Mubea und Kirchhoff wachsen Schulter an Schulter

Leichtbauteile an einem Modellauto in der Mubea-Zentrale.
Leichtbauteile an einem Modellauto in der Mubea-Zentrale.
Foto: Mathias Schumacher
Was wir bereits wissen
Die Attendorner Autozulieferer Mubea und Kirchhoff sind in globale Dimensionen gewachsen. Zur richtigen Zeit Neues gewagt und sich von Altem getrennt.

Hagen/Attendorn.. Zum rechten Zeitpunkt Neues wagen, sich von Altem trennen, Mut zur Internationalisierung. Das ist, kurz gefasst, das Erfolgsgeheimnis südwestfälischer Mittelständler. Natürlich gehört auch dazu, ein inhabergeführtes Familienunternehmen zu sein.

Das allein aber erklärt nicht, dass sich zwei Autozulieferer aus dem Kreis Olpe meilenweit vom Rest der Branche in der Region absetzen konnten und heute in der Weltliga mitspielen: Kirchhoff Automotive und Mubea in Attendorn wachsen Schulter an Schulter, kommen beide auf eine Mitarbeiterzahl von über 10.000 weltweit und einen Umsatz von je gut 1,6 Milliarden Euro. Wobei die Zahlen für die Kirchhoff-Gruppe gelten - in Iserlohn werden Zulieferteile für Lkw gebaut. 2005 erzielte die Gruppe noch mit 3600 Mitarbeitern 540 Mio. Euro Umsatz.

Was den Unterschied ausmacht

Kirchhoff-Sprecher Andreas Heine weiß, was den Unterschied ausmacht: 1984 den Pkw-Zulieferer Kutsch in Attendorn zu übernehmen - zu einem Zeitpunkt, an dem die Hersteller immer mehr Aufgaben an ihre Zulieferer delegierten. Und dann die Internationalisierung, beginnend 1993 in Portugal - „der eigentliche Start von Kirchhoff Automotive, um Größe zu bekommen“, wie Heine erläutert. 1998 folgte Kirchhoff Polska in Mielec, 1999 ein Joint Venture im Mexiko, 2000 Spanien, 2004 Ungarn, 2007 ein Presswerk in China und dann, 2011 die Übernahme von van Rob in den USA, der entscheidende Schritt zur Aufstellung als Global Player.

Und: „Wir wissen im Ausland nicht alles besser, sondern die Werke bleiben in den Händen von Teams aus den Ländern selbst - darauf sind die Mitarbeiter sehr stolz“, erklärt der Sprecher. Das Schwierigste: Sich rechtzeitig von Sparten trennen, die andere besser können. 1979 wurde das Geschäftsfeld Heiztechnik eingestellt - bis dahin hatte Kirchhoff auch Nachtspeicheröfen und Kochherde hergestellt. Kirchhoff Automotive produziert für die deutschen Autohersteller, aber auch für General Motors und Ford Fahrwerksteile, Motor- und Achsträger, Stoßfänger, A- und B-Säulen, Armaturentafelquerträger, in denen das Lenkrad sitzt, sowie Frontendmodule, in die Lampen eingesetzt werden.

Ähnlich stark gewachsen

Ähnlich stark ist Mubea gewachsen - allein 2014 um 12 Prozent, wie Gesellschafter Thomas Muhr Ende 2014 bekanntgab. Das Unternehmen, das als öffentlichkeitsscheu gilt und auf schriftliche Erklärungen der Gesellschafter verweist, hat nach eigenen Angaben Umsatz und Mitarbeiterzahl seit 2008 um rund 100 Prozent gesteigert. Auch der Mubea-Erfolg beruht nicht zuletzt auf gelungener Internationalisierung, wie aus der Mitteilung Muhrs an die Mitarbeiter hervorgeht. So seien 2014 im neuen Walzwerk in Kentucky bereits 40.000 Tonnen gewalzt worden, in Shenyang/China sei in nur 15 Monaten ein neues Achsfedernwerk gebaut worden, das in diesem Jahr drei Millionen Federn an Kunden in Nordchina liefern soll. Der Umsatz in China soll mit 1000 Mitarbeitern auf 200 Millionen Euro ausgeweitet werden.

Mubea ist Marktführer in vielen Sparten der Federindustrie. Das Produktspektrum umfasst Fahrwerkskomponenten wie Achsfedern und Stabilisatoren, Motorkomponenten wie Ventilfedern und Federbandschellen und Getriebekomponenten wie Antriebswellen und Getriebetellerfedern.