Stark sein für Schwache

Asylbewerber..  Da, wie ich aus der öffentlichen Bekanntmachung der Kreisstadt Olpe erfuhr, Herr Müller als Bürgermeister Anstaltsleiter unserer Notunterkünfte zur Aufnahme von Asylbewerbern ist, wende ich mich in diesem öffentlichen Brief direkt an ihn, um mich zunächst dafür zu bedanken, dass er dieses Thema, das viele Olper Bürger berührt, anderen voranstellt und zwei mögliche Alternativen als denkbar zulässt.


Wie bereits bekannt und vielfach diskutiert, denkt die Stadt Olpe über die Einrichtung eines Durchgangslagers mit einer Kapazität von bis zu 500 Menschen als Aufnahmestelle des Landes in den Gebäuden des Kolpingferienheimes Olpe nach. Dieses Haus ist als Ferienstätte für weniger als 200 Personen ausgelegt, was danach bedeutet, dass Aufenthaltsräume, Kegelbahn, Kellerräume etc. zu Schlafräumen umgestaltet werden müssten, um einer möglichst hohen Zahl von Menschen zumindest ein Bett zur Verfügung zu stellen. Die Kinder würden in ihrer Aufenthaltszeit in Olpe weder ein Anrecht auf Schulbesuch noch auf Kindergartenplätze erhalten. Das bedeutet für Erwachsene und Kinder bis zu acht Wochen Leben auf minimalem Raum ohne Rückzugsmöglichkeit.


Herr Müller spricht vom Vorteil hoher Fluktuation – für mich bedeutet das, dass diese Menschen in ihrer Übergangssituation in Olpe nicht wissen, wann und wie es mit ihnen weitergeht – nur eins ist sicher – sie müssen wieder weg.

Mit Menschen, die hierbleiben möchten und dürfen, kann sofort an positiven zukunftsweisenden Maßnahmen gearbeitet werden, z.B. Sprach- und Eingliederungskurse, Aufnahmen in Schulen und Kindergärten.


Unsere Stadt blüht – sagt Herr Müller im weitergehenden Interview und meint damit vielleicht die Infrastruktur, in die viel investiert wurde, genau wie in Gewerbegebiete. Neue Untersuchungen zeigen, dass Investitionen in Menschen, die bei uns bleiben, besonders lohnend sind! Olpe möchte lieber weiterleiten, dabei wäre für ca. 200 Personen, die wir laut Herrn Müller aufnehmen müssten (wenn kein Durchgangsheim entstünde, durch das nach und nach sicher mehrere tausend Menschen gehen würden) schon eine gute menschenwürdige Unterkunft mit Gemeinschaftseinrichtungen und separaten Bereichen für familiäres Zusammenleben vorhanden.


Vielleicht ließen sich starke Partner mit sozialem Know-How für diese Idee gewinnen z.B. im Sinne der Olperin Mutter Maria Theresia Bonzel in der GFO, die jetzt schon Kirchenasyl gewährt.


Wahrlich eine gute Chance für Herrn Müller, als Bürgermeister sein Amt zwar ohne neuen Kirchturm oder neues Rathaus aber mit dem Signal abzugeben: Olpe macht sich stark für Schwache als weltoffene und gastfreundliche Stadt.
Gitta Kramer

57462 Olpe

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