Lange geht das nicht mehr gut im Kreis Olpe

Kreis Olpe..  Wer gesundheitliche Probleme hat, geht zum Arzt, wer im Alter Unterstützung braucht, vertraut auf familiäre Hilfe oder bemüht sich um einen Pflegedienst mit dem Ziel, möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben zu können - der Ist-Zustand.

Aber bleibt das so? Oder muss man aufgrund der demographischen Entwicklung mit Risiken in der Gesundheitsversorgung und Pflege rechnen? Eine rhetorische Frage und die Antwort ist klar: Nein, es bleibt nicht so. Die Bewohner im Kreis Olpe müssen sich auf Veränderungen einstellen, allerdings mit großen regionalen Unterschieden. Für Olpe / Drolshagen / Wenden sieht es vergleichsweise gut aus, in Kirchhundem sind die Risiken für Versorgungslücken mit weitem Abstand am größten.

Probleme lokalisiert

Das Institut für Gerontologie an der TU Dortmund hat in einer Studie „gesundheitliche und pflegerische Versorgungsrisiken“ für Südwestfalen bezogen auf das Jahr 2020 aufgelistet.

In Beziehung gesetzt wurden: Anteil der Bevölkerungsgruppe ab 80 Jahren (hoher Pflegeaufwand), Anteil der Frauen ab 80 (hohes Versorgungsrisiko wg. geringer Rente) mit dem Anteil der Bevölkerung zwischen 25 und 67 (erwerbstätig) und Frauenanteil zwischen 25 und 67 (übernimmt pflegerische Aufgaben) sowie der Bevölkerungsdichte (ländlicher oder städtischer Bereich).

Einfacher: Je höher der Anteil der über 80-Jährigen in einem dünn besiedelten Raum ist, desto größer die absehbaren Probleme. In der Studie wurde der Südwestfalen-Durchschnitt mit „1“ bezeichnet und daraus ergeben sich für den Kreis Olpe folgende Werte: Attendorn 0,90, Drolshagen 0,76, Finnentrop 1,03, Kirchhundem 2,97, Lennestadt 1,00, Olpe 0,68 und Wenden 0,65.

Wo die Wälder Wache halten

Das Risiko für eine pflegerische und oder gesundheitliche Unterversorgung im Jahr 2020 ist also in Kirchhundem dreimal so groß wie im südwestfälischen Durchschnitt. Attendorn, Finnentrop und Lennestadt liegen in etwa im Schnitt, in Olpe, Drolshagen und Wenden sieht es deutlich besser aus, wobei Wenden und Drolshagen von Olpe profitieren. Wissen muss man aber, dass in Südwestfalen eine pflegerische und medizinische Unterversorgung ohnehin schon „Programm“ ist. Denn auf den südwestfälischen Durchschnittswert „1“ berechnet, liegt der Durchschnittswert in ganz NRW bei 0,39.

Wohin die Reise im Kreis Olpe geht, belegen auch Zahlen, die Kristin Meyer, Stabsstelle für Stadtteilmanagement und Demographie der Stadt Attendorn, bei der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe (KVWL) zusammengetragen hat. Der Rat hatte Kristin Meyer beauftragt, eine „Strategie zur nachhaltigen Sicherstellung und Stärkung der Gesundheitsversorgung in Attendorn“ zu entwickeln.

Laut KVWL sieht es derzeit zumindest in fünf Kommunen bei der Zahl der Hausärzte noch ganz gut aus: Lennestadt 24, Olpe 15, Attendorn 14, Wenden 12, Finnentrop 10, Drolshagen 6 und Kirchhundem 5.

Das Bild ändert sich dramatisch nach einem Blick auf die Altersstruktur. Wenn man nur die berücksichtigt, die 2020 noch nicht 60 Jahre alt sind, ergeben sich, Stand November 2014, folgende Zahlen: Lennestadt 13, Olpe 5, Attendorn 6, Wenden 3, Finnentrop 5, Drolshagen 4 und Kirchhundem 4.

Es ist also jetzt notwendig, etwas für die Nachfolge in der Ärzteschaft zu tun. Für Attendorn hat Kristin Meyer unter anderem folgende Vorschläge zur Anwerbung von Ärzten unterbreitet:

Vergabe von Stipendien,

Vermittlung von Praxen oder Räumlichkeiten,

Anwerbung von Medizinern,

bundesweite Anzeigen,

Unterstützung bei der Wohnungssuche,

Ausbildungsangebote,

Kooperation mit Universitäten und den lokalen Schulen,

Patenschaften Ärzte - Studenten.