Ordensverleihung und National-Feiertag

Lennestadt/Otwock..  Für Stefan Hundt und Johann Pietrzak war es sicherlich einer der bedeutsamsten Tage ihres Lebens. Als ihnen Wojewoda (vergleichbar mit einem Regierungspräsidenten, d.Red.) Jan Kozlowski in einer Sondersitzung des Otwocker Stadtparlamentes im November das Verdienstkreuz in Gold der Volksrepublik Polen - übrigens die höchste Auszeichnung unserer östlichen Nachbarn für Ausländer - anheftete.

Beifall gab es dabei nicht nur von den polnischen Freunden, sondern auch aus den Reihen der zehnköpfigen Delegation aus Lennestadt, darunter Georg Eickelmann und Paul Brüggemann, die die ersten Kontakte in den 80er Jahren zwischen der Altenhundemer Agatha-Gemeinde und der Kirchengemeinde in Otwock-Swider aufgebaut hatten. Besonders Eickelmann, der bei der letzten Reise die Partnerstadt (seit 22 Jahren) zum inzwischen 25. Mal besuchte, konnte die beeindruckende Entwicklung sowohl der Partnerschaft als auch der Infrastruktur in Polen nachzeichnen.

Stellvertretende Ehrung

Pietrzak und Hundt nahmen den Orden stellvertretend für alle Lennestädter Bürgerinnen und Bürger entgegen, die sich aktiv am Aufbau dieser vorbildlichen ost-westlichen Freundschaft beteiligt haben und weiter beteiligen. Ob auf musikalischemm künstlerischem oder politischen Sektor, unter den Feuerwehren oder Schützenvereinen, zwischen Schulen und Privatleuten.

Ein Abstecher nach Warschau hatte an die 0:2-Niederlage der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im neuen Stadion erinnert. Weitaus nachhaltiger waren aber die Besuche des Areals des Warschauer Ghettos samt riesigem Museum und der Altstadt, die fast völlig im Krieg zerstört und später originalgetreu wieder aufgebaut worden war.

Konzertbesuche

Beim Besuch von zwei Konzerten im Rahmen des 11. Europäischen Musik-Festivals in Otwock wurden Kontakte zu den Ausnahme-Künstlern geknüpft. Mit dem Ziel, das kammermusikalische Quintett oder Sextett für Konzertein Lennestadt gewinnen u können.

Sichtlich beeindruckt zeigte sich die Lennestädter Delegation dann aber von den Feierlichkeiten am polnischen National-Feiertag. Verwunderte Blicke, als zu den Klängen einer Blaskapelle die Fahnenabordnungen in die Pfarrkirche zur Messe einmarschierten.

Uniformierte Präsenz

Die meisten von ihnen mit Exerzier-Schritt, zahlreiche in Militär-Uniformen. Die waren dann auch bei der zentralen Feier am örtlichen Ehrenmal zu beobachten. Die mit zackigen Kommandos angetretene „paramilitärische Abteilung der Gastronomieschule“ oder die Pfadfinder um Alter zwischen 5 und 15 Jahren. Da legte der jüngste Mitstreiter auf Kommando ebenso die Hände an die Hosennaht wie seine Kameraden - und harrte danach fast 45 Minuten lang bewegungslos aus, bis auch der letzte rot-weiße Kranz, rot-weiße Blumenstrauß oder das letzte rot-weiße Gebinde aller der bereits in der Kirche angetretenen Vereine, Gruppen, Schulen und Verbände niedergelegt worden waren. Mit großem Wohklwollen wurde auch der Kranz aus Lennestadt mit den Farben beider Nationen im rot-weiße Blütenmeer integriert.

Angesichts der frappierenden Disziplin der Teilnehmer machte sich eine Lennestädterin so ihre Gedanken: „Kann es sein, dass hier die Kinder besser erzogen sind?“ „Vielleicht nicht besser, aber sicher anders“, mutmaßte ein Reisebegleiter.