„Pflichttrophäenschau gehört abgeschafft“

Fritz-Ewald Klocke (65), von 1967 bis 2008 Förster im Dienst des Landes NRW, ist seit etwa 25 Jahren Mitglied der Arbeitsgemeinschaft „Naturnahe Waldwirtschaft“. Über das neue Jagdgesetz sagt er: „Deutlich überhöhte Schalenwildbestände und damit verbundene Wildschäden durch Verbiss behindern auf großer Waldfläche den Umbau in naturnahe, stabile Mischwälder. Die biologische Vielfalt der Wälder ist bedroht. Darauf muss der Gesetzgeber reagieren.

Rehe zählen unmöglich

Das Zählen der Rehe ist nicht möglich. Genau darauf basiert aber der ,Abschussplan’ nach altem Recht. Die Anpassung der Wildbestände soll jetzt ausschließlich vom Zustand des Waldökosystems abhängig sein. Heißt: Entwickelt sich die natürliche Verjüngung der Waldbäume gut, kommt man mit geringeren Eingriffen in den Wildbestand aus. Ist dies nicht der Fall, müssen die Abschusszahlen erhöht werden.

Die Pflichttrophäenschau gehört abgeschafft. Die Bewertung der Rehpopulation ausschließlich anhand der Geweihe ist nicht zielführend. Es hilft den Rehen auch nicht, wenn die Erleger besonders guter Rehböcke mit einer Goldmedaille geehrt werden. Die Stärke des Geweihs sagt über die Genetik des Rehs nichts aus. Man beurteilt Männer ja auch normalerweise nicht an der Stärke des Bartwuchses.

Die Jagd wird häufig als Einzeljagd vom Hochsitz aus betrieben. Für die Bejagung des Rehwildes sind größere Bewegungsjagden mit mehreren Jägern und Hunden geeigneter und für den Wildbestand pfleglicher als die häufige Anwesenheit von Jägern auf den Hochsitzen. Horst Stern hat den Hochsitz einmal als die Krücke der deutschen Jagd bezeichnet. Um Bewegungsjagden im Winter effektiv durchführen zu können, muss die Jagdzeit der Rehböcke in den Winter verlängert werden. Ein liberales Jagdgesetz überlässt dem Jäger, ob er den Rehbock mit oder ohne Geweih zur Strecke bringen möchte.