Mehr gegenseitiges Verständnis

Vor dem Olper Rathaus versammelten sich zahlreiche Angehörige der regionalen Moscheen-Gemeinden, um ein Zeichen gegen Gewalt und Intoleranz zu setzen.
Vor dem Olper Rathaus versammelten sich zahlreiche Angehörige der regionalen Moscheen-Gemeinden, um ein Zeichen gegen Gewalt und Intoleranz zu setzen.
Foto: WP
Zu einer Kundgebung kamen gestern zahlreiche Menschen zum Olper Rathaus. Dazu hatte der Dachverband der Türkisch-Islamischen Union aufgerufen. Nese Bicakci und Olpes Bürgermeister Müller traten ein für mehr gegenseitiges verständnis.

Olpe..  Als niederträchtigen Anschlag auf eine der tragenden Säulen der Gesellschaft bezeichnete Nese Bicakci, stellv. Vorsitzende des Regionalverbandes Essen der DiTiB, gestern vor dem Olper Rathaus den Angriff auf die Redaktion von Charlie Hebdo in Paris. Und aus ihrer eigenen Meinung machte sie kein Hehl: „Jeder muss die Freiheit haben, seine Meinung zu sagen, ohne um sein Leben fürchten zu müssen.“

16 Uhr auf dem Platz vor dem Oper Rathaus. Zahlreiche Menschen haben sich versammelt, um an einer Kundgebung teilzunehmen, zu der der Dachverband der Türkisch Islamischen Union - DiTiB - aufgerufen hatte. Die Teilnehmer - unter andrem Imame und Vorstände aller sieben Moscheevereine - kamen aus Attendorn, Lennestadt, Siegen, Kreuztal, Neunkirchen, Meinerzhagen und Olpe.

Und der Vorsitzende des Ausländerbeirats der Stadt, Cevdet Aydin, freute sich, dass auch Vertreter von katholischer und evangelischer Kirche - unter anderem Dr. Bettina Wolf und Wolfgang Hesse sowie Doris Thieme - die Aktion unterstützten.

Gerne gekommen war nach eigener Aussage auch Olpes Bürgermeister Horst Müller. Er machte deutlich, dass die Ereignisse in Paris und am Donnerstag in Belgien Anlass zur Sorge gäben. „Auch in Olpe wohnen und arbeiten viele Muslime“, sagte er, und man pflege eine ausgezeichnetes Miteinander. Man müsse aber deutlich machen, das Islamismus und Islam nichts miteinander zu tun hätten.

In die gleiche Richtung ging, was Nese Bicakci anschließend aus einem Schreiben von DiTiB zitierte: „Unserem Glaubensbekenntnis nach hat niemand das Recht, anstelle Allahs zu handeln, geschweige denn über das Leben anderer zu richten.“

Leider gebe es aber Menschen, die das Wesen des Islam als Religion des Friedens nicht erkennen würden. „Wir dürfen“, sagte sie, „solchen Angriffen nicht nur mit Worten begegnen. Wir müssen als Religionsgemeinschaft deutlich machen, dass wir uns mit unserem Glauben und unseren Gemeinden für die Freiheiten und das Leben eines jeden einsetzen.“

Meinungsfreiheit und Pressefreiheit seien auch für Muslime Fundamente der bürgerlichen Grundrechte, genau wie die Religionsfreiheit. Man dürfe zwar diskutieren und streiten über die Berichterstattung über den Islam. Man könne sie auch als diffamierend verurteilen oder vor Gericht dagegen klagen. Niemals jedoch dürfe das Leben eines Menschen wegen seines Glaubens oder seiner Meinung angetastet werden, denn: „Der Schutz des Lebens ist ein unveräußerliches Recht des Menschen im Islam.“ Man erlebe mit großer Erleichterung, dass gerade jetzt Menschen „für uns und mit uns für diese Werte in unserer Gesellschaft demonstrieren“.

Es gehe aber nicht nur darum, „dass wir uns gegenseitig ertragen. Es geht uns darum, deutlich zu machen, dass wir uns gegenseitig achten und respektieren. Denn wir gehören zusammen.“

Bürgermeister Müller hatte ebenso zum Abbau von Vorurteilen aufgerufen. Er setzt darauf, dass Veranstaltungen wie die Kundgebung gestern in Olpe ein Schritt zu mehr Verständnis sind. Zu mehr Verständnis beitragen sollte auch die Einladung aller Teilnehmer in die Moschee. Niemand solle Angst haben vor der Moschee, hatte Nese Bicakci vorher formuliert und alle Interessierten aufgerufen, „einfach mal rein zu gehen.“ Vielleicht treffe man dort auf einen Ansprechpartner, der für Fragen und Gespräche zur Verfügung stehe.

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