Sogar ein Stuhlbein kann zur Waffe werden

Elvira Schmengler, Stephan Clemens, Anette Pfeifer und Elke Schlosser (von links).
Elvira Schmengler, Stephan Clemens, Anette Pfeifer und Elke Schlosser (von links).
Foto: WP

Kreis Olpe..  Das Thema häusliche Gewalt ist ein Dauerbrenner und kommt in allen sozialen Schichten vor. „Wir haben seit Jahren recht stabile Fallzahlen, die leicht schwanken. Wir können sicher von einem sehr hohen Dunkelfeld ausgehen. Häusliche Gewalt ist kein ­Kontrolldelikt. Wir schellen ja nicht an der Haustür und fragen: „Haben Sie heute schon Schläge gekriegt?“, brachte es Stephan Clemens von der Olper Polizei auf den Punkt. In einer Pressekonferenz im Kreishaus informierte das „Netzwerk gegen häusliche Gewalt im Kreis Olpe“, zu dem neben der Polizei auch Frauenberatungsstelle und Frauenhaus gehören, über die Situation im Jahr 2014.

„Wir beziehen jetzt auch die Migrantenvertretung mit ein. Bisher hatten wir das noch etwas außer acht gelassen“, sagte Elvira Schmengler, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Olpe und Koordinatorin des Netzwerkes. „Es gibt auch Fälle, in denen der Enkel den Opa schlägt oder der Opa den Enkel. Zunehmend sind die Taten bei Alleinerziehenden. Da schlägt die 13-jährige Tochter oder der 14-Sohn die Mutter. Auch 14- bis 16-Jährige schlagen sich untereinander in der Familie. Dann wird das Jugendamt eingeschaltet“, so Stephan Clemens. Die Delikte reichen von Beleidigung, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch über Bedrohung bis hin zu Körperverletzungen. Die Polizei kann je nach Schwere des Deliktes für die Täter ein zehntägiges Rückkehrverbot in die Wohnung aussprechen. 14 gefährliche Körperverletzungen registrierte die Polizei im vergangenen Jahr. Da wird dann zum Beispiel mit einem Stuhlbein geschlagen. Fälle mit sehr hoher Brisanz und schwerst verletzten Frauen gab es laut Clemens in 2014 nicht.

„39 Faxe bekamen wir von der Polizei nach Einsätzen zu häuslicher Gewalt. Davon haben 18 Frauen das Angebot der Beratung angenommen“, sagte Anette Pfeifer von der Frauenberatungsstelle Olpe. Und: „Über 80 Prozent der Rat suchenden Mädchen und Frauen waren von physischer, psychischer und sexualisierter Gewalt betroffen.“ Die Täter sind überwiegend männlich, doch gab es auch sechs Prozent Frauen. Zum großen Teil handelt es sich bei den Tätern um Verwandte, Lebensgefährten oder ehemalige Lebensgefährten, aber in einigen Fällen auch um Bekannte, Kollegen und professionelle Helfer. Es gab 1463 Einzelberatungen. „Die Gruppenangebote zu den Themen Selbstsicherheitstraining, Trennung - Scheidung und die neue Musiktherapie für Frauen waren gut besucht“, so Anette Pfeifer.

Flucht ins Frauenhaus

Häufig hilft nur noch die Flucht ins Frauenhaus. Dies sei in 2014 fast immer ausgebucht gewesen, so Elke Schlosser. Platz gibt es dort für acht Mütter und acht bis zehn Kinder. 73 Hilfesuchenden habe man absagen müssen. Hier besteht die Möglichkeit, ins Frauenhaus nach Hagen auszuweichen.

Keine Frage: Das „Netzwerk häusliche Gewalt im Kreis Olpe“ wird auch in diesem Jahr wieder jede Menge zu tun haben. Dabei wird das Netzwerk weiterhin die Informationen bündeln und gemeinsam helfen. Einen großen Mangel bei der Arbeit sprach Anette Pfeifer an: „Von der Schnelligkeit der Therapie her ist der Kreis Olpe immer noch ein weißer Fleck.“