Plädoyer für Mut und Toleranz

Allon Sander, Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland, bekam für seine Rede viel Beifall.
Allon Sander, Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland, bekam für seine Rede viel Beifall.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Unter dem Eindruck der Terroranschläge in Paris und der Pediga-Demos in deutschen Städten geriet die traditionelle Bürgerbegegnung in diesem Jahr besonders zu einem Plädoyer für Toleranz, Zivilcourage, Demokratie und gegen Fremdenhass und religiösen Fanatismus.

Lennestadt..  Es war Zufall, aber besser hätte der Termin für die Thomas-Morus-Sitzung des Lennestädter Stadtrates gestern Abend im Rathaus nicht gewählt werden können. Unter dem Eindruck der Terroranschläge in Paris und der Pediga-Demos in deutschen Städten geriet die traditionelle Bürgerbegegnung in diesem Jahr besonders zu einem Plädoyer für Toleranz, Zivilcourage, Demokratie und gegen Fremdenhass und religiösen Fanatismus.

Schon Pastor Martin Behrensmeyer stellte während der ökumenischen Andacht vor der Sitzung den Kontext zu den jüngsten Ereignissen, die die Republik bewegen, her. „Keiner hat sich vorstellen können, in welch belasteter Situation wir heute hier zusammen kommen“, sagte der evangelische Pastor und stellte viele Fragen in den Raum. „Was bewegt Menschen dazu, im Namen der Religion andere zu ermorden?, Was bewegt tausende von Menschen auf die Straße zu gehen? Es könne nur Angst sein, Angst von dem, was sie nicht kennen“, so Behrensmeyer.

Allon Sander, Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland, der mit 24 Jahren aus Israel nach Deutschland kam und heute als Journalist arbeitet, nahm die Gedanken in seiner Festrede auf und entlarvte anhand der Definition von Zivilcourage die Pegida-Bewegung. „Diese Demonstrationen sind keine Zivilcourage“. An den Forderungen sei nichts demokratisches, sondern sie seien eine Provokation für andere Gruppierungen. „Wenn sie „Wir sind das Volk“ skandieren, dann denk ich nicht an Volk, sondern an völkisch“, so Sander. Den meisten Demonstranten fehle der Hintergrund, sie hätten kein fundiertes Wissen und ihre Angst vor dem Fremden und Unbekannten werde von einigen wenigen für ihre Zwecke missbraucht.

Durch die sozialen Medien würde sich dieses Gedankengut rasend schnell verbreiten. „Wenn sich junge Menschen zu Attentätern ausbilden lassen, dann läuft hier etwas falsch“, sagte Sander und forderte mehr Integrationsbemühungen. „Wir müssen zeigen, dass Moslems hier willkommen sind und daran denken, dass um uns herum nicht nur Christen sind.“ Die Demokratie schützen und verteidigen, sei die Aufgabe der Gesellschaft, sagte Sander und erntete für seiner Rede viel Applaus.

140 Flüchtlinge

Zuvor hatte Bürgermeister Hundt in seiner Begrüßung der Gäste aus Politik, Wirtschaft und allen gesellschaftlichen Gruppen betont, dass in Lennestadt Toleranz wie selbstverständlich groß geschrieben werde und die gute Zusammenarbeit der Religionen zum Profil der Stadt gehöre. Hundt erinnerte auch an die 140 Flüchtlingen in der Stadt - im Januar kommen 11 dazu - und dankte den vielen ehrenamtlich engagierten Mitbürgern, die sich um die neuen Bürger kümmern.