Online-Betrüger bekommt Quittung

Einen schwunghaften Internethandel, bei dem ausschließlich er selbst profitierte, betrieb ein junger Attendorner. Das Olper Schöffengericht verurteilte ihn zu einer mehrjährigen Haftstrafe.
Einen schwunghaften Internethandel, bei dem ausschließlich er selbst profitierte, betrieb ein junger Attendorner. Das Olper Schöffengericht verurteilte ihn zu einer mehrjährigen Haftstrafe.
Was wir bereits wissen
Kaufen und nicht bezahlen, verkaufen und nicht liefern: Mit Internet-Gaunereien wollte ein junger Attendorner seinn Portemonnaie füllen. 24 (!) Betrugsfälle listete der Staatsanwalt vor dem Olper Schöffengericht auf.

Olpe/Attendorn..  Möglichst billig einkaufen und möglichst teuer verkaufen. Diese Grundregel für erfolgreiches unternehmerisches Handeln hat ein junger Attendorner konsequent perfektioniert: Er kaufte extrem billig, weil er gar nicht bezahlte - und er verkaufte extrem teuer, weil er gar nicht lieferte. Dafür bekam er allerdings vor dem Olper Schöffengericht die Quittung: Er muss für mehrere Jahre hinter Gitter.

Als Richter Richard Sondermann am Freitag die Verhandlung eröffnete, führten zwei Justizbeamte den Angeklagten in den Saal. Er sitzt zur Zeit in der JVA Schwerte - und wird auch so bald nicht wieder auf freien Fuß kommen. Zu oft ist der einschlägig vorbestrafte 20-Jährige auf die schiefe Bahn geraten.

Staatsanwalt Stephan Krieger hatte Mühe, die sieben Anklageschriften vorzutragen, ohne die Geduld der Prozessbeteiligten über Gebühr zu strapazieren. Insgesamt waren es 24 Fälle von Betrug (einer davon ein versuchter Betrug), die die Anklage dem Attendorner anlastete. Der junge Mann, der eigenen Aussagen zufolge noch nie eine Arbeitsstelle hatte, war auf die Idee gekommen, seinem extrem gebeutelten Portemonnaie durch einen schwunghaften Internethandel mehr Fülle zu verleihen. Er richtete unter dem Namen einer Bekannten, die natürlich eingeweiht war, ein Konto bei „Ebay“ ein und bot im Frühherbst 2014 immer wieder Smartphones und Tablets zum Verkauf an. 354 Euro, 344 Euro, 339 Euro - und so weiter. Kunden gab’s immer. Sie überwiesen das Geld – und blickten in die Röhre.

Der Angeklagte, der zuletzt in einem Dorf bei Attendorn wohnte, kaufte auch fleißig ein: Handys natürlich, aber ebenfalls Schuhe, Kleidung und sogar einen ganzen Motorblock für ein Krad. Beim Bezahlen hielt er sich aber vornehm zurück.

Unnütze Dinge

Die Reue kam erst im Gefängnis. Der Hansestädter legte ein umfassendes Geständnis ab. „Ich habe mit der Sache abgeschlossen“, sagte er am Freitag im Olper Gerichtssaal. „An die meisten Sachen kann ich mich nicht mehr richtig erinnern“, aber alle Betrugsvorwürfe seien „richtig“, so der 20-Jährige.

Was er denn mit dem Geld angestellt habe, wollte der Richter noch wissen. Der Angeklagte: „Das habe ich ausgegeben: Partys, Wegfahren - alles unnütze Dinge.“

Staatsanwalt Stephan Krieger forderte in seinem Plädoyer eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten, Verteidiger Dominik Tigges sprach sich für ein Jahr und acht Monate Haft aus.

Das Olper Schöffengericht platzierte sich dazwischen: „Zwei Jahre und drei Monate“, verkündete Richard Sondermann.

Zugute hielt das Gericht dem jungen Mann nicht nur sein Geständnis an sich, sondern auch den frühen Zeitpunkt des Geständnisses. Das habe den zahlreichen Betroffenen aus ganz Deutschland die Anreise zur Verhandlung in Olpe erspart.

Ein paar Monate eingespart

In das Strafmaß mit einbezogen wurde ein Urteil des Siegener Landgerichts, das den Attendorner Ende Oktober 2014 zu acht Monaten Freiheitsstrafe verdonnert hatte. Das erspart dem Angeklagten, dessen Zukunftsaussichten nicht gerade rosig sind, ein paar Monate hinter Gittern. Der 20-Jährige in seinem Schlusswort: „Ich möchte mich entschuldigen. Seit ich in Haft bin, weiß ich, was richtig ist und was falsch war.“