Mit Wut im Bauch Geschäft geschlossen

Wenden..  Strahlende Gesichter, blauer Himmel, Superstimmung, Livemusik und ein abwechslungsungsreiches Programm - es herrschte eitler Sonnenschein beim rundum gelungenen Wendener Sommer von Werbegemeinschaft und Verwaltung. Doch Andrea Marcuse ist da völlig anderer Meinung. Im Schaufenster ihres Lotto und Tabakwaren-Geschäftes in der Hauptstraße 74, in dem es auch Schul- und Schreibwaren, Deko- und Geschenkartikel gibt, hing ein Schild: „Können Sa. und So. nicht öffnen, werden zugestellt.“ Und rechts daneben war zu lesen: „Es werden keine Gutscheine der Werbegemeinschaft mehr entgegen genommen.“ Was war da los?

Unsere Zeitung nahm Kontakt zur Geschäftsinhaberin auf. Und die ist richtig sauer: „Wir wollten uns präsentieren und zeigen, dass wir nicht nur auf Lotto reduziert sind. Doch am Mittwoch haben wir erfahren, dass vor dem Geschäft alles zugesperrt wird, unter anderem mit einem acht mal vier Meter großen Pavillion der Sparkasse. Wir haben die Werbegemeinschaft am Mittwoch darauf hingewiesen. Es wurde versprochen, dass man sich kümmert. Doch es passierte nichts und wurde einfach ausgesessen.“ Die ganze Front sei zugestellt gewesen. Der Hegering Wenden offerierte an einem Stand Wildspezialitäten. Zwar sei noch angeboten worden, einen anderen Stand wegzuschieben, doch es hätte sich nichts geändert: „Die Sicht war versperrt.“

Neben dem Erreichen eines höheren Bekanntheitsgrades habe man die Kunden auch über die Sortimentsänderung informieren wollen. „Wir haben seit drei Wochen Rabatte. Viele denken, dass wir schließen, aber wir wollen nur das Sortiment ändern. Mit der Präsentation wollten wir allen Gerüchten einen Riegel vorschieben“, betonte ­Andrea Marcuse. „Wir hatten eine Eistruhe angeschafft. Es war eine Cocktailbar geplant. Wir wollten Tische und Bänke aufstellen“, so ihr Mann, Tim Marcuse.

Schon im März informiert

Doch am Samstag um 12.30 Uhr war für die Marcuses Schluss. Sie schlossen das Geschäft und hingen das Schild ins Fenster. „Die Mitgliedschaft in der Werbegemeinschaft habe ich gekündigt. Ich kann nicht Mitglied eines Vereins sein, der nicht für mich da ist“, sagte ­Andrea Marcuse. Mittlerweile habe man einen Anwalt eingeschaltet. Dabei gehe es nicht nur um Umsatzeinbußen, sondern auch um die entgangene Präsentation ihres Geschäftes beim Wendener Sommer.

Auf Anfrage wies Gabriele Hoffmann, Vorsitzende der Werbegemeinschaft Wenden, die Vorwürfe zurück: „Schon im März haben wir alle Mitgliedsbetriebe informiert. Nach der Mitgliederversammlung haben wir noch einmal in einem Schreiben gefragt, wer mitmachen möchte. Wir haben alle berücksichtigt, die sich gemeldet haben.“ Und weiter: „Es werden alle Mitgliedsbetriebe gleichbehandelt. Wir sind eine Gemeinschaft.“

Am Mittwoch habe ihn Andrea Marcuse angerufen, so Werbegemeinschaft-Geschäftsführer Markus Scherer: „Früher hatte ich sie beim Lotto-Spielen angesprochen, ob sie nicht mitmachen wolle, doch sie meinte, das lohne sich nicht. Am Mittwoch sagte sie dann, es seien Leute von der Sparkasse und Jäger vor ihrem Haus und dass sie doch mit einem Stand teilnehmen wolle. Aber wir hatten keine Ausweichmöglichkeiten mehr.“

Alles oder gar nichts

Mit Vertretern der Sparkasse sei man im Geschäft gewesen, so Gabriele Hoffmann. Man habe angeboten, den Stand der Jäger umzustellen: „Dann hätte man das Geschäft schon einsehen können, aber sie hat das rigoros abgelehnt. Sie meinte: Entweder alles oder gar nichts.“

„Es hat doch keiner etwas gegen Frau Marcuse“, betonte die Chefin der Werbegemeinschaft: „Wir sind froh über jeden, der mitmacht, um zu zeigen: Wenden lebt. Wir haben versucht, alle heimischen Betriebe zu bekommen. Warum sollten wir sie außen vor lassen? Ihr Angebot von Zigaretten und Deko hätte gut gepasst. Das gab es sonst nirgendwo. Es ist wirklich schade.“