Ratgeber und Kummerkasten für Schulkinder

Olpe..  Als bisher einzige Grundschule im Stadtgebiet Olpe verfügt die Gemeinschaftsgrundschule Hakemicke seit Februar dieses Jahres über eine Schulsozialarbeiterin. Andrea Grob arbeitet seit 17 Jahren in der stationären wie ambulanten Jugendhilfe. In einer Schule ist die 40-jährige Sozialpädagogin als solche erstmals tätig. Viel Spaß macht ihr der Job, erzählt sie. Was sie besonders schön findet ist, dass ihr die Schülerinnen und Schüler ganz offen begegnen, völlig wertfrei sozusagen.

Andrea Grob ist Ratgeberin, Streitschlichterin, Kummerkasten, Spielgefährtin und ganz einfach jemand mit einem offenen Ohr und Zeit für alle Fragen, die ein junges Leben beschäftigen. Ihre Arbeit mit den Schülern umfasst individuelle Einzelhilfe, pädagogische Gruppenarbeit und Projekte sowie offene Angebote. Und natürlich ist sie auch für die Lehrer da, die abseits des straffen Lehrplans zu wenig Zeit haben, sich mit bestimmten Problemlagen explizit zu befassen.

„Kinder befinden sich heute in anderen Lebenswelten als früher, müssen ganz andere Herausforderungen bestehen“, sagt Andrea Grob und spricht von neuen Familienverhältnissen, alleinerziehenden Müttern und Vätern, Patchworkfamilien, Familien, in denen beiden Elternteile arbeiten, der Globalisierung und unterschiedlichen Kulturen, die in einer Schule aufeinandertreffen, oder auch Freizeitstress und Reizüberflutung durch die Medien. Schulleiterin Anke Olberts hat ein Beispiel: „Kinder verlernen zunehmend, Mimik zu deuten oder auch anzuwenden. Das führt zu Missverständnissen und schließlich zu Streitereien“, führt sie dieses auch darauf zurück, dass es den Kindern durch ein Zuviel von Computer und TV zunehmend an Auseinandersetzungen mit realen Personen mangelt. Dazu komme das „Funktionieren müssen“ mit wenig Raum für Gefühle und Gespräche. „Unsere Schüler sollen in ihren sozialen Kompetenzen und Schlüsselqualifikationen gestärkt, der Schulalltag stabilisiert, der Lernerfolg gesichert werden.“ Den Bedarf, Kindern mehr Lebensqualität und Ruhe zu geben, betont Birgitta Wendland, Leiterin des Ganztages. „Die Gesellschaft ist im Ganzen komplizierter geworden, hektischer, schneller, und auch der Stress der Eltern überträgt sich auf die Kinder.“

Finanzierung bis 2016 sicher

„Schulsozialarbeit ist ein wichtiger Bestandteil lebensweltorientierter Hilfe“, so Olberts zum präventiven und intervenierenden Auftrag von Schulsozialarbeit, der auch mit dem übrigen Umfeld der Kinder verzahnt sein soll. Und weil das so ist, holt man ebenso die Eltern mit ins Boot, möchte in dem Sinne „für alle eine offene Tür“ sein. So wird zukünftig in der Hakemicke ein Elternkaffee angeboten.

Finanziert wird die Schularbeit an der Gemeinschschaftsgrundschule Hakemicke durch den Kreis Olpe. Bis 2016 herrscht finanzielle Sicherheit, doch wie es weitergeht, wenn die Töpfe leer sind, ist unklar. „Das muss in den politischen Gremien diskutiert werden“, so Thomas Bär, Erster Beigeordneter der Stadt Olpe.

Schulsozialarbeit sei sicher ein Thema, aus dem man sich nicht rausziehen könne, unabhängig davon, wer zahle. Schulalltag heute habe sich gewandelt und müsse viele gesellschaftliche Veränderungen auffangen. Die Frage sei dabei aber auch, inwieweit Gesellschaft und Staat in die Lücken treten.