Mann soll Marihuana an 14-Jährigen verkauft haben

Ein 23-Jähriger ist vor dem Olper Schöffengericht angeklagt. Er soll in drei Fällen Marihuana an einen 14-jährigen  Schüler verkauft haben.
Ein 23-Jähriger ist vor dem Olper Schöffengericht angeklagt. Er soll in drei Fällen Marihuana an einen 14-jährigen Schüler verkauft haben.
Foto: WP

Olpe..  Der Angeklagte ging ab wie ein HB-Männchen. Im Gerichtssaal flippte er völlig aus und beschimpfte einen Zeugen. Ungefragt gab er Kommentare ab und hielt selbst bei Verlesung der Anklage nicht seinen Mund. Richter Richard Sondermann drohte dem Angeklagten mit dem Ausschluss von der Verhandlung. Auch der Staatsanwältin wurde es zu bunt: „Wenn er noch mal dazwischenquatscht, beantrage ich ein Ordnungsgeld.“

Während der Sitzungsunterbrechung wütete der Angeklagte auf dem Gerichtsflur. Er schimpfte wie ein Rohrspatz und war kaum zu bändigen. Sogar seine Pflichtverteidigerin Michaela Baumgartner meinte, dass ihre Geduld bald am Ende sei.

Drei Fälle zwischen März und Mai

Laut Anklage soll der 23-Jährige in drei Fällen zwischen März und Mai vergangenen Jahres Marihuana in Olpe an einen damals 14 Jahre alten Schüler verkauft haben. Die Vorwürfe stritt er vehement ab: „Ich kann auf den Koran schwören, dass ich nichts mit der Sache zu tun habe. Ich habe noch nie mit dem Jungen gesprochen.“ Verteidigerin Baumgartner meinte: „Er konsumiert, aber er dealt nicht.“ Auch die Lebensgefährtin des Angeklagten betonte: „Das ist Schwachsinn. Ich war mit meinem Mann immer zusammen. Ich kenne meinen Mann.. Er hat selber drei Kinder und würde niemals Drogen an Kinder verkaufen.“

Auf die Frage von Richter Sondermann, ob sie denn auch mal getrennt von ihrem Mann gelebt habe, antwortete sie: „Ja.“

Stoff aus dem Kupferkrug

Der Schüler bestätigte, dass er das Marihuana in der Wohnung des Angeklagten in Olpe gekauft habe. Von Mitschülern habe er gehört, dass man bei ihm etwas bekommen könne. Erwischt worden war er mit dem Marihuana in der Tasche auf dem Schulhof. Der Junge wurde ins Sekretariat gebracht und die Polizei verständigt. Dort sagte er dann aus, dass er den Stoff vom Angeklagten erhalten habe.

„Ich bin dreimal zu ihm gegangen und habe ihm Geld gegeben. Zweimal zehn Euro und einmal 20 Euro. Er hat mir dafür Gras gegeben. Er holte das aus einem Kupferkrug, legte es auf eine Waage und hat es verpackt“, sagte der heute 15-Jährige. Seine Freunde hätten auf dem Schulhof gewartet. „Könnte es sein, dass Du das Zeug bei jemand anderem gekauft hast? Ist Dir gesagt worden, dass Du ihn anschwärzen sollst?“, fragte Richter Sondermann. Klare Antwort des Jungen: „Nein.“

Prozess wird fortgesetzt

Auch ein 20-Jähriger sagte aus, dass der Angeklagte in der Kreisstadt mit Drogen gedealt habe: „Ab und zu kamen Minderjährige und kauften bei ihm Drogen. Ich habe das fünf- bis sechsmal gesehen. Ich habe gesehen, wie drei Jugendliche kamen und bei ihm Drogen kauften. Ich habe selber Cannabis bei ihm gekauft. Immer für zehn Euro. Der Angeklagte verkaufte Drogen und sein Bruder auch.“ Bei diesen Worten des Zeugen ging der Angeklagte auf die Palme und beschimpfte ihn.

Der Prozess vor dem Schöffengericht wird am 12. Juni um 11.30 Uhr fortgesetzt. Dann sollen weitere Zeugen gehört werden.