Ottfinger wollen um Ganztags-Schule kämpfen

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Ottfingen..  In der Wendener Schullandschaft rumort es. „Rettet den Grundschulstandort Ottfingen“ lautet der eindringliche Appell auf der Internetseite des Dorfes. Ottfingens Politiker hatten in einem Antrag an die Verwaltung den offenen Ganztag gefordert, die Schulpflegschaft ebenfalls bei der Schulkonferenz des Grundschulverbundes „Wendener Land“ die Betreuung bis 16 Uhr beantragt. Die Konferenz hat inzwischen getagt, und das Ergebnis bringt die Ottfinger auf die Palme. Nach Informationen unserer Zeitung sprachen sich in dem 12-köpfigen Gremium (jeweils sechs Lehrer und Eltern) lediglich die zwei Elternvertreter aus Ottfingen für den Ganztag aus.

„Ausbluten des Standortes“

Problem: Der Grundschulverbund besteht aus der Stammschule Wenden und den beiden Teilstandorten Rothemühle und Ottfingen. Aufgrund der 2:10-Abstimmung drängt sich in Ottfingen nun der Verdacht auf, dass man außerhalb von Ottfingen den Standort als Auslaufmodell sieht. „Meine Gemütsverfassung ist nicht die beste. Es geht um den Schulstandort Ottfingen. Das ist ein Rückschlag. Wenn wir die Betreuung bis 16 Uhr nicht sicherstellen können, ist das ein Ausbluten des Standortes“, redete der Ottfinger CDU-Ratsherr und Vorsitzende des Ausschusses Bildung und Soziales, Ludger Wurm, auf Anfrage unserer Zeitung Klartext. Die Crux: Ohne Zustimmung der Schulkonferenz dürfte es wohl kaum einen Ganztag in Ottfingen geben. Das sieht auch Wurm so: „Wir sind auf den Beschluss angewiesen.“ Dumm nur, dass man es in Ottfingen nicht selber in der Hand hat und eine gemeinschaftliche Entscheidung des Grundschulverbundes benötigt. Dabei versteht Ludger Wurm die Ablehnung nicht: „Wir kämpfen nicht gegen irgendeinen Standort. Wir nehmen anderen nichts weg. In keinster Weise dürfen hier Eltern oder Ortschaften gegeneinander aufgewiegelt werden.“ Und: „Uns werden die Möglichkeiten genommen, das zu machen, was es an allen anderen Standorten gibt: einen Ganztag.“ Dabei gebe es einen Grundsatzbeschluss des Rates, dass an allen Schulen der Ganztag eingerichtet werden soll, wo Bedarf ist.

Bedarf vorhanden

Und genau dieser Bedarf sei für Ottfingen vorhanden: Elf Eltern haben Interesse für dieses Betreuungsangebot signalisiert, weitere 20 Kinder sind in der Über-Mittag-Betreuung im Kindergarten Ottfingen, die dann ja auch anschließend in der Grundschule weiterhin Bedarf haben. „Der Bedarf ist da. Wir würden es gerne machen. Das ist eine vernünftige Basis. Es geht für uns um eine gleichberechtigte Behandlung“, betonte der 1. stellvertretende Bürgermeister.

Ohne Ganztag befürchten die Ottfinger einen Verlust der Attraktivität gegenüber den anderen Schulen. „Es geht um den Bestand der Schule. Ohne Ganztag ist es kaum möglich, Schüler an den Standort zu holen“, so Wurm. Hintergrund: In Ottfingen ist man immer auf vier bis fünf Schüler aus den Nachbarorten angewiesen. Diese kamen meistens aus Altenhof dazu. „Wenn der Schulstandort nicht mehr da wäre, fehlt ein Stück ­Infrastruktur. Das wäre ein Verlust“, unterstrich der Ottfinger.

Thema im Arbeitskreis

Ist der Zug für den Ganztag damit endgültig abgefahren? Ludger Wurm sieht noch ein kleines Licht am Ende des Tunnels: „Vielleicht hilft noch politischer Druck.“ Am 13. April findet die erste Sitzung des neuen Wendener Arbeitskreises „Primarstufe“ statt. Ganz oben auf der Agenda steht dann der Ganztag in Ottfingen. Der Antrag der Ottfinger Politiker soll im Arbeitskreis beraten und dem Rat zur Entscheidung vorgelegt werden. „Vielleicht können wir dann doch noch einen Weg finden“, so Wurm, der bislang alle Arbeitskreise zum Thema Schulen in Wenden geleitet hat.

Die Chancen scheinen derzeit allerdings recht gering zu sein. „Mit der Entscheidung der Schulkonferenz ist es schon etwas nach 12. Es wird schwer, die Uhr da noch zurückzudrehen“, meinte Ludger Wurm.

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