Moseler: Tiefer Frust in Sondern verbreitet

Der neue Ortsvorsteher von Sondern, Martin Moseler, gleichzeitig Ratsherr für die FDP im Olper Stadtrat.
Der neue Ortsvorsteher von Sondern, Martin Moseler, gleichzeitig Ratsherr für die FDP im Olper Stadtrat.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Der neue Ortsvorsteher von Sondern, Martin Moseler, stand unserer Zeitung Rede und Antwort.

Sondern..  Ein FDP-Ratsherr Ortsvorsteher in der Stadt Olpe? Was bislang undenkbar schien, ist seit wenigen Tagen Realität: Martin Moseler, seit der Kommunalwahl im Mai Mitglied der FDP-Ratsfraktion, wurde einstimmig zum Ortsvorsteher von Sondern gewählt, das im Zusammenhang mit der Regionale 2013 immer wieder Schlagzeilen macht. Martin Moseler stand uns Rede und Antwort.

Frage: Herr Moseler, wie kommt ein FDP-Ratsherr zu der Ehre, Vorsteher eines Dorfes zu werden, in dem eigentlich die CDU die Mehrheit und damit das Vorschlagsrecht hat?

Martin Moseler: Es hat sich herauskristallisiert, dass zwar viele gerne etwas tun würden, sich aber nicht an die Spitze stellen möchten. Viele Sonderner glauben auch nicht, dass sie vernünftig mit der Stadtverwaltung zusammenarbeiten können. Es ist in unserem Dorf eine tiefe Frustration verbreitet gegenüber der Stadt.

Hat die CDU in Sondern keinen Kandidaten gefunden?

Ja, sie haben aus ihren eigenen Reihen keinen gefunden, der an vorderster Front stehen wollte. Ich bin zunächst vom ehemaligen Ortsvorsteher Wolfgang Bethke angesprochen worden, der sich sehr engagiert hat, einen Nachfolger zu finden.

Wie ist die Stimmung im Dorf kurz vor dem Beginn der großen Baumaßnahme Regionale 2013?

Bevor hier kein Bagger anrückt, glauben viele gar nicht, dass irgendwas passieren wird. Die Sache heißt ja eigentlich Regionale 2013. Jetzt haben wir 2015, und man sieht immer noch kein Ergebnis.

Wobei von außerhalb Sonderns auch zu hören ist: Warum regen die sich auf? Die bekommen immerhin über zwei Millionen ins Dorf.

Nicht jeder Sonderner kennt den Haushaltsplan, wo das in nackten Zahlen drinsteht. Ich versuche, da aufzuklären und sage: Liebe Leute, das wird kommen, wenn auch verzögert, aber es kommt. Wichtig ist, dass es jetzt beginnt, angefangen mit dem Parkplatzbau, der eigentlich auch schon im vergangenen Jahr stattfinden sollte. Wenn im Frühjahr die Bagger anrollen, kehrt vielleicht in den Ort wieder der Glaube an die Regionale zurück. Aber es ist tatsächlich so, dass es im Dorf viele Stimmen gibt: ,Da kommt ja doch nichts, das Geld ist fürs neue Rathaus eingeplant oder für die Rampe am Bigge-Randweg ausgegeben’.

Apropos Rampe: Der höhengleiche Bahnübergang in Sondern war ursprünglich ein wesentlicher planerischer Ansatz für die positive Veränderung im Dorf. Jetzt passiert dort so gut wie nichts. Kein höhengleicher Bahnübergang, keine Rampen. Wie hat man das im Dorf aufgenommen?

Die Ideallösung des höhengleichen Übergangs ist aufgrund des Widerstands der Bahn nicht machbar. Man war da vielleicht von Anfang an zu naiv, auch in der Verwaltung.

Was hätte anders laufen können oder müssen, um der schlechten Stimmung gegen Politik und Verwaltung vorzubeugen?

Wenn man alles zeitnaher abgewickelt hätte. Ich bin 2008 nach Sondern gezogen. Und 2009 gab es dann schon die Bürgerversammlungen mit Projektvorschlägen. Man hat sich im Dorf sehr viel Mühe gemacht, eigene Ideen entwickelt, hat sehr viel Arbeit reingesteckt, und dann ist halt lange nichts passiert. Es hat sich in die Länge gezogen und gezogen, und die Bürger haben sich irgendwann nicht mehr wiedergefunden. Das ist der Hauptgrund. 2009, das ist jetzt immerhin sechs Jahre her, und es ist nichts Sichtbares passiert. Dazu kommt, dass man nicht immer optimal informiert worden ist.

