„Leerstand“ ist ein Fremdwort

Kreis Olpe..  Die Wohnungsgenossenschaften und -gesellschaften in Südwestfalen haben schon bessere Zeiten gesehen. Leerstände drücken auf die Ertragslage, an manchen Standorten werden Häuser abgerissen und durch Grünanlagen ersetzt. Der demographische Wandel lässt grüßen.

Entwicklungen, die Folker Naumann, geschäftsführender Vorstand der Wohnungsgenossenschaft im Kreis Olpe, gelassen weglächeln kann. Zwischen vier und sechs Prozent betragen die vermietungsbedingten Leerstände im Sauerland/Siegerland, in Olpe lag die Quote im vergangenen Jahr bei 0,8 Prozent: „Haben Sie von uns schon einmal eine Vermietungsanzeige gesehen?“, fragt er, „nein? Können Sie auch nicht, die gibt es nämlich nicht.“

Drei bis fünf Bewerber kommen auf eine frei werdende Wohnung, für die im Schnitt 4,64 Euro pro Quadratmeter Miete zu zahlen sind. Der vergleichsweise günstige Preis beleuchtet aber nur einen Teil der Gründe für die ungebremste Nachfrage. Mit beträchtlichem finanziellen Aufwand wurden und werden die Wohnungen technisch auf den letzten Stand gebracht, um die Heizkosten so niedrig wie möglich zu halten. Die erste Investition gilt modernsten Heizungsanlagen, die zweite dem, was Folker Naumann „Gebäude Leittechnik“ nennt. „Um 20 Prozent“, so der 63-Jährige, „lassen sich im ersten Jahr nach einer Investition in die Heizungsanlage die Kosten allein durch die moderneren Anlagen ersetzen, weitere 20 Prozent holen wir im nächsten Jahr heraus.“

Wie das geht?

An einem einzigen PC in der Olper Zentrale demonstriert Naumann seine Gebäudeleittechnik. Von dort hat er Zugriff auf alle Heizungsanlagen im Bestand, die nicht nur automatisch Fehler melden, sondern auch die Gewohnheiten der Mieter. So weiß Naumann zum Beispiel genau, wann der Mieter morgens aufsteht und für die Dusche warmes Wasser braucht. Für Naumann bedeutet es, dass er die Nachtabsenkung der Anlage exakt auf die Gewohnheiten des Mieters einstellen kann und so ein gehöriges Einsparpotenzial realisiert. Für den Mieter bedeutet es, dass sein Vermieter weiß, wenn er mal blau macht.

Alles, was möglich ist

Modernste Technik und eine exakte, dem Bedarf angepasste Steuerung ist für Naumann der Schlüssel zu einer sinnvollen energetischen Investition. Dass theoretisch mehr möglich ist, weiß er und hat die Wohnungsgenossenschaft auch probiert. In der Ewiger Straße in Neu-Listernohl stehen zwei Häuser, in denen über Dämmung und Technik alles gemacht worden ist, was heute möglich ist.

Schön für die Mieter. „Wir haben einen alleinstehenden Mieter, der hat weniger als 200 Euro Heizkosten pro Jahr!“

Schlecht für den Vermieter: „Wir zahlen fünf Euro pro Quadratmeter drauf“, so Naumann, für uns rechnet sich das nicht.“

Weit vorausdenken

Aber nicht nur Technik ist der Schlüssel für die ausgezeichnete Marktlage. Bereits Ende der 90 Jahre hat die Wohnungsgenossenschaft im Kreis Olpe begonnen, sich auf den demographischen Wandel einzustellen: „Jede Erdgeschosswohnung, die frei wird, überprüfen wir, ob sie sich behindertengerecht umbauen lässt.“ Im Geschäftsbericht für 2014 heißt es dazu: „Es ist nicht sinnvoll, die Gruppe von zuverlässigen Mietern (die über 65-Jährigen) in Heimen oder im betreuten Wohnen unterzubringen, wenn zeitgleich Schwierigkeiten bestehen, den vorhandenen Wohnraum zu vermieten und eine sozial stabile Nachbarschaft zu erhalten. Das Bestreben, den vorhandenen Wohnungsbestand an den Bedürfnissen älterer Menschen anzupassen, um den Verbleib in den angestammten Wohnungen zu ermöglichen, basiert also klar auch auf wirtschaftlichen Gründen.“

Natürlich kann auch Folker Naumann nicht völlig ausschließen, dass die Genossenschaft mal den Abrissbagger bestellen muss: „Wenn die Arbeitslosigkeit wieder steigen sollte, würde das für uns eine zunehmende Fluktuation und Leerstände mit den Erlösschmälerungen bedeuten. Dann ist der Abriss von Wohnungen eine Alternative.“