„Nur eine 2000er Leitung – Ende Gelände“

Mit dem Tablet gegen eine Zweiklassengesellschaft: Für Martin Müller ist es wichtig, sich mit Technik zu beschäftigen.
Mit dem Tablet gegen eine Zweiklassengesellschaft: Für Martin Müller ist es wichtig, sich mit Technik zu beschäftigen.
Foto: Johannes Pusch
Was wir bereits wissen
  • Für Martin Müller aus Kirchhundem ist klar, dass das Internet verbindet
  • Es kann aber auch trennen
  • Müller warnt davor, den Anschluss zu verlieren

Kirchhundem-Benolpe.. Das Internet trennt. Vor allem im Kreis Olpe. Während die einen bereits schnell unterwegs sind, herrscht bei vielen Nachholbedarf, was den Datenturbo im Netz angeht. Martin Müller aus Benolpe in Kirchhundem weiß, dass das Internet trennen kann.

Er weiß aber auch, dass es die Menschen verbindet. Und dass sich Ältere nicht davor scheuen sollten, an der rasanten Entwicklung teilzunehmen. „Sonst wird man abgehängt“, sagt der 56-Jährige. Ihm graust es vor einer drohenden Zweiklassengesellschaft.

Verhältnismäßig schnelles Netz bei den Müllers

Bei ihm zu Hause in Benolpe läuft das Internet mittlerweile ganz gut. „Bis vor kurzem gab es hier allerdings nur eine 2000er Leitung – Ende Gelände.“ Jetzt kommt mehr bei ihm an: „So zwischen acht und zwölf Mbit.“ Das liegt jedoch nicht an der Leitung selbst. Diese ist immer noch aus Kupfer und bringt immer noch zwei Mbit pro Sekunde. Die Müllers haben bei der Telekom einen Hybrid-Anschluss gebucht. Dieser bringt das Internet über das normale Kabel sowie einen Mobilfunkmasten.

Serie Doch nicht alle Benolper können sich wie die Müllers über ein solch vergleichsweise schnelles Internet freuen. „Mein Kumpel, der unten an der Kirche wohnt, hat keinen LTE-Mobil-Empfang“, sagt Martin Müller. Damit fällt die Hybridlösung zumindest für „den Kumpel“ flach. Das Netz in Benolpe trennt also vor allem in den Möglichkeiten. Doch nicht nur da. Müller beobachtet beim Thema Internet einen generellen Generationenkonflikt: „Die Möglichkeiten an sich trennen schon Jung und Alt.“ Als Beispiel führt er seinen Trainerposten an.

WhatsApp-Gruppe im Verein

Beim TuS 08 Bilstein trainiert er die Langläufer. Diese haben sich wie in vielen Vereinen üblich in einer WhatsApp-Gruppe organisiert. Dort werden Dinge auf dem kurzen Dienstweg abgesprochen. Und jeder bekommt es mit – vorausgesetzt er hat den Messenger auf dem Smartphone installiert. Wer die App nicht hat, droht außen vor zu bleiben.

Wegen Beispielen wie diesen hat er sich zusammen mit Ehefrau Maria Müller ein Tablet angeschafft. „Man muss sich einfach mit der modernen Technik beschäftigen“, sagt der 56-Jährige, der in den 80er Jahren auf dem Commodore 64 Computer kennenlernte. Privat interessiert er sich für PCs und Digitales seitdem sehr.

Beruflich hat der Leiter von Produktionsplanung und Logistik in einer Firma im Bergischen ebenfalls mit der digitalen Welt zu tun. Sogar im Urlaub checkt er freiwillig E-Mails und ist auf der Ostseeinsel Fehmarn auch schon mal mit Problemlösungen für die Arbeit beschäftigt. „Ich kann dabei wirklich abschalten“, sagt er. „Ich erledige Dinge gerne sofort, dann schwirren sie nicht mehr bei mir im Kopf herum.“

90er Jahre: Telefonieren oder Surfen

Martin Müllers Familie hatte schon relativ früh Internet: „Das muss so 1994 gewesen sein. Damals musste man sich noch entscheiden, ob man telefonieren oder ins Internet gehen möchte.“ Deswegen war er froh, als er endlich einen Anschluss hatte, der beides parallel konnte. Irgendwann musste es aber einfach schneller werden. „Mit vier Kindern ist das ein Muss“, sagt er. Seine Söhne sind 28 und 26, seine beiden Töchter 19 und 17.

Da sollten die Internetleitungen schon etwas aushalten. Deswegen ließen die Müllers ihren Anschluss auf DSL umstellen, sobald dieses verfügbar war. Doch die Lage in Benolpe setzt immer noch natürliche Grenzen. „Bei Videos wird das schon sehr haarig“, sagt Müller. „Aber man muss Fernsehen ja nicht über das Internet schauen.“ Könnte man aber.

Skepsis über Ziel des Kreises Olpe

Über eine kreisweite Versorgung des gesamten Kreises mit 50 Mbit/s würde sich Martin Müller freuen. Er ist aber skeptisch, dass das bis 2019 realisiert werden kann: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das auch nur ansatzweise funktioniert.“