Die Sonderner haben offenbar an deutlich mehr geglaubt als was jetzt tatsächlich umgesetzt wird.

Die Bürger haben in einigen Details an etwas anderes geglaubt, aber in einigen Dingen hat auch die Verwaltung an anderes geglaubt, an größere Lösungen, die sich dann später als illusorisch herausgestellt haben.

Was ist Ihre Hauptaufgabe in den nächsten fünf Jahren?

Die Unterstützung des Regionale-Projekts. Das ist auch der Grund, weshalb ich mich bereit erklärt habe, diese Ortsvorsteherposition zu übernehmen. Ich habe mich nicht aufgedrängt. Mir wäre es lieber gewesen, es wäre ein Partei unabhängiger Kandidat gewesen. Aber als sich dann keiner fand, habe ich gedacht, es kann nicht sein, dass wir das größte Investitionsprojekt seit Bestehen des Dorfes bzw. seit der Umsiedlung haben, und es will sich keiner an die Front stellen. Da hab ich dann die Verantwortung gesehen und gesagt: Ich mach’ das jetzt. Aber auch nur unter der Bedingung, dass dahinter noch einige Leute stehen, die mich unterstützen. Und wir haben jetzt auch ein schönes Team im Hintergrund mit sieben Leuten. Wir nennen das unseren Dorfrat, der mich unterstützt.

Wer gehört dazu?

Was mich besonders freut, ist, dass der ehemalige Ortsvorsteher dazugehört. Die weiteren Mitglieder sind Mike Bieker, Winfried Freitag, Natalie Schulte, Dennis Stumpf, Anke Struck, Manfred Struck. Dann gibt es noch einen erweiterten Dorfrat, dazu gehören die Dorfvereine und die Biggesee-Schifffahrt.

Wie stellen Sie sich Sondern in fünf Jahren vor?

Mit einem deutlich verschönerten Ortsbild. Als ein Dorf, das aus seinem touristischen Dornröschenschlaf erwacht ist und deutlich an Attraktivität gewonnen hat.

Was ist für Sie das wichtigste?

Dass es eine Freude sein wird, da entlangzugehen. Dass Geländer und Hecken einladend wirken. Und dass auch die Unterführung nicht so bleibt, wie sie ist. Wenn man erst einmal durch einen wenig einladenden Tunnel geht, dann ist jedes Urlaubsgefühl schon wieder weg. Das muss umgestaltet werden, und ich denke, dass kann man auch mit geringerem Aufwand als mit den 60 oder 70 m langen Rampen. Und das muss eine Lösung sein, mit der die älteren Menschen jenseits der 60 oder 70 klarkommen. Da hoffe ich auch, dass die Bahn ein Gleis einkürzt, so dass das Ganze auch kürzer werden kann. Ich habe zwar jetzt lange nichts von den Plänen gehört, aber wir haben Anfang März den nächsten Termin bei Herrn Knaebel. Dann werden wir weitersehen.

Viele Parkplatze fallen weg, viele neue kommen dazu. Aber die Leute müssen weitere Fußstrecken bewältigen. Werden die das schlucken?

Es wird sicher noch Parkflächen geben, die in der Nebensaison angefahren werden, die nicht so weit entfernt sind. In der Hauptsaison ist das Dorf ohnehin von vorne bis hinten von den zahlreichen Gästen oder Kunden der Schifffahrt zugeparkt. Und an solchen Tagen werden auch die neuen, großen Parkplätze im wesentlichen frequentiert werden. Interessant ist, dass die neuen Plätze vermutlich bewirtschaftet werden sollen.

Beide neuen Parkplätze?

So wurde es mir gegenüber angedeutet. Im Moment sind die Plätze unten an der Bahn in der Saison auch bewirtschaftet. Das ist dann vermutlich kein großer Unterschied. Dennoch habe ich darüber erst einmal gestaunt.
Mir wäre es zwar lieber, das würden kostenlose Parkplätze, auf der anderen Seite sind das Investitionen, die irgendwo getragen werden müssen, und wir wissen, dass die Stadt kein ausgeglichenes Budget hat. wenn es bei den 2 Euro pro Tag bleiben würde, die es jetzt kostet, kann man damit leben.