Regenbogenland Olpe – Alle vier Wochen 400 neue Nachbarn

Sie haben ihr eigenes Konzept für die Unterbringung und Integration von Flüchtlingen in Olpe: Christian Hose (46), Wolfgang Maasjost und Ansgar Clemens (von rechts).
Sie haben ihr eigenes Konzept für die Unterbringung und Integration von Flüchtlingen in Olpe: Christian Hose (46), Wolfgang Maasjost und Ansgar Clemens (von rechts).
Foto: Matthias Graben / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Bürgerinitiative „Humanitäre Flüchtlingspolitik in Olpe“ lehnt die Massenunterkunft in einem Olper Wohngebiet ab. Die Anwohner fühlen sich überfordert und von der Politik allein gelassen.

Olpe.. Regenbogenland. Ein Wort mit einer Melodie. Sie klingt freudig, farbig, friedlich. So hat das Kolpingwerk, Diözesanverband Münster, seine Familienferienstätte auf dem Kreuzberg in Olpe genannt. Ein Ort, an dem wirtschaftlich schwächere Familien Erholung suchten. Das ist Geschichte.

Flüchtlinge Jetzt ist es eine Durchlaufstation – für Flüchtlinge. Vier bis sechs Wochen halten sie sich hier auf. Sie sind aus Marokko, Eritrea, Syrien, Serbien, dem Kosovo und der Mongolei. Danach werden die Frauen, Männer und Kinder auf Kommunen im Land verteilt. Die Beamten der Bezirksregierung in Arnsberg sprechen von einer zentralen Unterbringungseinrichtung, einer ZUE.

Anwohner alleine gelassen

Ein Kürzel, mit der sich die Mitglieder der Bürgerinitiative „Humanitäre Flüchtlingspolitik in Olpe“ erst vertraut machen müssen. Ihr Kern stammt aus der unmittelbaren Nachbarschaft der Unterkunft. Hier haben die Familien gebaut, hier fühlen sie sich zu Hause. Heimat eben. „Wir waren sprachlos, als wir davon in der Zeitung eher beiläufig erfahren haben“, sagt Christian Hose. „Auffällig von Anfang an war es, dass finanzielle Aspekte für die Stadt im Vordergrund standen.“

Der 46-jährige Vertriebsleiter, Vater von drei Kindern, schüttelt den Kopf und zitiert nicht nur einmal die Äußerung von Bürgermeister Horst Müller (CDU), der gesagt habe: „Damit wären wir aus der Sache heraus“. Die Interessen der Anwohner spielten offenbar keine Rolle.

Dünne Informationen durch Stadtverwaltung

Die Stadtverwaltung habe die Nachbarn der Familienferienstätte nur mit dünnen Informationen versorgt. Ansgar Clemens, Design-Ingenieur, will es nicht in den Kopf, wie wenig sich die Verantwortlichen mit der Situation vor Ort beschäftigt haben. „Sie haben sich nicht mit den Konsequenzen auseinandergesetzt.“ Die Mitglieder der Initiative, es sind 250, machen sich schlau über Begrifflichkeiten und Zuständigkeiten der Flüchtlingspolitik, besuchen die Einrichtungen in Hemer und Burbach. „Wir waren und sind völlig auf uns gestellt“, so der 49-Jährige, „Auskünfte gibt es, ob in Olpe oder Arnsberg, unvollständig und nur auf Nachfrage.“ Ein Vorwurf trifft auch Bürgermeister Müller. Er habe sich nie im Wohngebiet blicken lassen. „Die Anwohner werden allein gelassen.“

Flüchtlinge Womit? „Mit 400 neuen Nachbarn aus über 30 Nationen alle drei bis vier Wochen“, sagt Hose. „Das kann nicht funktionieren und hat wenig mit Integration zu tun.“ Der Aufbau von Beziehungen, sei es der eigenen Kinder oder der ehrenamtlichen Helfer mit den Menschen in Not, sei schlicht nicht möglich. ­Hose: „Wie auch? Jährlich sollen hier 6000 bis 10 000 Menschen durchgeschleust werden.“

Keine Verständigung mit Menschen im Wohngebiet

Die Anwohner seien es, die mit den Auswirkungen dieser Massenunterkunft konfrontiert würden. Die Erfahrungen aus Orten mit ähnlichen Einrichtungen zeigten dies. „Es gibt aufgrund der Sprachprobleme keine Verständigung mit den Menschen im Wohngebiet“, sagt Wolfgang Maasjost, Sachverständiger für Feucht- und Schimmelschäden: „Pöbeleien mit angetrunkenen Männern, die alleine angekommen sind, gehören genauso dazu wie Diebstähle in Supermärkten.“ Nicht zuletzt fördere die Unterbringung verschiedener ethnischer Gruppen auf engstem Raum die Konflikte.

Auch fehlten in Olpe Möglichkeiten, sich in der Freizeit zu beschäftigen. Ein Ärgernis: Der Spiel- und Bolzplatz an der Familienferienstätte sei geschlossen. „Hier sind regelmäßig 60 bis 80 Kinder, die nicht wissen, was sie tun sollen.“

Alternativen aufgezeigt

Horst Müller: „Für Olpe ist das die beste Lösung“ Eines machen die Vertreter der Bürgerinitiative mehr als einmal deutlich: Ihnen geht es nicht darum, nur dagegen zu sein. Sie zeigen Alternativen auf, erarbeiten mit dem Caritasverband Olpe ein dezentrales Konzept für die Unterbringung und Integration von Flüchtlingen in Olpe – mit Einbindung des Regenbogenlandes als Flüchtlingsunterkunft. „Beispiele anderer Kommunen zeigen“, sagt Maasjost, „dass dies eine faire und nachvollziehbare Lastenverteilung schafft, für ein besseres soziales Klima zwischen Flüchtlingen und Bürgern sorgt und unnötige Konflikte vermeidet.“

Am Ende führe dies zu einer hohen freiwilligen Beteiligung der Bürger und fördere die Eigenverantwortlichkeit der Flüchtlinge für ihre Wohn- und Lebensverhältnisse.

Nach Angaben der Stadtverwaltung sei dieses Modell aber, das auch konkrete Hilfsmaßnahmen beinhalte, vom Umzugsmanagement bis zu Mutter-Kind-Nachmittagen, nicht finanzierbar. Die dezentrale Lösung solle bis zum Jahr 2020 nach ihrer Berechnung elf Millionen Euro kosten. Eine Rechnung, die nach Ansicht der Bürgerinitiative nicht aufgeht. „Da sich Olpe“, unterstreicht Maasjost, „auf Jahre durch die zentrale Unterbringungseinheit festlegt, wird die vorhandene Struktur für Flüchtlinge zerstört. Mit Integration hat das nichts zu tun.“

Regenbogenland? Ein Wort ohne Melodie.