Rechnung vergessen: Schützen sollen 16.000 Euro nachzahlen

Der Schützenverein Altenhundem soll mehr als 16.000 Euro an Heizkosten nachzahlen, weil RWE die Rechnung vergaß.
Der Schützenverein Altenhundem soll mehr als 16.000 Euro an Heizkosten nachzahlen, weil RWE die Rechnung vergaß.
Foto: Iris-MEDIEN/P

Altenhundem..  Fast täglich bekommt Peter Dommes, seit 2008 Kassierer des Schützenvereins Altenhundem, Rechnungen auf den Tisch. Die Abrechnung, die Ende September von der RWE Vertrieb AG ins Haus flatterte, hatte es in sich. Der Schützenverein sollte 16 282 Euro für Erdgas nachzahlen, und zwar für die letzten zehn Jahre. Das Entsorgungsunternehmen hatte seit 2004 schlichtweg „vergessen“, eine Rechnung zu schreiben. Trotzdem ist der Verein zahlungspflichtig, denn bei Strom und Gasverträgen gibt es keine Verjährungsfrist.

Zähler vergessen

Die vereinseigene Sauerlandhalle hat vier Gaszähler, die jedes Jahr turnusgemäß abgelesen werden und wurden. Und zwar in der Regel von einem Mitarbeiter des Netzbetreibers Westnetz GmbH, ein Tochterunternehmen der RWE AG. Peter Dommes: „Alle Rechnungen, die ich anschließend von der RWE Vertrieb AG bekommen habe, habe ich bezahlt.“ Und er war überzeugt, damit seien alle Heizkosten beglichen.

Aber offenbar – das ergaben die Recherchen des Vereins – hatte Westnetz von 2004 bis 2011 aus unerfindlichen Gründen nur die Zählerstände von drei Gaszählern zur Abrechnung an die RWE Vertrieb AG weiter geleitet. Erst im März 2011 war der Fehler aufgefallen. Anschließend dauerte es weitere 3,5 Jahre, bis die RWE Vertriebs AG die Rechnung schrieb, über 16 282 Euro. Wer jetzt glaubt, der Schützenverein sei fein raus, weil die Sache verjährt sei, der irrt. Christoph Brüggemann, Vorsitzender der Schützenvereins und von Beruf Jurist: „Bei Strom- und Gasverträgen gibt es keine Verjährungsfrist.“ Genauer gesagt: Die Frist beginnt erst zwei Wochen nach Rechnungsstellung. Aber wann der Versorger seine Rechnung schreibt, „das ist völlig wurscht“, so Brüggemann.

Und völlig anders als im „normalen“ Geschäftsleben. Denn dort tritt die Verjährung von Rechnungen rund drei Jahren nach Leistungserbringung ein. Hat ein Unternehmen dann noch keine Rechnung geschrieben, muss der Kunde nicht mehr zahlen.

Kunde muss nachrechnen

Laut OLG-Rechtsprechung ist bei Energieverträgen der Kunde, also hier der Schützenverein, sogar verpflichtet, die fehlende Rechnung über den dritten Zähler einzufordern. Oder anders gesagt: Dem Schützenverein hätte die Rechnungspanne des Entsorgungsriesen auffallen müssen. Brüggemann: „In allen Fällen ist der Leistungserbringer Schuld, wenn er seine Rechnung nicht schreibt, nur bei Gas- und Stromverträgen ist es der Kunde.“

Juristisch ist die Nachforderung also nicht anzufechten. Der Verein nahm dennoch sofort Kontakt mit RWE auf. Peter Dommes: „Plötzliche Mehrausgaben von 16 000 Euro, das geht an die Substanz des Vereins.“

Zunächst zeigte sich der Entsorgungsriese wenig kulant. Brüggemann: „RWE bot uns Ratenzahlung ohne Zinsaufschlag an, ansonsten gab es kein Entgegenkommen.“ Gestern dann die Wende. RWE wird nun auf das Vergleichsangebot des Vereins eingehen und erlässt den Schützen rund ein Drittel der Nachforderungen. Mario Leikop, RWE Vertrieb AG: „Die Sache ist ein großer Ausnahmefall, deshalb gehen wir auf das Angebot ein.“