Olper wütend auf die Post

Haymo Wimmershof versteht die Welt nicht mehr: Die Verpackung seiner Olympus hat er noch, aber die Kamera ist auf dem Postweg spurlos verschwunden.
Haymo Wimmershof versteht die Welt nicht mehr: Die Verpackung seiner Olympus hat er noch, aber die Kamera ist auf dem Postweg spurlos verschwunden.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Der 59-jährige Haymo Wimmershof versteht die Welt nicht mehr: Ein Postpaket mit seiner Olympus ist verschollen, die Post will aber nichts ersetzen.

Olpe/Eichhagen..  Haymo Wimmershof, 59-jähriger Freiberufler aus Eichhagen, versteht die Welt nicht mehr. Er ist bitter enttäuscht von einer Institution, die für ihn wie für viele seiner Generation als Bastion deutscher Zuverlässigkeit gilt: Die Post. „Ich habe zunächst gedacht, es kann sich nur um ein Missverständnis handeln“, schüttelt Wimmershof immer noch den Kopf, „aber ich hab’ alles schriftlich, hier steht es schwarz auf weiß.“

Die Geschichte beginnt eigentlich schon vor „etwa acht Jahren“: Wimmershof, der u. a. für Archive und Museen Bild- und Textdokumentationen erstellt, entdeckt auf einer Fotobörse eine gebrauchte Olympus-Fotokamera, Modell E-20P: „Eine tolle digitale Spiegelreflex-Kamera, die neu rund 2 400 Euro gekostet hat.“ Wimmershof kauft das Schätzchen für gut 600 Euro und erfreute sich seither über beste Foto-Ergebnisse.

Kamera nie angekommen

Irgendwann klemmt aber der Spiegel, so dass er das gute Stück einschickt - mit der Post versteht sich - und die Olympus auch unversehrt zurückbekommt. Doch wenig später wieder ein Malheur, und Wimmershof schickt die Kamera an denselben Foto-Reparaturdienst - wieder mit der Post. Mit einem kleinen, aber feinen Unterschied: Von der Olympus fehlt seither jede Spur. Wimmershof: „Die Kamera ist bei dem Fotodienst in Ratzeburg nie angekommen.“

Wimmershof fragt bei der Post in der Olper Trift nach, wo er das Paket aufgegeben hat, und erhält den verständlichen Rat, einen Nachforschungsauftrag zu stellen. „Das habe ich auch gemacht, aber ohne Erfolg. Irgendwo muss das Paket verloren gegangen sein.“ Wimmershof lässt sich vom Fotoservice eine Restwert-Kalkulation schicken. Dort schätzt man den aktuellen Wert auf rund 250 Euro.

Nur Paketentgelt wird erstattet

Doch genau das sieht man bei DHL anders. Mit freundlichen, aber bestimmten Worten erhält der Olper am 10. November die Antwort, die Olympus sei nichts mehr wert, man könne ihm nur das Paketentgelt von 6,99 Euro erstatten.“

Wimmershof: „Ich habe zunächst wirklich an ein Versehen geglaubt, wollte das nicht wahrhaben.“ Ein Versehen war es aber nicht. Denn in juristisch glasklarem Amtsdeutsch begründet DHL das Vorgehen wie folgt: „Auf Basis des Paragrafen 429, Absatz 1, Handelsgesetzbuch, erstatten wir nur den Wert, den der Inhalt Ihres Paketes am Ort und zur Zeit der Einlieferung hatte. Die aktuelle Zeitwertberechnung weist aber für diesen Inhalt keinen materiellen Wert mehr aus. Wir bitten Sie deshalb um Verständnis, dass wir Ihnen nur das Paketentgelt erstatten können.“ Ende der Durchsage.

Danach stieg im Olper so langsam Wut empor: „Dann muss ja jeder, der etwas Altes verschickt, bei Verlust fürchten, dass er nichts ersetzt bekommt. Das ist doch unfassbar.“ Nach weiteren Telefonaten und Schriftverkehr mit seinem neuen ,Feind’, der Post, wandte er sich schließlich an höchste Stelle: Prof. Dr. Christoph Ehrhart, Direktor Konzernkommunikation und Unternehmensverantwortung in Bonn.

Bis jetzt keine Antwort

Ihm klagte Wimmershof sein Leid, jetzt auch verbunden mit der saftigen Drohung, für den Fall könnten sich sicherlich Medien und der Verbraucherschutz interessieren.

Ergebnis, so Wimmershof: „Bis heute habe ich keine Antwort erhalten.“ Gerichtlich will er gegen die Post nicht vorgehen. Ohne Rechtsschutz, so der Olper, sei ihm das zu risikoreich, für 250 Euro mache das keinen Sinn.

Prüfen und informieren

Wir fragten bei der Post nach, wollten wissen, was es mit dem „wertlosen“ Paket auf sich habe. Post-Pressesprecher Alexander Böhm bat um Verständnis, dass die Klärung des Vorfalles möglicherweise dauern könne und versprach: „Wir werden den Vorgang natürlich jetzt prüfen und informieren, sobald Ergebnisse vorliegen.“