Jahre, der Anteil der über 60-Jährigen liegt bei gerade einmal 3 Prozent. „Unsere älteren Familienmitglieder sagen, dass sie zu alt seien für die Flucht, sie wollen in ihrer Heimat sterben“, erklärte Hussam Nahlawi, einer der drei in Benolpe untergebrachten Flüchtlingen.

Flucht über den Seeweg

Mucksmäuschenstill war es im voll besetzten Pfarrheim, als Hussam Nahlawi von seiner Flucht über Libanon, die Türkei, dann das nördliche Afrika und den Seeweg in einem der überfüllten Boote berichtete, hinterlegt mit einigen Handy-Fotos, die den interessierten Benolpern mittels Beamer gezeigt wurden. Hussam Nahlawi erzählte aus seinem Leben als Buchhalter in einem großen Automobilhaus in Damaskus und sehr gerührt von seiner Familie. Er berichtete von Anrufen und Meldungen der letzten Tage, dass wieder Bomben fielen und die Mütter ihre Kinder aus der Schule holen mussten.

In beeindruckender Form und Sprache ging er ein auf die Bedenken und Reaktionen in der deutschen Bevölkerung und sagte: „Wir sehen keine Perspektive in unserer Heimat. Wir sind keine Diebe, wenn wir etwas im übertragenen Sinne stehlen oder gewinnen wollen, dann sind das Eure Herzen.“ Gemeinsam mit Ali Issa, der neben seiner Frau ein dreijähriges Kind in Syrien zurücklassen musste, hat Hussam Nahlawi den mehrmonatigen Weg bis nach Deutschland geschafft. Jetzt hoffen die beiden auf ein erfolgreiches Asylverfahren und die Chance ihre Familie nachkommen zu lassen, um hier ein neues Leben zu beginnen.

Der Dritte, Hussein Alsatouf, stammt aus der im Norden von Syrien gelegenen Stadt Aleppo. Sein Fluchtweg führte durch die Türkei und über die nördliche Route mit Ungarn, Serbien und Österreich nach Deutschland, davon mehrere Wochen zu Fuß und gezeichnet von einem Bandscheibenvorfall.

Forderung an die Gemeinde

Als weitere Willkommensgeste es gelang in wenigen Minuten, die Zusagen für drei Fahrräder zu bekommen, um die Mobilität der Syrer etwas zu verbessern. Im Verlaufe des Abends wurden auch religiöse Fragen und Verbindungen zwischen dem Christentum und dem Islam angesprochen.

Schließlich wurde aus der Versammlung eine Neuorientierung der Flüchtlingspolitik gefordert: Es ist gut und richtig, dass Menschen in unserer Region Zuflucht bekommen. Flüchtlinge sind zugleich Hoffnungsträger und eine Bereicherung. Der Ort Benolpe nimmt die Herausforderung an und fordert auch die Gemeinde Kirchhundem, den Kreis Olpe und das Land auf dies zu tun und entsprechend gastfreundliche Bedingungen gestalten.