Orgel der Wallfahrtskirche älter als angenommen

Udo Feopentow, Orgelbaumeister aus Celle, mit der historischen Orgelpfeife.
Udo Feopentow, Orgelbaumeister aus Celle, mit der historischen Orgelpfeife.
Foto: Volker Eberts
Was wir bereits wissen
  • Historische Pfeife aus dem Ende des 17. Jahrhunderts auf Kohlhagen gefunden
  • Kirchenorgel wird nach einjähriger Sanierungszeit wieder aufgebaut
  • Sonntag erstes Hochamt - Instrument soll klarer und stimmiger klingen

Kohlhagen..  Jede Kirchenorgel hat ihre Geheimnisse, auch das historische Instrument der Wallfahrtskirche auf dem Kohlhagen. Udo Feopentow, Orgelbaumeister aus Celle, hat jetzt ein weiteres Geheimnis entdeckt: eine Orgelpfeife mit dem Aufdruck 1741 und eine weitere wahrscheinlich noch ältere Pfeife. „Von der Machart her muss die Pfeife aus der Renaissance-Zeit stammen, so um 1680, sie ist auch viel schwerer“, so der Fachmann.

Das würde bedeuten, dass auch die Kohlhagener Orgel älter ist als angenommen. Bisher vermuteten die Denkmalschützer, dass die Orgel in ihren wesentlichen Teilen 1745 entstanden ist, erbaut von der Orgelbaufamilie Kleine aus Eckenhagen. Allerdings gibt es Indizien für ein schon vorher vorhandenes Instrument. So ist in einem Balken des Orgelkorpus die Jahreszahl 1709 eingeschnitzt.

Möglicherweise stammt die Orgel bzw. Teile der Orgel bereits aus dem Vorgängerbau der Wallfahrtskirche, die in ihrer heutigen Form von 1703 bis 1707 von Pfarrer Paulus Leyemann erbaut wurde. Ob es so war, es ist ein weiteres Geheimnis der Kirchenorgel.

916 Orgelpfeifen

„Ein Zufallsfund“, erklärt Orgelbaumeister Udo Feopentow. Denn die Altersbestimmung der insgesamt 916 Orgelpfeifen ist nicht seine Aufgabe. In den letzten zwölf Monaten hat er die Orgel in seiner norddeutschen Werkstatt technisch und klanglich aufgearbeitet, was auch bitter nötig war. „Es wurde Zeit, die letzte Reinigung war Ende der 80er Jahre“, so Organist Martin Vormberg.

Wie bei einem Fahrzeug, das in die Fachwerkstatt kommt, stellte sich erst nach dem Abbau der Orgelteile und der Untersuchung in Celle heraus, dass die „Bauarbeiten“ und Reparaturen der letzten Jahrzehnte dem Instrument nicht immer gut getan haben.

„Wir haben ordentlich gestaunt“, erinnert sich der 52-jährige Orgelbauer an die erste Inspizierung. So waren in dem historischen Instrument, das auf der Denkmalliste der Gemeinde steht, Kunstleder, Schaumstoffe und andere artfremden Stoffe verwendet. Die Tastatur bestand aus Plastik („Typisch für die 60er Jahre“) und für eine gerissene Pedalaufhängung aus Lederriemen hatte man kurzerhand einen Kabelbinder aus Kunststoff eingebaut.

„Orgeln sind Baustellen, die immer wieder umgebaut und erweitert wurde“, erklärt Feopentow. So befand sich der Spieltisch ursprünglich hinter dem Pfeifenschrank, wurde erst später an die Seite verlegt, damit Priester und Organist Blickkontakt hatten. Auch hatte die Orgel im Original von 1745 oder früher nur sieben oder acht Register und wurde erst später auf 14 Register erweitert.

In emsiger Kleinarbeit hat Udo Feopentow, der sich seit seinem 15. Lebensjahr mit dem Orgelbau beschäftigt, die einzelnen Komponenten gereinigt, den Schimmelbefall entfernt, einige Pfeifen ausgebaut, Dichtungen und Lederriemen erneuert und so weiter. So hatte der Blasebalg, der aus der Zeit um 1900 stammt, ein faustgroßes Loch. Dieses wurde gestopft und die „Plastiktasten“ durch Tasten aus Ebenholz ersetzt. Seit wenigen Tagen ist alles wieder an seinem Platz auf der Orgelbühne der Wallfahrtskirche und nun kommt der musikalische Teil der Sanierung, die keine Restaurierung ist.

Klarer, reiner, stimmiger

Udo Feopentow, der nicht nur Orgelbaumeister, sondern auch Intonateur ist, versucht, dem Instrument die „historische Stimmung“ wieder zu geben. „Alte Orgeln haben eine ganz klare Klangordnung“, so der Fachmann.

Und diese ist nun wieder hörbar. Aber nicht nur wegen der neuen Intonierung, sondern wegen der übrigen Sanierung-. und Reinigungsmaßnahmen werden die Kirchenbesucher die alte Orgel im frischen Tongewand erleben. Feopentow: „Die Orgel klingt klarer, reiner und stimmiger.“