Lob vom Staatsschutz nach Rauswurf von rechten Schützen

Nicht nur von anderen Schützenvereinen, auch vom Staatsschutz gab's Lob für den Vorstand der St. Antonius-Schützenbruderschaft in Wenden-Gerlingen: Der hatte schnell reagiert, als bekannt wurde, dass drei Jungschützen rechte Parolen verbreiteten - und das Trio aus dem Verein geworfen.
Nicht nur von anderen Schützenvereinen, auch vom Staatsschutz gab's Lob für den Vorstand der St. Antonius-Schützenbruderschaft in Wenden-Gerlingen: Der hatte schnell reagiert, als bekannt wurde, dass drei Jungschützen rechte Parolen verbreiteten - und das Trio aus dem Verein geworfen.
Foto: WAZ Foto/Pool
Was wir bereits wissen
Der Vorstand der St. Antonius-Schützenbruderschaft in Wenden-Gerlingen hat drei Jungschützen ausgeschlossen, die rechte Parolen verbreitet haben. Alles richtig gemacht, heißt es beim Staatsschutz: Der ermittelt jetzt wegen des Verdachts der Volksverhetzung.

Wenden/Hagen.. Staatsschützer müssen von Amts wegen in den unterschiedlichsten Kreisen ermitteln, wenn es um die Verbreitung und Verharmlosung rechten Gedankenguts geht. Bei einem Schützenverein musste Matthias Stascheit, Leiter des Staatsschutzes bei der Polizei Hagen, bis zum Rauswurf dreier Jungschützen bei der St. Antonius-Schützenbruderschaft in Wenden-Gerlingen (Kreis Olpe) noch nicht wegen Volksverhetzung tätig werden. „Probleme gab es bislang nur, wenn Rechte verdeckt Schützenhallen für Feiern angemietet haben.“

Die drei Schützen im Alter zwischen 17 und 20 Jahren hatten sich in dem Kurznachrichtendienst „WhatsApp“ zu einer Gruppe zusammengeschlossen. Die Beschuldigten, so Stascheit, hätten darin mehrmals Bezug auf Hitler genommen: „Sie äußerten sich lobend über Recht und Ordnung während der NS-Diktatur, unter anderem mit der Formulierung ,Unter Adolf wäre das nicht passiert’.

Sondersitzung des Vorstands

Als dem Schützenvorstand die rechten Entgleisungen im Internet zugetragen wurden, kam er kurzfristig zu einer Sondersitzung zusammen und beschloss den Rauswurf der jungen Männer. Der unmissverständliche Hinweis: Man distanziert sich von jeglichem politisch extremen Gedankengut und duldet solche Ansichten nicht.

Rechtsextremismus Brudermeister Klaus Welter hat seit der Entscheidung viel Lob von anderen Schützenvereinen erhalten. „Es gibt im gesamten Sauerländer Schützenbund keine Lobby für Rechtsradikale“, betont er und kann seine Enttäuschung über das Verhalten des Trios nicht verhehlen. „Das sind eigentlich top Jungs aus gutem Hause.“ Andere Mitglieder der „WhatsApp“-Gruppe der Jungschützen hätten die Drei eindringlich gebeten, die rechten Parolen zu unterlassen. „Die haben trotzdem weiter gemacht.“

Für den Oberst des Schützenkreises Olpe, Martin Tillmann, war der Rauswurf die richtige Reaktion: „Der Vorstand hat konsequent gehandelt und Flagge gezeigt.“ Dem erfahrenen Schützen sind ähnliche Vorfälle noch nicht zu Ohren gekommen. Sein Urteil steht: „Wehret den Anfängen!“

Rechte Gesinnung oder jugendlicher Tabubruch?

Staatsschützer Stascheit begrüßt auch das schnelle Handeln: „Der Vorstand hat alles richtig gemacht. Er hat klargestellt, dass man als Verein so etwas strikt ablehnt.“ Die Ermittlungen laufen jetzt auf zwei Ebenen ab: Als Strafverfolgsbehörde bearbeitet man das konkrete Delikt der Volksverhetzung: Der Internet-Chat wird gesichert, Zeugen und Beschuldigte werden vernommen. Andererseits befasst man sich mit dem Schützenverein, um „letztlich auszuschließen, dass eine verfestigte rechte Szene hinter den begangenen Straftaten steckt“.

Dass Schützenvereine ein Nährboden für rechtes Gedankengut und wie geschaffen für Unterwanderungen sind, kann der Leiter des Hagener Staatsschutzes nicht bestätigen. „Dazu haben wir keinerlei Erkenntnisse.“ Das gelte auch für die Zeit der Nazi-Diktatur: „Auf dem Land waren gefestigtere gesellschaftliche Strukturen als in städtischen Milieus. Wenn man Glaube, Sitte, Heimat hat, braucht man keine Parallelideologien.“

Für Matthias Stascheit gibt es zwei mögliche Interpretationen des Handelns der Jungschützen: Menschen entwickelten eine rechte Gesinnung, die eines Tages nach außen tritt. Und: „Junge Menschen wagen einen Tabubruch, eine bewusste Grenzverletzung, um herauszufinden, wie die Mitmenschen darauf reagieren.“