Klaviergenuss bis zum letzten Ton

Olpe..  Das war wirklich beeindruckend, was Alexej Gorlatch der Zuhörerschaft im Olper Kreishaus an musikalischen Leckerbissen servierte. Dabei überzeugte das von dem aus Kiew stammenden jungen Pianisten zusammengestellte Programm durch seine äußerst reizvolle Vielseitigkeit und war somit Garant für Kurzweil und Spannung im Konzertsaal.

Gorlatch eröffnete den musikalischen Reigen mit der lange als verschollen geltenden Klaviersonate fis-moll von Igor Strawinsky aus dem Jahre 1904. Ein Stück, das durchaus als Rarität in den Konzertsälen zu bezeichnen ist und vom Komponisten selbst eher gering geschätzt wurde. Gorlatch verstand es jedoch auf wirklich beeindruckende Weise, die zupackende und mitreißende Tonsprache Strawinskys in ihrer ganzen Intensität darzubieten.

Vielfalt und farbig

Der Tastenkünstler vermochte es insgesamt sehr eindrucksvoll, die ungeheure Vielfalt und Farbigkeit des Werkes in den Klängen, die er dem Flügel entlockte, aufstrahlen zu lassen. So gelang es nahezu perfekt, die von Strawinsky sehr reizvoll angelegte Verbindung intensiver motivisch-thematischer Arbeit und eines in Teilen deutlich romantisch gefärbten Ausdrucks hör- und erlebbar zu machen. Klanglich äußerst reizvoll war auch das zweite Stück des Abends:

Das von der aus dem Ural stammenden Komponistin Lera Auerbach als Auftragswerk geschaffene „Milking Darkness“ aus dem Jahre 2011 gefiel in der Interpretation des seit 1991 in Deutschland lebenden Gorlatch durch seine klangfarblichen Nuancen und den nie abreißenden großen Bogen über der zu Grunde liegenden Gesamtdramaturgie des Stückes. Gorlatch gelang es hierdurch die Farbigkeit und Lebendigkeit seiner Interpretation, die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen.

Auch Klassiker im Gepäck

Doch auch für die Liebhaber von Klassikern der Klavierliteratur hatte Gorlatch natürlich zwei Schmankerl im Gepäck: Den zweiten Konzertteil eröffnete er nämlich mit Chopins berühmter Klaviersonate Nr. 2 in b-Moll (op. 35) aus dem Jahre 1839. Der junge Pianist wurde ganz und gar eins mit der Musik Chopins und bescherte den Zuhörern durch seine nuancenreiche und kreative Interpretation einen Hörgenuss erster Klasse. Der weltberühmte Trauermarsch des dritten Satzes wusste die Zuhörer dabei in seiner ganz besonderen Ausdruckstiefe zu faszinieren. Beethovens vorletzte Klaviersonate in As-Dur op. 110 bildete schließlich den Abschluss eines einmaligen Konzerterlebnisses. Hervorzuheben war hier insbesondere der 3. Satz, der bezüglich seiner besonderen Formstruktur aufhorchen lässt.

Weich und transparent

Gorlatch gelang es dabei eindrucksvoll, einerseits den auf die Einleitung folgenden „Klagenden Gesang“ mit seinem depressiven Charakter sehr ergreifend darzubieten und andererseits die Aufhellung bringenden, fugierten, fast schon sakral wirkenden Teile sehr weich und dennoch transparent darzubieten. Das war ein wirklich tolles Hörerlebnis! Zwei traumhafte Chopin-Zugaben krönten einen wundervollen Klavierabend im Kreishaus. Stehende Ovationen waren der verdiente Lohn für eine grandiose künstlerische Leistung.