Postsprecher: „Sehe kein Service-Problem“

Olpe/Frankfurt..  Nach den Problem-Geschichten mit der Deutschen Post der vergangenen Tage hatten wir Gelegenheit, mit der Gegenseite, also der von Lesern kritisierten Post, zu sprechen. Rede und Antwort stand uns der Pressesprecher der Post in Frankfurt, Alexander Böhm.

Frage: Herr Böhm, was früher der Staats- und Beamten-Apparat Post war, ist heute Post AG mit Post, DHL, Postbank. Für den Otto-Normal-Verbraucher mal ganz einfach formuliert, wem tritt man eigentlich gegenüber, wenn man einen Brief oder ein Paket auf die Reise schickt?

Alexander Böhm: Der Deutschen Post DHL. Die juristische Bezeichnung lautet Deutsche Post AG. Wir agieren national wie auch international unter den Marken DHL und Deutsche Post. Im klassischen nationalen Briefbereich ist die Deutsche Post wie es im Werbeslogan heißt ,die Post für Deutschland - DHL, der Logistiker für die Welt’. Die Postbank gehört nicht dazu, sie gehört der Deutschen Bank.

Nach den kritischen Meldungen unserer Leser: Hat die Post/DHL ein Service-Problem?

Nein, ich sehe kein Service-Problem. Wir befördern durchschnittlich 64 Millionen Briefsendungen jeden Tag, dazu 3,4 Millionen Pakete. Auch jeden Tag. Und unabhängige Unternehmen, wie der TÜV beispielsweise, bescheinigen uns, dass unsere Zustell-Qualität, heute eingeliefert - morgen zugestellt - im Briefbereich bei 94 Prozent liegt und im Paketbereich bei 90 Prozent. Die Zustell-Qualität am zweiten Tag liegt bei 99 Prozent bei den Briefen. Der eine oder andere Brief oder das eine oder andere Paket schafft es vielleicht gar nicht. Da muss man dann die Frage klären: Warum schafft es den Weg zum Empfänger nicht?

Wie hoch ist denn die prozentuale Quote der Beschwerden?

Da gibt es keine Daten, die wir veröffentlichen. Da bitte ich um Verständnis, da unser Wettbewerber solche Daten natürlich gerne annehmen würde. Allerdings sind Beschwerden anhand der Gesamtmenge, die wir nicht am ersten Tag zustellen, sondern erst am zweiten Tag, sehr gering. Sicherlich gibt es immer mal wieder eine Beschwerde. Das nehmen wir auch sehr ernst, sind sogar froh über solche Rückmeldungen, weil es uns dazu zwingt, nachzuprüfen, was ist schief gelaufen, wo liegt der Fehler, wer hat den Fehler gemacht, wo können wir besser werden?

Wie aber kann es sein, dass ein alter, verschollener Fotoapparat wie im Falle des Olpers Haymo Wimmershof keinen Cent mehr wert sein soll?

Da wird nach dem Zeitwert und verschiedenen anderen Parametern geschaut. Der Zeitwert ergibt sich aus dem Anschaffungswert, was so eine Kamera irgendwann mal gekostet hat und dann, was es für eine Abnutzung hat. Für einen Privatmann nutzt das natürlich nichts, dem ist eine gewisse Sache hoch und heilig. Aber nichts desto trotz, auch die Versicherungswirtschaft rechnet so ab. Man darf nicht den Fehler machen, den Vergleich zu ziehen zur Hausratversicherung mit einer sogenannten Neuwert-Klausel. So etwas gibt es in diesen Haftungsfällen nicht.

Müsste man dann den Postkunden raten: Vorsicht bei der Versendung älterer, vielleicht sogar antiquierter Gegenstände?

Das würde ich so nicht sagen. Ich würde nur jedem Kunden raten, seine Sachen wirklich sorgfältig zu verpacken, dass dem Inhalt nichts passiert. Ich würde es gut einpacken, gut polstern und mit Paketband verkleben, dass der Adressaufkleber richtig fest sitzt. Was ich als Privatmann mache, wenn ich solche Sachen verschicke: Ich lege noch einen Zettel mit ins Paket mit meinen Daten und sogar einer Kopie des Adressaufklebers für den Fall, wenn, aus welchem Grund auch immer, die Adresse nicht mehr leserlich sichtbar sein sollte, weil irgendetwas drüber gelaufen ist oder verkratzt wurde.

Hat die Post, seitdem sie nicht mehr nur Beamte beschäftigt, eher Probleme mit schwarzen Schafen, die sich an Brief- oder Paketinhalten vergreifen?

Das gibt es leider Gottes immer wieder mal und lässt sich nicht vermeiden. Das gab es früher auch schon.

Wäre es nicht sinnvoller, wenn die Post bei Beschwerden kulanter zu Werke gehen würde?

Ich will nicht sagen, dass wir nicht kulant sind. Wir sind schon kulant. Es gibt halt gewisse Regeln, die eingehalten werden müssen, von beiden Seiten. Und wenn beide Seiten sich an alle Vereinbarungen halten, dann gibt’s eigentlich auch keinen Stress, und dann wird auch entsprechend reguliert.