Mit dem Oldtimer auf den Spuren der Rallye Monte Carlo

Sportlichkeit war 1961 noch etwas anders definiert: Peter Göbel in einem Skoda 1200 TS von 1961 bei der HistoMonte 2009. 50 Meter nach dem Start versagten die Bremsen
Sportlichkeit war 1961 noch etwas anders definiert: Peter Göbel in einem Skoda 1200 TS von 1961 bei der HistoMonte 2009. 50 Meter nach dem Start versagten die Bremsen
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Den meisten Besitzern von Oldtimern sind Eis, Schnee und Salz auf den Straßen ein Graus. Doch es gibt auch welche, die das Abenteuer suchen.

Attendorn..  Auf die Frage: Was machen eigentlich Oldtimerfans im Winter? gibt es zwei, drei schnelle Antworten: Batterie ausbauen, Garage abschließen, Batterie laden, Staub abwischen, nachsehen, ob die Batterie immer noch lädt – irgendwie kriegt man den Winter schon rum. Aber im Winter fahren? Auf Eis und Schnee? Wenn Salz auf der Straße liegt? Absurder Gedanke, das geht nicht!

Doch, das geht.

Einen speziellen Service für die aus Sicht der Garagenabschließer aus Absurdistan Kommenden, die ganz anderen, liefert der gebürtige Attendorner Peter Göbel, der 2015 nicht nur die Sauerland Klassik (30. September bis 3. Oktober), sondern auch die AVD Histo-Monte organisiert. Eine Oldtimer-Rallye, die in Mainz startet und sich auf den Spuren der legendären Rallye Monte Carlo durch die Schweiz und die französischen Seealpen bis nach Monte Carlo durchschlägt - im Februar, wenn man ziemlich sicher sein kann, dass in den Alpen jenseits der 1000 Meter auch noch Schnee liegt.

Warum tut man sich das an?

Was treibt Oldtimer-Fahrer dazu, in der Nacht, bei Minustemperaturen, auf Schnee und gepökelten Straßen, in Autos, deren Heizung schlecht oder gar nicht funktioniert, herumzurutschen und dafür auch noch Geld auszugeben?

Auf der Suche nach einer Erklärung kommt man mit Logik nicht besonders weit, denn die Wirklichkeit ist noch schlimmer als es auf den ersten Blick scheint. Der Wahrheit nähert man sich am besten, in dem man Peter Göbel, der die Rallye als Beifahrer/Navigator schon 13mal gefahren ist und sechsmal gewonnen hat, erzählen lässt:

„Man steht am Start einer Wertungsprüfung auf 1000 Metern und wenn es dort leicht schneit, kann man sicher sein, dass es oben auf 1400 Meter heftig schneit. Dann muss man sich entscheiden, ob man Schneeketten aufzieht, oder nicht.

Zieht man Ketten auf, ändert sich der Radumfang und die Daten vom Trippmaster stimmen nicht mehr. Außerdem sind die Finger klamm, richtig warm werden sie nicht mehr. Die Heizung ist mies, die Scheibenwischer vereisen, so dass man alle 800 Meter anhalten muss, um sie vom Eis zu befreien. Das“, sagt Göbel, „macht richtig Spaß.“

Alle drei Stunden raus aus dem Bett

Wie extrem unterschiedlich die Vorstellungen von Menschen sein können, von dem, was „richtig Spaß macht“, begreift man aber erst, wenn man weiß, dass man sich diesen Spaß verdienen muss, zum Beispiel mit einer Nacht, in der man wenig oder gar nicht schläft, weil man alle drei Stunden aufstehen muss: „Ab 15 Grad minus“, so Göbel weiter, „springen viele Oldtimer nicht mehr an. Wenn man sich dann morgens größeren Ärger ersparen will, muss man alle drei Stunden raus aus dem Hotel, den Motor warm fahren und darauf achten, dass er anschließend nicht wieder völlig auskühlt.“

„Warum, Göbel, warum macht man das?“

„Weil es früher nur so war. Früher war eine Fahrt über die Alpen im Winter immer ein Abenteuer. Heute gibt es ABS, ESP, Allrad und Sitzheizung. Und wenn es dann hinter der Rückbank irgendwo leise klappert, schreiben die Leute einen bösen Brief an den Hersteller. Die wissen doch gar nicht, wie das damals war.“

Die vielen Garagenabschließer wollen es sicherlich auch gar nicht wissen, aber es gibt eben auch die anderen, oder ganz anderen. Die wollen das nicht nur wissen, die wollen das erfahren.

Kampf mit der Bürokratie

Die Histo-Monte fahren ist ein Abenteuer, die Histo-Monte planen ist auch ein Abenteuer, schwer zu sagen, welches das größere ist. Die Fahrer haben es mit Eis, Schnee und bockiger Technik zu tun, die Organisatoren mit französischer Bürokratie.

Und die ist, vorsichtig formuliert, bisweilen sperrig. Dazu zwei Zahlen. Die gesamte Genehmigung für die Rallye auf deutschem Gebiet kostete 500 Euro. Für Frankreich kosteten allein die Kopien der 120-Seiten-Dossiers über die Organisation, die in jedem Departement, das die Rallye quert, vorgelegt werden müssen, 2 500 Euro.