Mit „Caritas 24“ aus der Illegalität aussteigen

Lennestadt/Kreis Olpe..  Mit seinem Programm „Caritas 24 – zu Hause gut betreut“ will der Caritas-Kreisverband Olpe keinesfalls Jagd machen auf die geschätzten 300 polnischen Haushalts- und Betreuungskräfte, die in einer gesetzlichen Grauzone oder gar in der Illegalität in Privathaushalten ihrer Arbeit nachgehen. Ganz im Gegenteil. Werner Voß, Leiter des Caritas-Zentrums für Lennestadt und Kirchhundem: „Grundvoraussetzung für die Vermittlung einer Betreuungskraft ist das Vorliegen einer Pflegebedürftigkeit.“ Die Caritas versucht also, ihren häuslichen Pflegedienst mit einer häuslichen Betreuung zu verknüpfen.

Ansprechpartner in Polen ist die dortige Caritas in der Diözese Elk. Erheblicher Pflege- und Betreuungsbedarf in Deutschland, eine schlechte Arbeitsmarktsituation in ländlichen Gebieten des östlichen Nachbarlandes – das waren und sind zwei Parameter für die enge Kooperation. Viola Kaufmann: „In meiner Heimat herrscht teilweise eine Arbeitslosenquote von mehr als 20 Prozent.“ So werden im Rahmen von „Caritas 24“ dort Frauen angesprochen, ob sie sich eine betreuende Tätigkeit in Haushalten älterer Menschen im Bistum Paderborn vorstellen könnten. Ein Kurs zum Erlernen der deutschen Sprache erfolgt ebenso wie eine Grundausbildung in einfachen pflegerischen Tätigkeiten.

Gesamtpaket nicht unbedingt billig

Wenn die Frauen dann z.B. in den Kreis Olpe kommen, werden sie direkt von der betreuten Person oder deren Familie angestellt. Die Caritas vermittelt und begleitet und lässt sich diese Dienste dann ebenfalls vom „Auftraggeber“ oder der Auftraggeberin bezahlen. Und das Gesamtpaket ist für den Klienten nicht unbedingt billig: 1559 Euro brutto ist der Monatsverdienst der Betreuungskraft. Die müssen natürlich von dieser versteuert werden. Hinzu kommen die Beiträge zur Sozialversicherung einschließlich des Wertes der Verpflegung: 374,76 Euro. Außerdem muss der Auftraggeber die Kosten für die Anreise übernehmen – zwischen 100 und 170 Euro.

Aber auch die Caritas will im Rahmen des Gesamtpakets vom Kuchen etwas abbekommen: Für die Vermittlung der Betreuungskraft in einen hiesigen Haushalt werden – einmalig – 378,90 Euro fällig. Im ersten Jahr berechnet die Caritas für Beratung und Begleitung 96 Euro monatlich, also 1152 Euro pro Jahr, ab dem 13. Monat sind es 76 Euro, also 912 Euro. Wer für die Personalabrechnung die Dienste der Caritas in Anspruch nehmen möchte: kein Problem. Kostet 25 Euro im Monat, also 300 Euro im Jahr. Da fällt die gesetzliche Unfallversicherung mit 23 Euro im Jahr kaum ins Gewicht.

In Deutschland voll versichert

Jürgen Voß räumt ein, dass „Caritas 24“ kein ganz billiges „Vergnügen“ ist. Vom monatlichen Gesamt-Brutto von 2065,47 Euro bleiben den polnischem Betreuungskräften lediglich rund 1013 Euro. Doch Viola Kaufmann rechnet vor: In Deutschland sind die polnischen Frauen voll versichert: Rente, bei Krankheit. Pro Monat haben sie Anspruch auf drei freie Tage. Darauf können sie verzichten, sich stattdessen den Lohn auszahlen lassen. „Durch die Freizügigkeit innerhalb der EU sind derartige Beschäftigungsverhältnisse erst möglich geworden.“ Es gibt aber auch die tarifliche Bindung. Kaufmann: „Eine Mutter von drei Kinder oder sogar Studenten z.B. haben durch ihre Arbeit in Deutschland auch Anspruch auf Kindergeld. Ich frage viele: Was ist Dir lieber? Etwas mehr Geld sofort oder eine Altersvorsorge und ein legales Beschäftigungsverhältnis. Die meisten entscheiden sich dann schnell für „Caritas 24“.