Ohne Lehrer kann man auch viel lernen

Viel Spaß hatten die Siebtklässler beim Ausprobieren der 25 Stationen der Miniphänomenta in der Aula.
Viel Spaß hatten die Siebtklässler beim Ausprobieren der 25 Stationen der Miniphänomenta in der Aula.
Foto: WP

Olpe.. Verblüffte Gesichter und offene Münder sind seit Montag im Schulzentrum Hakemicke an der Tagesordnung. Bis zum 23. Januar können die Schüler und Schülerinnen dort naturwissenschaftliche und technische Phänomene nicht nur bestaunen, sondern buchstäblich auch „be-greifen“: Denn durch Experimente zum Anfassen lernen sie, wie das, was auf den ersten Blick eigentlich gar nicht sein kann, doch funktioniert. Die Miniphänomenta macht’s möglich.

Bei gleicher Temperatur fühlen sich unterschiedliche Stoffe unterschiedlich warm an. Ein Würfel rollt wie ein runder Ball eine Bahn hinauf und hinab. Bei einer Art Mini-Guillotine fällt ein leichtes „Messer“ schneller hinunter als ein schweres. Auf einer geschwungenen Bahn stoßen zwei Kugeln immer wieder an derselben Stelle zusammen und mit einem Gartenschlauch kann man telefonieren. Kaum zu glauben, aber wahr, wie die Siebtklässler der Ganztagshauptschule Hakemicke schnell feststellen.

Nachdem Hauptschulerektor Lothar Epe und Christian Otto, stellvertretender Leiter der Sekundarschule, die rot-weißen Absperrbänder in der Aula entfernt haben, ist die Miniphänomenta eröffnet. Die Schüler und Schülerinnen lassen sich nicht zweimal bitten. Sofort wird alles ausprobiert - und eifrig gerätselt. Denn Hilfestellung gibt’s zunächst einmal nicht. „Ihr seht hier kein Papier, keine Anleitung“, weiht Lothar Epe die Schüler in den Sinn der Aktionsausstellung ein. „Lehrer will man hier gar nicht haben, weil es mehr Sinn macht, Dinge anzufassen und auszuprobieren, als wenn man sie sich vom Lehrer erklären lässt.“

Auch Grundschulen sind interessiert

Das Schulzentrum Hakemicke ist eine so genannte MINT-Schule (MINT = Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften. Technik) und die Miniphänomenta ist ein Projekt der Landesvereinigung der Arbeitgeberverbände NRW zur Förderung der MINT-Bildung.

Die Ausstellung war bereits Thema mehrerer Dissertationen. Auf diese Weise haben die Organisatoren herausgefunden, dass „die Verweildauer an einer Station von einigen Sekunden am ersten Tag auf viele Minuten steigt, in denen die Kinder intensiv miteinander experimentieren.“ Lothar Epe: „Die Schüler und Schülerinnen lernen beim Ausprobieren oft mehr als im normalen Unterricht.“

25 von insgesamt 52 Stationen stehen seit Dienstag in der Aula des Schulzentrums - dank des Unterstützung des heimischen Arbeitgeberverbandes und einer Finanzspritze des Fördervereins der Schule, für den Gabriele Putlitz-König und Brigitta Marx gestern an der Eröffnung teilnahmen.

Der Experimentier-Parcours steht auch Grundschulen zur Verfügung. „Fünf haben sich bereits angemeldet“, so Dietmar Epe. Doch die Grundschüler und ihre Eltern können auch ohne Anmeldung kommen. Christian Otto: „Für sie ist die Miniphänomenta freitags von 14 bis 16 Uhr geöffnet.“

Töne aus Kunstsoffrohren

Doch zunächst einmal sind die Mathe-Schüler der siebten Klasse der Ganztagshauptschule an der Reihe. Immer wieder versuchen sie, drei verschieden langen Kunststoffrohren Töne zu entlocken oder einen großen hölzernen Würfel zum Rollen zu bringen.

„Man muss ein wenig rumprobieren“, sagt Florian Arens (13). „Wenn man das Ganze unter die Lupe nimmt, weiß man bald, wie es funktioniert.“