Päckchen weg, Unterschrift gefälscht

Ein Paketdienstfahrer war vor dem Olper Amtsgericht angeklagt.
Ein Paketdienstfahrer war vor dem Olper Amtsgericht angeklagt.
Foto: WP

Olpe/Attendorn..  Wann kommen denn endlich die im Internet bestellten Teile für das Modellflugszeug an? Das fragte sich eine Familie aus Attendorn, doch auf die Antwort musste sie lange warten. Das Päckchen verschwand, kurz nachdem der Zusteller es neben dem Haus abgelegt hatte. Dass er auch noch die Empfangsbestätigung fälschte, kam ihn teuer zu stehen. 1600 Euro Geldstrafe kassierte er dafür im Olper Amtsgericht.

Mit eigenem Namen quittiert

Als der Paketdienstfahrer aus Kreuztal das 15 mal 15 Zentimeter große Päckchen in Attendorn abliefern wollte, waren die Empfänger nicht zu Hause. Also verfuhr er so, wie er es schon einmal probiert hatte: „Ich habe den Roller beiseite gezogen, das Päckchen unter eine Folie gelegt und den Roller wieder davor gestellt“, so der Kreuztaler im Olper Gerichtssaal zu Richter Richard Sondermann.

Dieses Versteck habe beim letzten Mal auch funktioniert, so der Angeklagte, denn Beschwerden seien bei dem Paketdienst nicht eingegangen. Die geschädigte Attendornerin im Zeugenstand: „Absprachen zum Ablegen gab’s nicht, aber wenn nichts wegkommt, ist’s in Ordnung.“

Wenn, ja wenn...: Diesmal ging’s jedenfalls schief, und zwar gründlich. Denn der Zusteller quittierte die Auslieferung auf seinem elektronischen Pad mit seinem eigenen Namen - und rief damit die Staatsgewalt auf den Plan. Vor dem Olper Einzelrichter saß er nun nicht nur wegen Fälschung beweiserheblicher Daten auf der Anklagebank, sondern die Staatsanwaltschaft hegte auch noch den Verdacht, dass der Mann das Päckchen überhaupt nicht abgeliefert, sondern selber eingesackt hatte.

Ein bisschen merkwürdig

„Ich habe selber unterschrieben, weil ich das als Neuling nicht besser wusste“, rechtfertige sich der Auslieferungsfahrer. „Das Paket muss dort abhanden gekommen sein, ich habe es mir jedenfalls nicht angeeignet.“

Die Verteidigung sprach von einem „unbedarften Vorgehen“, doch der Richter hegte Zweifel. „Ich wusste schon im Vorschulalter, dass man nicht mit fremdem Namen unterschreibt“, warf Richard Sondermann ein. „Ein bisschen merkwürdig“ erschien ihm auch der Umstand, dass der Kreuztaler nach der polizeilichen Anzeige die Familie aufsuchte, ihr den Wert des Paketes einschließlich Versandkosten erstattete und sich bescheinigen ließ, dass die Anzeige zurückgezogen wird. „Sie haben Nägel mit Köpfen gemacht“, so Sondermann. Allerdings, so der Richter weiter: „Das hier ist kein Antragsdelikt. Die Geschädigten haben gar keinen Einfluss auf die Eröffnung des Verfahrens.“

Zur Tatzeit noch unter Bewährung

Der Verdacht, dass der Paketkurier bei seinem Besuch in Attendorn seine Entschädigungszahlung von der Unterschrift zur Rücknahme der Anzeige abhängig machte, erhärtete sich nicht. „Er hat das nicht verlangt“, so die Zeugin. Auch die Unterschlagung des Päckchens ließ sich nicht beweisen.

Der Richter verurteilte den Kreuztaler zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen à 20 Euro und folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Das Urteil fiel auch deshalb so hart aus, weil der Mann vor zwei Jahren wegen eines Eigentumsdeliktes verurteilt worden war und zur Tatzeit noch unter Bewährung stand.