Nur Lippenbekenntnisse?

Stadtentwicklungskonzept Attendorn..  Seit Jahren und insbesondere in den letzten Monaten wird mal wieder an einem Konzept für die zukünftige Entwicklung der Attendorner Innenstadt gearbeitet. Vielleicht hat man jetzt begriffen, dass es nur durch eine von allen Generationen beispielhaft gelebten Tradition keine Zukunft geben wird. Unter dem Druck dem nicht nur subjektiv erlebbaren, sondern auch den objektiv durch Zahlen belegten Niedergang unserer Innenstadt (Einzelhandel, Gastronomie, Möglichkeiten für kulturelles, gesellschaftliches und soziales Zusammenleben, etc.), - insbesondere auch im Vergleich zur positiven Entwicklung unserer Nachbarstädte - scheint Attendorn wach zu werden.


Bislang gibt es Bekenntnisse der Politik und Verwaltung zu vielerlei Plänen, Aktionen und bereits vorliegenden Gutachten. Erfreulicherweise ist eine große Neugierigkeit, echtes Interesse und Engagement der Bürgerschaft bei der Diskussion und Ideenentwicklung für die Zukunft Ihrer Heimatstadt und Wahlheimat zu verzeichnen. Zu den bisherigen Planungsgrundzügen des Innenstadtkonzeptes gehört es u.a., dass eine verbesserte Aufenthaltsqualität durch die Verringerung des fließenden und ruhenden Autoverkehrs erreicht werden soll. Gleichzeitig wird man aber nicht umhin kommen, neben der Ansiedlung neuer Geschäfte zur Verbesserung und Attraktivierung der Kaufangebote, zusätzlichen Wohnraum für Jung und Alt im Innenstadtbereich zu schaffen, um die sogenannte „Tote Stadt “ nach Geschäfts-/
Dienstschluss zu vermeiden. Diesem gleichsam mehr an Verkehr, steht die geplante Verringerung erst einmal entgegen.


Wie kann es dann aber sein, dass auf dem zurzeit baureif gemachten Grundstück am Wassertor (vormals Parkplatz und Fritten-/Dönerimbiss) ein Wohn-/Geschäftshaus entsteht, ohne das Keller-/Abstellräume und Garagenstellplätze unter die Erde gebaut werden? Beispiellos, dass bei begrenzten Platzangebot in den Innenstädten und weiterhin prognostizierter zunehmender Mobilität, Abstellräume in die wertvollen Geschäfts- und Wohngeschosse verplant und zum Abstellen der Pkw ins Erdgeschoss gefahren wird. Für den restlichen (tatsächlichen) Stellplatzbedarf des Wohn- und Geschäftshauses werden die Außenflächen noch nicht einmal ausreichen.


Für die Zukunft betrachtet, eine wirtschaftliche und fatale städteplanerische Fehlentscheidung, die ein zukünftiges Innenstadtkonzept jetzt schon konterkariert und dennoch vom Baudezernenten der Stadt Attendorn Herrn Graumann verteidigt und unterstützt wird. Dieser Fehlentscheidung läuft dann auch noch die Stadtverordnetenversammlung mehrheitlich hinterher.


Es stellt sich daher die Frage an den Baudezernenten, inwieweit er überhaupt ernsthaft gewillt und in der Lage ist, zukunftsorientiert für die Bürgerschaft der Stadt Attendorn zu arbeiten; und die Frage an die Politik, ob es bei warmen Lippenbekenntnissen bleibt, oder sie tatsächlich gewillt ist, dem Bürgerwillen folgend, zukunftsichernde Pläne für die Stadt konsequent umzusetzen, oder in Klientel- oder Verwaltungspolitik verfällt.


Der Bürgerschaft Attendorns wünsche ich weiterhin viel Leidenschaft und noch mehr Engagement und Einsatzkraft für die Zukunft ihrer Stadt und möge sie ihre Vertreterinnen und Vertreter im Stadtrat daran erinnern, gegenüber wem sie verantwortlich sind. Sonst könnte es auch nach dem Osterfest passieren, dass ihnen ein Kuckucksei ins Nest gelegt wird.


Andreas Luke, Attendorn