Schwermütiger Tiefsinn und nicht nur Rambazamba

Meggen..  Die Website zu Liese-Lotte Lübke verspricht einiges, aber dies und das muss noch gehalten werden. Was sie im Meggener PZ auf die Bühne zauberte, war schon gekonnter Tiefsinn, oft der etwas schwermütigeren Art. Aber das hatte sie angekündigt. „Da müssen Sie heute Abend durch, nicht nur Rambazamba den ganzen Abend!“

Ihre Sprachtextbereiche blieben doch recht verhalten und die Komik von Jakob Nacken am Klavier, den sie zusammen mit Malte Pieper vertrat, erreichte sie nicht, wollte es vielleicht auch nicht. Ihr Metier war an diesem Abend die Singer-Songwriter-Kultur mit leichter Replik auf die eigene elfjährige Waldorfvergangenheit, die sie aber leider nur ansatzweise aufs Korn nahm. Da wäre sicherlich noch einiges möglich gewesen.

Muttersyndrom

Auch ihr Muttersyndrom, das sie ab und zu anbrachte, blieb letztlich unausgefüllt. Am stärksten war sie, wenn das Licht auf Blau wechselte und sie sang, zum Beispiel davon, dass man das, was man tut, lieben soll, dass man seine Ziele verfolgen soll, dass das Kopf in den Sand stecken verkehrt ist, gängige Themen also, aber recht eigenwillig verpackt und somit von einem gewissen Neuwert.

Das Schreibtalent für Lieder ist da, das spürte auch das Publikum und begleitete ihre Texte und Melodien zu Recht mit viel Interesse und Applaus. Aber manchmal müsste sie, wenn sie schnell singt, etwas deutlicher singen.

Deutlichkeitsprobleme gab es auch bei Malte Pieper, auch er gönnte sich die Vernuschelung dieses oder jenes Satzes. Das sollte er keineswegs bei sich durchgehen lassen. Malte Pieper könnte jemand in der Kabarettszene werden. Er hat i keine Angst vor Plattitüden, später dann hoffentlich auch nicht davor, sie aus seinem Repertoire verschwinden zu lassen, er besitzt eine klare Auffassung von seiner Rolle auf der Bühne, der moderne junge Mann, der alle Annehmlichkeiten der heutigen Welt schätzt, sie aber gleichzeitig hinterfragt und genauso misstrauisch die Dinge betrachtet, die ihm aus dem Früher entgegenleuchten, als da wären, übriggebliebene Telefonzellen (Smartphones, in denen man telefonieren kann ) oder der Brief („Da muss man das Haus verlassen, um ihn wegzuschicken, das muss man sich mal vorstellen!“).

Ein gerüttelt Maß an Ironie

Bei Malte Pieper ist ein gerüttelt Maß an Ironie vorhanden, das ihn durch viele Fährnisse tragen kann, und auf ein zweites wichtiges Element des Kabarettisten hat er große Lust: die Sprache( „Ich lese auch, was auf die Sitze von Bussen gekritzelt ist.“).

Wie er zum Beispiel die angeblich englische Bezeichnung einer großen Lebensmittelkette für Rucksack („body pack“) als Begriff enttarnte, der im realen Englisch „Leichensack“ bedeutet, war schon des Zuhörens wert. Das Publikum spürte diese Lust und gab die Belohnung durch Klatschen.

Noch Luft nach oben

Zwei junge Kabarettisten also, die redlich ihren Mann bzw. ihre Frau standen, sodass keiner unbespaßt nach Haus begehen musste, aber bei beiden – keine Frage – ist noch Luft nach oben.