Schwierige Gemengelage und kein Heilmittel

Die Diskussion über die Zukunft der ärztlichen Versorgung im Kreis Olpe fand zwar interessierte Zuhörer, aber letztlich kaum Lösungsansätze.
Die Diskussion über die Zukunft der ärztlichen Versorgung im Kreis Olpe fand zwar interessierte Zuhörer, aber letztlich kaum Lösungsansätze.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
CDU-Kreisvorsitzender Theo Kruse hat zur Podiumsdiskussion über „Die Zukunft der ärztlichen Versorgung im Kreis Olpe“ eingeladen. Am Ende waren die knapp 50 Zuhörer im Olper Kolpinghaus nicht viel schlauer als vorher.

Olpe..  Es ist eine schwierige Gemengelage mit vielen unterschiedlichen Interessen. Wohl auch deshalb ging es in der Podiumsdiskussion über „Die Zukunft der ärztlichen Versorgung im Kreis Olpe“ längst nicht nur um das eigentliche Thema, sondern zeitweise um die Krankenhaus-Finanzierung, drohende Schließungen von Hospitälern oder die Verteilung der Mittel der Krankenkassen.

CDU-Kreisvorsitzender Theo Kruse MdL hatte zu der CDU-Veranstaltung im Olper Kolpinghaus die Experten am Podium und die knapp 50 Zuhörer begrüßt, ehe Peter Preuß, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, ein Positionspapier der CDU ansprach, in dem eine Reform des Medizin-Studiums, Stipendien für junge Ärzte, die sich im ländlichen Raum niederlassen, die Aufhebung der strikten Trennung zwischen Krankenhaus und niedergelassenem Arzt und die Schaffung eines neuen Medizin-Studiengangs in Bielefeld gefordert wird.

Kein Akut-Problem

Hans-Georg Cremer, selbst Arzt und stellv. Vorsitzender der CDU im Kreis Olpe, hatte Zahlen mitgebracht. Demnach streben immer mehr Frauen in den Arztberuf, die jungen Ärzte eher in die Krankenhäuser statt in eigene Praxen und vor allem in die Mittel- und Großstädte. 31 000 Ärzte sind mittlerweile ausländischer Herkunft.

Georg Keppeler, Verwaltungsratsvorsitzender der AOK Nordwest und Mitglied des Aufsichtsrates des AOK-Bundesverbandes, wurde deutlich: „Wir haben kein Akut-Problem“, sagte er. Deutschland gehöre mit 365 000 Ärzten zu den am besten versorgten Ländern. Allerdings seien die Mediziner „falsch verteilt“, weil alle „nach Köln oder Düsseldorf“ wollten. Seine Forderung: Mehr Studienplätze ausschließlich für Allgemeinmediziner.

Wolfgang Nolte, Geschäftsführer der kath. Hospitalgesellschaft, bestätigte: Je weiter die Autobahn weg sei, umso schwieriger werde es. Er fürchtet, „dass wir das gesamte System vor die Wand fahren“ und kritisierte, dass 30 Prozent der Arbeit von Ärzten und Pflegern auf die Dokumentation entfielen.

Im Kreis Olpe sind „viele Ärzte älter als 55 Jahre“ machte Dr. Martin Junker, Bezirksstellenleiter der Kassenärztlichen Vereinigung aus Olpe, die Altersstruktur deutlich. Er kritisierte die wachsende Misstrauenskultur gegenüber Ärzten, die pauschal unter Betrugs-/Korruptionsverdacht gestellt würden.

35 000 Euro müsse man an Headhunter bezahlen, wenn man einen Oberarzt suche, erzählte Tobias Hindermann, Geschäftsführer der Helios-Klinik Attendorn von den Problemen, Fachärzte zu finden. Für ihn ist klar: „Wir brauchen mehr Studienanfänger.“

Zukunftsperspektiven

Keppeler stellte etwas provozierend die Frage, was denn wichtiger sei, eine wohnortnahe oder die bestmögliche medizinische Versorgung, während Dr. Junker die Frage aufwarf, was mit dem Krankenkassenbeiträgen der Versicherten passiere, wenn man bedenke, dass nur 15 Prozent davon für Diagnostik und Behandlung ausgegeben würden.

Lösungen des Problems ergaben sich auch aus den anschließenden Wortmeldungen nicht. Da wurde unter der anwesenden Ärzteschaft über „entlastende Versorgungsassistenten“ gesprochen, die per Internet mit Ärzten reden, die dann per Ferndiagnose über die weitere Behandlung des Patienten entscheiden und über das „Versorgungszentrum, das die heutige Arztpraxis ersetzen“ werde sowie über den Ersatz ärztlicher Leistungen zum Beispiel durch Physiotherapeuten, die am Ende ganz ohne medizinische Diagnose Patienten behandeln.

So blieb am Ende ein Appell von Dr. Junker: „Das Problem wird nur gelöst, wenn alle gemeinsam nach Lösungen suchen. Auch die Patienten: Bitte machen Sie Druck.“