Stimmungsaufheller für Regentage

Meggen..  Es ist dunkel, es regnet, da passt eine kräftige Massage des Zwerchfells. „Auf und davon“, die Komödie von Peter Yeldham in der Inszenierung der Schauspielbühnen Stuttgart, war zumindest eine freundliche Aufhellung der Stimmung. Dass sie schon 1969 erstaufgeführt wurde, merkt man ihr teilweise an. Stellenweise wirkt ihr Witz etwas schwerfällig bzw. schon da gewesen. Außerdem konnte man manche Wiederholung von Gaunersituationen für unnötig halten.

Der aufgeteilte Mann

Ihre Lösung - die Dreierbeziehung - war in den angehenden 70er Jahren sicherlich Aufmerksamkeit erheischender als heute. Trotzdem besitzt das Stück den Vorzug aller Boulevardstücke. Es muss sich um nichts Weitreichendes kümmern, kann die Handlung hemmungslos explodieren lassen. Man muss die Figuren nicht in Tiefenschärfe kennen, man muss zum Beispiel nicht wissen, ob Charlie ( Max Tidof ) früher wirklich solide oder doch schon ein Verbrecher war. Und als sich Elisabeth ( Natalie O’Hara ) und Josephine ( Martine Schrey ) ihn schließlich unter sich „aufteilen“, so löst kein blutiger Shakespearedolch das Problem, sondern Charlies lebhafte Libido wird lediglich in Wochentage kanalisiert, Montag, Mittwoch, Freitag bekommt ihn Elisabeth und Dienstag, Donnerstag, Samstag Josephine. „Ohne Eifersucht!“, wie sie beide beteuern. Sonntags hat Charlie „ frei“.

Lassen wir die Handlung, die sich selbst genügt und lediglich den Humus für die Witze im mittleren Wärmebereich abgab, wenden wir uns der Schauspielleistung zu. Da war der Wärmegrad deutlich höher. Max Tidorf, bekannt aus vielen Fernsehrollen, gab einen Charlie, den man sich nur schwer schlitzohriger vorstellen kann.

Dem gaunernden Frauenduo immer eine freche Nasenlänge voraus, landet er schließlich in der Falle ihrer zärtlichen Arme, was er ebenso charmant und zielsicher erträgt wie ihre dauerhaften Versuche, ihn hinters Licht zu führen. Selbstverständlich sind die beiden Frauen vom Typ her gegensätzlich. Elisabeth gibt den betont weiblichen Part, während Josephine diejenige ist, die Charlie fast männlich hart Widerstand leistet. Anfangs zumindest.

Stimmungsaufheller

Sowohl Natalie O’Hara als auch Martine Schrey waren überzeugende Ganovinnen und überzeugende Liebhaberinnen. Sie waren, wie Charlie es an einer Stelle bezogen auf ihr Gaunertum sagt: „Mit Leib und Seele bei der Sache.“

Unterhaltsam und jeweils die wechselnden Städte andeutend Susanne Theil als Zimmermädchen und Gideon Rapp als Zimmerkellner. Axel Weidemann hatte seinen höchsten Hitze- oder Vergnügungspunkt als selbstsicherer britischer Abgeordneter, der Geld in die Schweiz bringen will, aber nicht merkt, mit wem er sich einlässt.

Nebenbei: Die Musik zwischen den Szenen war treffsicher ausgewählt. Stimmungsaufheller verregneter Winterabende war „Auf und davon“, aber es gibt sicherlich Boulevardstücke, die noch flottere Unterhaltung bieten. te