Ortsvorsteher gesucht

Schwach besuchte Dorfversammlung in Berlinghausen: Ein Ortsvorsteher wird gesucht.
Schwach besuchte Dorfversammlung in Berlinghausen: Ein Ortsvorsteher wird gesucht.
Foto: privat
Das 325-Seelen-Dorf ist in vielen Bereichen zwar präsent, in die vorderste Reihe will sich aber derzeit niemand stellen.

Berlinghausen..  Nicht nur Schützen-, Sport- und Gesangvereine haben in den vergangenen Jahren zunehmend mit dem Problem zu kämpfen, Verantwortungsträger zu finden. Auch in der Politik und im Dorfgeschehen greift der Virus um sich. Das bekommt derzeit auch das 325-Seelen-Dorf Berlinghausen zu spüren: Niemand will Ortsvorsteher werden.

Zu der von der Stadt Drolshagen einberufenen Dorfversammlung zu eben diesem Thema hatten sich ganze 18 Berlinghauser in die schmucke Dorfgemeinschaftshalle getraut. Möglicherweise auch deshalb nicht mehr, weil die bange Frage des Abends eben nicht beantwortet werden kann: Wer wird neuer Ortsvorsteher bzw. Ortsvorsteherin des Dorfes.

Intakte Dorfgemeinschaft

Drolshagens Bürgermeister Theo Hilchenbach, selbst Berlinghauser, und sein Hauptamtsleiter Burkhard Lütticke, mussten deshalb unverrichteteter Dinge wieder den Rückzug antreten.

Was den amtierenden 2. stellvertretenden Bürgermeister Andreas Wigger aus Berlinghausen, gleichzeitig für die CDU im Stadtrat, nicht gerade in Begeisterung versetzte: „Da kann ich mich drüber aufregen. Viele wollen etwas machen und helfen, aber keiner will sich den Hut aufsetzen“, beschreibt Wigger ein Phänomen, das landauf, landab immer stärker um sich greift: In den Vereinen finden sich immer weniger Mitglieder, die bereit sind, an vorderster Front zu stehen.

Dass Wigger den Notstand nicht selbst aufhebt und das vakante Amt übernimmt, liegt auf der Hand: Er ist nicht nur 2. stellv. Bürgermeister und Ratsherr, sondern auch seit vielen Jahren Erster Vorsitzender des Schützenvereins, schon 30 Jahre in dessen Vorstand. Wigger: „Der Trend, den man überall wahrnimmt, betrifft jetzt auch uns hier.“ Dabei sei die Dorfgemeinschaft durchaus intakt: „Wir haben hier keinen Zwist oder so etwas, es liegt auch nicht an mangelndem Fleiß. Denn wenn man Hilfe braucht, ist auch immer jemand da.“

Viele haben schon Posten

Nur die Verantwortung für ein Amt und die damit verbundenen festen Verpflichtungen wolle nach Feierabend niemand mehr übernehmen. „Dazu kommt ja noch, dass die drei oder vier Leute, die für einen solchen Posten in Frage kämen, alle schon ein oder sogar zwei andere Posten haben, sei es im Schützen-, Gesang- oder Kapellenverein.

Drolshagens Hauptamtsleiter Burkhard Lütticke sieht es ähnlich: „Die Bereitschaft, zu helfen, zu unterstützen, ist häufig vorhanden, auch in Berlinghausen, aber das Amt selbst will niemand übernehmen.“

Vakant geworden war der Ortsvorsteher-Posten, nachdem Michael Wegener (41) das Amt aus persönlichen Gründen zur Verfügung gestellt hatte. Wegener war im Mai 2013 Nachfolger von Karin Stahl geworden, die das Dorf 11 Jahre geführt hatte.

Seit Juli 2014 unbesetzt

Im Juni 2014 war Wegener vom Stadtrat auch bestätigt worden, er legte das Mandat aber gut einen Monat später schon nieder.

Seitdem ist das ansonsten rührige Dörfchen, das sich im Karneval, im Schützenwesen oder dem Chorgesang auch über die Dorfgrenzen hinweg präsentiert, auf der Suche.

Scherzhafte Anspielungen mit Blickrichtung Theo Hilchenbach, er könne den Job doch angesichts der nahenden Pensionierung als Bürgermeister in Berlinghausen übernehmen, trafen nicht auf ernsthafte Gegenliebe.

In einigen Monaten noch mal

Was letztendlich dazu führte, dass die Dorfbewohner noch einmal „in sich gehen“ müssen. Lütticke: „Dann werden wir wohl in einigen Monaten erneut zu einer solchen Versammlung einladen müssen, vielleicht im November, Dezember oder Januar. Es bleibt, zu hoffen, dass sich bis dahin eine Lösung abzeichnet.“

Fest steht, dass die Berlinghauser dann nicht mehr von ihrem Lokalmatadoren Theo Hilchenbach als Bürgermeister eingeladen werden. Der kann dann nur noch als ganz normaler Bürger teilnehmen.