Mountainbiker richten Meisterschaft aus

Saalhausen..  „Was machen eigentlich . . . im Winter?“ In loser Folge stellt unsere Zeitung mehr oder weniger sportlichen Zeitgenossen, die ihrem Hobby üblicherweise im Sommer nachgehen, die Frage, was sie denn so im Winter machen. „Warten“ dürfte in den allermeisten Fällen eine ehrliche und alles Wesentliche beschreibende Antwort sein. Aber es gibt auch die anderen. Und um die geht es.

Mit Hacke und Schüppe

Bei den Mountainbikern sind „die anderen“ eher in der Minderheit. Es gibt die, die sich vom Wetter nicht schrecken lassen, warm anziehen, trotzdem frieren, gleichwohl aber unterwegs sind. Und dann gibt es noch die ganz anderen, die kommen aus Saalhausen und sind in diesem Winter sehr viel unterwegs, aber nicht mit dem Fahrrad, sondern mit Hacke, Schüppe und Bagger.

Die für Mountainbiker eher unüblichen Utensilien weisen auf das Wochenende vom 19. bis 21. Juni 2015. Dann finden von Freitag bis Sonntag die Deutschen Meisterschaften in der Königsdisziplin dieser Sportart, dem olympischen Cross Country, statt. Dafür schlagen, schaufeln und baggern Thorsten Kathol und die übrigen der Abteilung Shark Attack einen 4,9 Kilometer langen Rundkurs in den Ortsrand von Saalhausen, auf dem sich im kommenden Jahr die Elite der deutschen Mountainbiker vergleichen kann.

Wenn Thorsten Kathol von der Strecke spricht, fällt verdächtig oft das Wort „knackig“, was aber keine Anspielung auf die Knochen der armen Seelen sein soll, die sich auf die extremen Bergabpassagen (Downhill) verirrt haben, sondern den Schwierigkeitsgrad beschreibt, auf den sich die künftigen Starter gefasst machen müssen. Da werden Hindernisse aufgebaut, Felsen, Steine und sonstige bei Kontakt schmerzhafte Dinge in die Wege geschoben und kleine sowie größere Absätze ins Gelände moduliert, die im Flug überwunden werden. Alles nicht böse gemeint, die wollen das so!

In der Bundesliga

Denn was national und international gewollt ist, wissen die Shark Attacker ziemlich genau, da sie seit Jahren erfolgreich in der Mountainbike-Bundesliga fahren. Eine Rennserie, in der auch Starter aus Südafrika, Neuseeland oder den USA am Start sind. Ein Kreisstädter, der einen überzeugten Mountainbiker aus oder in Neuseeland trifft, muss sich unter Umständen auf folgenden Dialog gefasst machen:

„Where do you come from?“

„Olpe, Germany.“

„Olpe?“

„Olpe, near Saalhausen!“

„Oh, yes!“

Auf die absolute Spitze treiben wollen es die Shark Attacker allerdings nicht. „Die Entwicklung“, sagt Thorsten Kathol, „geht zu immer schwierigeren Strecken. Unsere ist sehr schwierig, aber relativ ungefährlich. Vor den gefährlichen Passagen haben wir Kurven eingebaut, damit langsam gefahren werden muss. Absoluten Highspeed wollen wir nicht.“

Weit mehr als 1 000 Arbeitsstunden in nasser und damit besonders schwerer Erde werden Kathol und seine Mannen mit Schüppe und Spitzhacke im Kreuz haben, wenn der Parcours im kommenden Jahr fertig ist und sich soweit gesetzt hat, dass er gut befahrbar ist.

Aber die Rückenmuskulatur stählende Erdarbeiten sind nur ein Teil der Arbeit. Zum Orga-Team gehören 30 bis 40 Mitglieder, am Wettkampfwochenende werden rund 200 Frauen und Männer im Einsatz sein. „Größtenteils aus den Saalhauser Vereinen und der Feuerwehr. Wir helfen uns hier gegenseitig, ohne diese Hilfe wäre so etwas gar nicht möglich“, so Thorsten Kathol.