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Segelfliegen

Schulgleiter-Fliegen auf der Wasserkuppe

30.12.2015 | 17:50 Uhr
Schulgleiter-Fliegen auf der Wasserkuppe
Der junge und leichte Carl-Willem Thöne blieb mit dem Schulgleiter SG 38 immerhin 22 Sekunden in der Luft.Foto: Manfred Gante

Attendorn/Finnentrop.   Segelflieger des LSC Attendorn-Finnentrop flogen in der Rhön mit einem Schulgleiter aus den 30er Jahren und hatten viel Spaß.

Die Wasserkuppe in der Rhön gilt als die Geburtsstätte des Segelflugs in Deutschland und beherbergt das Deutsche Segelflugmuseum, das nicht nur historische Segelflugzeuge ausstellt, sondern auch das Fliegen damit ermöglicht.

Genau das tat eine Gruppe von Fliegern des heimischen Luftsportclubs Attendorn-Finnentrop in den letzten Herbsttagen. Manfred Gante hatte die zweitägige Fahrt in die Rhön organisiert, an der insgesamt 33 Flugbegeisterte teilnahmen.

Erste Hüpfer mit dem Schulgleiter

Auf der Wasserkuppe wollte man selbst erleben, wie die Gründerväter des Vereins in den 40er Jahren in der Stesse bei Attendorn das Segelfliegen erlernt haben.

Nicht wie heute in einem Doppelsitzer mit einem erfahrenen Fluglehrer „im Nacken“, der jederzeit eingreifen kann, sondern mit einem offenen Schulgleiter, mit dem man nach ersten „Trockenübungen“ sofort alleine die ersten „Hüpfer“ machte.

Doch die Sauerländer hatten Pech, am ersten Tag herrschte schlechtes Wetter in der Rhön, an Fliegen war nicht zu denken. So nutzte man die Zeit zum Besuch des Deutschen Segelflugmuseums.

Am zweiten Tag war das Wetter besser, doch vor dem Fliegen fand eine umfangreiche theoretische Gefahreneinweisung durch einen Fluglehrer für alle statt. Ganz egal ob „alter Hase“, wie Gerd Grzibiela mit 68 Jahren und mehreren Tausend Flugstunden, oder Tim Schröder, der mit 15 gerade erst seinen ersten Alleinflug absolviert hatte.

Dann endlich wurde der Schulgleiter SG 38 in Position gebracht. Für den nötigen Schwung, um von der seicht abfallenden Wiese abheben zu können, sorgte wie früher ein zweigeteiltes, circa 60 Meter langes Gummiseil, das von einer zehn- bis 16-köpfigen Startmannschaft, auch „Gummihunde“ genannt, um 60 Prozent ausgedehnt und auf Spannung gebracht wurde, während eine vierköpfige Haltemannschaft den Schulgleiter am Heck festhielt.

Auf Kommando des Fluglehrers lief die Startmannschaft los und die Haltemannschaft gab den Gleiter frei, der, auf einer Kufe rutschend, mit großer Wucht nach vorne katapultiert wurde. Manfred Gante, selbst Pilot mit großer Flugerfahrung meint, er habe solch eine Beschleunigung noch nie erlebt: „Als wenn einen ein Pferd tritt“.

Maximal 22 Sekunden in der Luft

Abhängig vom Gewicht des Piloten, schwebte der Gleiter, da nur wenig Wind herrschte, nach Gantes Schätzung in einer Höhe zwischen zwei und sieben Metern hangabwärts und blieb zwischen minimal 13 und maximal 22 Sekunden in der Luft. Diese „Hüpfer“ machten den Segelfliegern, die bei guter Thermik mit ihren modernen GFK-Flugzeugen mehrere Stunden in der Luft bleiben können, so viel Spaß, dass alle zweimal Starten wollten.

Das verhinderte allerdings nach 31 Starts ein Bruch der Gleitkufe aus Holz, so dass man vorzeitig den Flugbetrieb einstellen musste. Das wurde Angesichts der anstrengenden Startprozedur allerdings nicht von allen bedauert.

Peter Plugge

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2015-12-30 17:50
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