Mit dem Plattenspieler unterwegs

Foto: Stupperich, Walter
Was wir bereits wissen
Nicht erst seit der Erfindung von Walkman oder mp3 kann man unterwegs Musik genießen. Früher gab es den Phonokoffer, mit dem man Schallplatten auch außerhalb der eigenen vier Wände anhören konnte.

Lennestadt..  Jetzt im Winter haben die meisten Menschen deutlich mehr Zeit und Muße als im Sommer, sich in Ruhe einmal Musik anzuhören. Sicherlich sieht man heutzutage auf Straßen und Plätzen viele Personen, zumeist aber Jugendliche, die sich mit dem Stöpsel eines MP3-Players im Ohr von der Musik berieseln lassen. Wenngleich dieses auch eine Art ist, Musik zu hören, so kann man richtigen Musikgenuss eigentlich nur in Ruhe und bei voller Konzentration genießen. Aber auch schon vor 60 bis 70 Jahren verspürten die Menschen den Drang, Musik auch außerhalb der eigenen vier Wände zu hören, wie heute bei einem MP3-Player. Diesen Wunsch konnte man sich seit Anfang der 1950er Jahre mit einem tragbaren Schallplattenspieler erfüllen. Solch einen Plattenspieler stellt das Museum der Stadt Lennestadt als „Exponat des Monats März“ vor.

Dieser Schallplattenspieler befindet sich in einem Koffer, wird deshalb auch Phonokoffer genannt, und dürfte wegen seiner problemlosen Transportierbarkeit ein Vorläufer des heutigen MP3-Players sein. Voraussetzung des Musikhörens war allerdings das Vorhandensein einer Stromsteckdose.

Dieser Schallplattenspieler, eine Schenkung an das Museum, wurde in den Jahren 1954 bis 1958 von der Firma Deutsche Philips Gesellschaft unter der Typenbezeichnung „Phonokoffer III AG 2113“ hergestellt.

Ein Spitzengerät

Der Plattenteller dieses Musikgerätes ist auf einem rechteckigen Metallrahmen in einem halbrunden Koffer befestigt. Aufgrund seines Aussehens wurde der Plattenspieler seinerzeit im Volksmund auch „Hutschachtel“ genannt.Es ist ein Röhrengerät mit zwei Röhren und läuft auf Wechselstrom bei Netzspannungen von 220, 127 und 110 Volt. Der aus Metall bestehende Plattenteller wird angetrieben durch einen Reibradantrieb. Offensichtlich ist dieses Gerät nicht mit dem ursprünglichen Doppeltonkopf ausgestattet, sondern mit einer Stereonadel. Die Drehzahl des Gerätes kann eingestellt werden auf 33, 45 oder 78 Umdrehungen pro Minute. Die Einstellung der Drehzahl wird durch Verschieben eines Hebels vorgenommen. Wenn der Plattenspieler nicht verwendet wird, ist der Schalter in die Position „O“ zu bringen, um Schäden am Zwischenrad zu verhindern. Der Ein- / Aus-Schalter ist mit dem Tonarm gekoppelt.

Dieser Philips Phonokoffer III war seinerzeit das Spitzengerät unter den Plattenspielern. Mit eingebautem Verstärker und Lautsprecher machte er die Hörer unabhängig vom Radiogerät. Es brauchte nur noch der Koffer an die Steckdose angeschlossen werden. Sämtliche Schallplatten konnten auf diesem Gerät abgespielt werden. Wegen seiner leichten Handhabung und der hervorragenden Klangqualität waren die Leute seinerzeit von diesem Abspielgerät begeistert. Man kann den elektrisch betriebenen Philips Phonokoffer als eine Weiterentwicklung des um 1900 gebräuchlichen Grammophonkoffers bezeichnen. Dessen Federwerksmotoren wurden wie ein Uhrwerk aufgezogen.

198 D-Mark

Der Koffer selber ist aus holzverstärktem Karton hergestellt, der mit Kunstleder und Plastikfolie überzogen ist. Der Lautsprecher, der auf der Innenseite des Kofferoberteils angebracht ist, besteht aus einem textilbespannten Kunststoffgitter. Der Phonokoffer wiegt 6,5 kg und hat die Abmessungen von 360 x 170 x 370 mm. Das Anfang der 1950er Jahre von Philips entwickelte Spitzengerät kostete seinerzeit 198 D-Mark. Wenn man bedenkt, dass der damalige Durchschnittslohn bei rund 600 D-Mark lag, war dieses ein stolzer Preis und sicherlich nicht für jedermann erschwingbar.