Umfrage
Krise überstanden?
29.07.2010 | 16:57 Uhr 2010-07-29T16:57:00+0200
Kreis Olpe.Die Automobilhersteller fahren wieder Sonderschichten, die Zahlen vom Arbeitsmarkt sind in der Tendenz ebenso positiv wie die Wachstumsprognosen. Wie beurteilen heimische Betriebe die Situation? Eine Stichprobe in der Elektro-, Automotive- und Maschinenbaubranche.
Die Hersteller luxuriöser Autos können sich derzeit vor Aufträgen kaum retten. Vor allem aus den USA und China wird geordert, was das Zeug hält. Strohfeuer oder ein dauerhafter Aufschwung?
Markus Schaumburg, Geschäftsführer von Gedia in Attendorn, zeichnet ein differenziertes Bild. Wer, wie Gedia, alle Fahrzeugsegmente bedient, profitiert derzeit von der starken Nachfrage aus den USA und China, die durch den schwachen Eurokurs zusätzlich befeuert wird. Auf der anderen Seite zeigen die Rabattschlachten, die in den unteren Fahrzeugklassen ausgetragen werden, dass sich der Markt nach dem Auslaufen der Abwrackprämie noch nicht wieder stabilisiert hat: „Ich sehe uns noch nicht hundertprozentig durch das Tal.“
Anders Walter Mennekes: „Die schwere 2009 von der Finanzbranche verursachte Krise ist überstanden, wir sind raus aus der Spirale nach unten. Die Geschäftslage hat sich bei uns wie in der Elektroindustrie konsolidiert.“
Die Beschäftigungsverhältnisse haben sich nach Einschätzung des Kirchhundemer Unternehmers normalisiert: „Das Ziel, unsere Belegschaft mit Arbeitszeitkonten zu sichern, wurde erreicht. Bessere Auftragslage sorgt für Auslastung. Wichtige, zunächst auf Eis gelegte Investitionen in den Ausbau der Fertigung und in Maschinen werden jetzt angepackt. Das gilt für unseren Standort in Kirchhundem wie für den im sächsischen Neudorf. Wir kommen wieder in Schwung, sind aber noch nicht auf dem Niveau von 2008. Kurzum: der Aufschwung ist zwar kein Sommermärchen, er lässt uns aber optimistisch in die Zukunft blicken.“
Ein ganz eigene Geschichte schreibt der Maschinenbauer Berghoff (Drolshagen). Das Unternehmen hat sich auf Auftragsfertigung für andere Hersteller spezialisiert und scheint damit sogar von der Krise profitieren zu können.
„Seit Mai 2009 haben wir 60 neue Kunden bekommen“, sagt Geschäftsführer Oliver Bludau, „das sind fünf pro Monat.“ In die Karten spielt den Drolshagenern, dass viele Maschinenbauer in den letzten beiden Krisenjahren nicht mehr in den eigenen Produktion investiert haben. Geld ist in die Bereiche Forschung/Entwicklung und Marketing/Vertrieb geflossen. Scheinbar scheuen viele Unternehmen jetzt größere Investitionen in den Maschinenpark und gliedern aus: „Vor drei Monaten“, so Oliver Bludau war ich mir noch nicht sicher, wohin die Reise geht, wir hatten noch Kurzarbeit. Jetzt arbeiten wir nicht nur voll, seit zwei Wochen stellen wir neue Mitarbeiter ein.“
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