Schulen und Vereine profitieren von Spenden der Industrie
20.11.2008 | 15:31 Uhr 2008-11-20T15:31:00+0100
Privates Mäzenatentum ist in Attendorn ausgeprägt - nicht nur in der Kunst. Vor allem Vereine und Schulen profitieren von Spenden aus der Industrie.
Von Hubertus Heuel
Attendorn. Attendorn kann sich auf seine Unternehmer verlassen: Die Spendenbereitschaft der heimischen Firmnenchefs ermöglicht Schulen und Vereinen außergewöhnliche Anschaffungen.
Erst im Oktober überwiesen Heinz-Bernd und Walter Viegener, geschäftsführende Gesellschafter des Armaturenherstellers Viega, für die Jugendarbeit 20 000 Euro an den Stadtsportverband. Dessen Chef Rüdiger König versprach: „Das Jugendförderungsprogramm ist so angelegt, dass das Verhältnis zwischen Wirtschaft und Sport an der Basis ansetzt. Beide Seiten profitieren gleichermaßen.” Will sagen: Junge und motivierte Sportler, die dank der finanziellen Förderung Erfolge erzielen, werden später vielleicht einmal zu motivierten und ehrgeizigen Mitarbeitern in der heimischen Industrie. Nicht nur Sportvereine werden bedacht. Als die Karnevalsgesellschaft kürzlich ihre Tanzgarden neu einkleiden wollte, stand sie vor einem Problem: Die Kostüme für Regimentstöchter und Biggesterne kosteten 25 000 Euro. Lediglich 6000 Euro mussten durch Mitgliedsbeiträge erbracht werden, an Spenden kamen 19 000 Euro herein. „Darunter waren dicke Summen von Industriellen”, so KG-Präsident Otto Höffer. Überhaupt sei das Attendorner Brauchtum ohne die Unterstützung von Sponsoren gefährdet, sagt Höffer: „Ohne Spenden würde es den Veilchendienstagszug in dieser Größenordnung nicht geben.” Deshalb könne man das Engagement der gebefreudigen Mäzene nicht hoch genug einschätzen: „Ich muss einem Unternehmer allerdings sehr genau sagen, wofür ich Geld benötige”, so Höffer. „Für Kamelle und Konfettisäcke kriege ich unter Garantie nichts. Aber beim Baumaterial für die Wagen sieht das anders aus.” Mit gezielten Bitten um Spenden für ein sinnvolles Projekt hat auch Klaus Böckeler, Leiter des städtischen Rivius-Gymnasiums, gute Erfahrungen gemacht: „Man muss auf die Firmen zugehen, dann findet man ein offenes Ohr.” Zwar sei seine Schule dank der finanziellen Zuwendungen durch die Stadt sehr gut ausgestattet, doch zusätzliche Spenden machten vieles leichter. Erst kürzlich konnte so ein Klassensatz neuer CAS-Rechensysteme beschafft werden, und auch den Aufenthaltsraum für die Oberstufe bezahlten private Geldgeber. Die caritativen Organisationen der katholischen Kirche können sich auf regelmäßige Zuwendungen verlassen. St.-Nikolai- und St.-Sebastianus-Konfraternität, alte Attendorner Zünfte, spenden jedes Jahr für den guten Zweck. Caritas, Attendorner Tafel und Vinzenz-Konferenz erhalten je 500 Euro, auch das Altenheim wird bedacht. Den 15 000 Euro teuren Pavillon bezahlten die Sebastianer ganz allein. Dagegen bestritt die katholische Kirchengemeinde die 100 000 Euro teure Renovierung des Sauerländer Doms vor drei Jahren mit dem Geld von Kleinspendern. „Bis zu 2000 Euro haben einige Leute gegeben”, so Heinz Halberstadt, 2. Vorsitzender des Kirchenvorstands. „Dass die Industrie uns nicht geholfen hat, hat uns ein wenig enttäuscht.” Sichtbarstes Zeichen unternehmerischen Mäzenatentums in Attendorn ist der sogenannte Kugelblitz der Kölner Bildhauerin Barbara Szytz im Kreisel des Kölner Tores: Die Firmen Aba Beul, Beulco, Bruse, Otto Dingerkus, Gedia, Kemmerich, Kirchhoff, Mubea, Muhr & Söhne, Seelbach und Viega ermöglichten das Kunstwerk im Jahre 2001 mit einer Gemeinschaftsspende von 45 000 Mark.
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Im Gegensatz zu den Vereinen bekommt die Kirche reichlich Kirchensteuer. Diese ist in diesem Jahr erheblich gestiegen. Darum müssen Spenden nicht unbedingt der Kirche zufließen.
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2001