Müller: Asylbewerber werden 2015 das große Thema sein

Olpes Bürgermeister Horst Müller im Interview.
Olpes Bürgermeister Horst Müller im Interview.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Zum Jahreswechsel stand uns das Olper Stadtoberhaupt Rede und Antwort. 2015 geht Müller in den Ruhestand.

Olpe..  Zum Jahreswechsel hatten wir Gelegenheit, den im nächsten Jahr aus seinem Amt ausscheidenden Olper Bürgermeister Horst Müller zu interviewen.

Frage: Herr Müller, was hat Sie im zu Ende gehenden Jahr auf lokaler und politischer Ebene am stärksten bewegt?

Horst Müller: Wir hatten ja die Kommunalwahl in diesem Jahr, auch mit der Wahl- oder auch Nichtwahl einiger Bürgermeister. Und da hat mich, auch ganz persönlich, die Abwahl von Wolfgang Hilleke in Attendorn ziemlich berührt. Ich hatte mit ihm ein sehr gutes, man kann schon sagen freundschaftliches Verhältnis. Und ich habe mich schon erschrocken, weil ich mir nicht ansatzweise vorstellen konnte, dass dieser Wolfgang Hilleke, der ja nun auch einiges versucht hat, zu bewegen und auch einiges bewegt hat, dass man den abgewählt hat. Es hat mir auf jeden Fall Leid getan.

Welches politische Ziel haben Sie sich für das kommende, ihr letztes Jahr als Bürgermeister gesteckt?

Ein großes Thema, das im nächsten vor uns liegt, ist das Thema Asylbewerber. Das sind Dinge, mit denen wir fertig werden müssen. Und Dinge, bei denen man mit den Bürgern kaum rational diskutieren kann. Das Thema weckt sofort Emotionen, und mit diesen Emotionen umzugehen, ist nicht einfach. Ich gebe zu, dass die Idee, die wir haben, im Kolping-Ferienhaus eine Landesaufnahmestelle für Flüchtlinge einzurichten, den Schrecken der großen Zahl provoziert. Wenn man den Leuten sagt, da oben kommen bis zu 500 Menschen unter, dann ist das für viele eine unglaubliche Zahl von Personen. Das ist schon die Größe eines kleinen Dorfes. Das ist so. Im Durchschnitt werden dann dort 300 bis 400 Leute leben. Der Vorteil wäre aber, dass man keine Einrichtung hat, die Menschen auf Dauer beherbergt, sondern mit hoher Fluktuation. Die Asylbewerber würden dort eine Woche bis maximal sechs oder acht Wochen bleiben. Ein weiterer Vorteil wäre, dass es eine Einrichtung des Landes ist, die eine Rund-um-Betreuung der Menschen beinhaltet. Die Menschen würden dort auch sozialpädagogisch betreut, nicht nur mit Essen, Trinken, Kleidung versorgt. Sie würden sich nicht selbst überlassen. Die Alternative dazu wäre, dass wir das Gebäude als städtische Einrichtung kaufen und dann auch nutzen, um die uns zugewiesenen Flüchtlinge menschenwürdig unterzubringen. Die bleiben dann für einen längeren Zeitraum, zum Teil für Jahre. Es wären dann natürlich weniger, ich schätze, circa 200. Aber diese Zahl werden wir in den nächsten Jahren aufnehmen müssen. Und es ist auch klar, dass wir nicht genügend Personal haben, uns rund um die Uhr um diese Menschen kümmern zu können.

Nach einer derart langen Tätigkeit in der Verwaltung und als Bürgermeister - auf was sind Sie im Rückblick stolz, auf was eher nicht?

Dafür, dass ich nach meiner Schulausbildung alles wollte, nur kein Beamter werden, bin ich mit meiner beruflichen Entwicklung im Rückblick sicherlich sehr zufrieden. Der Beruf, den ich die letzten jetzt fast 18 Jahre ausübe, das war ein Beruf, der mir sehr viel Freude bereitet hat, mehr Freude als Ärger. Auch deswegen, weil ich an der Entwicklung der Stadt maßgeblich mitarbeiten konnte. Sicherlich mussten wir auch Dinge hinnehmen, wie die Bürgerentscheide Freizeitbad und Bestattungswald, aber im Nachhinein kann ich damit leben. Unsere Stadt Olpe blüht. Wo ich sehr sehr glücklich drüber bin, vielleicht auch ein bisschen stolz, ist, dass wir die Neue Mitte hinbekommen haben. Das hat mich damals richtig Nerven gekostet. Weil wir da auch wieder mit der Emotion der Menschen zu tun hatten. Das bleibt mir in Erinnerung. Der Satz ist wohl richtig: Nichts zu riskieren, wäre mir damals zu riskant gewesen. Da war auch der Rückhalt hier im Hause wichtig. Allen voran Bernd Knaebel ist da zu nennen, der damals eigentlich die Idee für die Neue Mitte in dieser Form hatte.

Wo steht die Stadt Olpe heute, wo steht sie in 10 Jahren?

Olpe ist heute eine gut strukturierte Einkaufsstadt. Wenn man an Tagen durch Olpe geht, wo andere Städte in einem Dornröschen-Schlaf liegen, dann ist bei uns Leben in der Stadt. Um den Marktplatz herum, Richtung Kurkölner Platz oder in der Martinstraße - es sind immer Leute unterwegs. Das zeigt, dass der Branchen-Mix funktioniert. Einkauf, Unterhaltung, Kneipe, Café - es passt zusammen, man hat ein ,Stadt-Erlebnis’, nie Langeweile und trifft immer irgendjemand. Auf der anderen Seite haben wir eine zu Olpe passende Industrie. Eine, die die Stadt nicht erschlägt. Ich gehe allerdings davon aus, dass wir aufgrund der Nachfrage nach Industrieflächen spätestens in zehn Jahren über Erweiterungen nachdenken müssen. Durch die Regionale und das Projekt Bigge-Listersee dürfte sich der Tourismus in Olpe in den nächsten zehn Jahren positiv entwickeln.

Was haben Sie sich für Ihren Ruhestand fest vorgenommen?

Es ist ja im Leben oft so, dass man immer irgendwo reingeworfen wird. Auch, als ich Bürgermeister wurde, war das so, denn es gibt ja keine Schule, auf der man Bürgermeister lernt. Ich hab mich dann gefragt: Wie machste das denn jetzt? Und genauso wird es mir am 20. Oktober mit dem Ruhestand gehen. Man geht aus der Tür, gibt den Schlüssel ab und fragt sich wieder: Und jetzt? Ich werde nächstes Jahr 73, und wenn ich noch vernünftig reisen und ab und zu auf die Jagd gehen oder um den Obersee laufen kann, dann wäre das gut. Wenn mir einer zum Abschied eine Freude machen möchte, dann kann er mir einen Reise-Gutschein schenken. Um Gottes Willen keine Bank, die ich mir sowieso nicht vor die Haustür stelle und auch keinen Krückstock mit der Schelle dran.