Kirchliche Fahnen früher am Altar vereint

Lennestadt..  Ostern, das höchste und älteste Fest der Christen im Kirchenjahr, steht bevor. An ihm wird die Auferstehung des am Kreuz gestorbenen Jesus Christus gefeiert. In feierlichen Gottesdiensten, die man in einer festlichen Liturgie begeht, waren früher stets alle kirchlichen Fahnen um den Altar gereiht. Eine über 100 Jahre alte Kirchenfahne stellt das Museum der Stadt Lennestadt als „Exponat des Monats April“ vor. Es ist eine Fahne der „Marianischen Jungfrauen CongregationBenolpe“ aus dem Jahr 1911, einer Leihgabe der Kirchengemeinde St. Elisabeth Benolpe.

Als Kirchenfahne bezeichnet man eine bei zeremoniellen Anlässen der katholischen Kirche benutzte Fahne besonderer Machart. Sie wird an einer Querstange an mehreren Ringen oder Stoffschlaufen aufgehängt. Unten ist sie meist zweimal eingeschnitten, so dass drei Hängel entstehen, die mit Fransen besetzt sind. Meist ist der mittlere Hängel größer als die seitlichen. Ganz typisch für diese Art der Fahnen ist dieses Exemplar mit den Maßen 80 x 130cm.

Maria auf der Erdkugel

Mittig auf blauen Hintergrund ist die in einem langen weißen Gewand und mit blauem - innen rot ausgeschlagen - Umhang bekleidete heilige Maria zu sehen; stehend auf der Erdkugel, mit Mondsichel und Schlange zu ihren Füßen. . Sie breitet ihre Hände weit aus, von denen Strahlen hervorgehen. Der ihren Kopf umgebende Heiligenschein ist mit 12 Sternen verziert. Über ihrem Kopf schwebt der Hl. Geist in Form einer Taube. Strahlen gehen von ihm aus. Die beiden grauen und gelben Seitenstreifen der Fahne sind mit farbenprächtigen Ornamenten verziert. Alle drei Hängel haben am unteren Ende goldfarbene Fransen.

Die Rückseite der Fahne trägt in der Mitte ein großes Emblem, bestehend aus zwei Halbkreisen, die jeweils die Buchstaben „A“ und „R“ tragen.

Diese beiden Buchstaben könnten für „Ave Regina“ stehen. Der Buchstabe „A“ hat zwei Querstriche, also ein Doppel-A. Diese zwei „A“ könnten für die von der Kongregation verehrte Nebenpatronin, die hl. Agnes, und den Nebenpatron, den hl. Aloysius, stehen. Was dieses Emblem mit den beiden Buchstaben aber bedeutet, ist dem Museum noch unklar.

Kann hierüber jemand Auskunft geben? Oberhalb dieses Emblems ist der Name des kirchlichen Vereins angegeben „Marianische Jungfrauen Congregation“. Unterhalb des Emblems sind eingestickt „Benolpe“ und die Jahreszahl „1911“.

Enzyklika

Mit seiner Enzyklika zum 50-jährigen Jubiläums der Verkündigung des Dogmas der Immaculata (1904) durch Papst Pius X kamen neue Impulse in der Marienverehrung auf. In Deutschland bildeten sichviele Marianischen Kongregationen mit dem Ziel, in einer stärkeren Marienverehrung den „sichersten, schnellsten und vollkommensten Weg zu Christus“ zu finden.

So kam es auch in der am 1. März 1905 neu gegründeten Filialkirchengemeinde Benolpe, gleichzeitig mit dem eingeleiteten Kirchenneubau, zu einer Belebung des kirchlichen Lebens im Dorf. Durch den damaligen Ortsvikar Wintersohle wurde im Jahr 1911 die „Marianische Jungfrauen-Congregation von der unbefleckten Empfängnis Mariä in der Filialgemeinde Benolpe“ gegründet. Gemäß des noch vorliegenden Kongregations-Protokollbuches erfolgte die Gründungsversammlung am 11.Juni 1911. Bei der ersten Vorstandswahl am 23. Juli 1911 wurde Luise Müller zur Präfektin gewählt. Am 21. August 1911 fand dann durch Pater Henze die erste feierliche Aufnahme der Jungfrauen in die Kongregation statt. Zwischen dem 20. August 1911 und dem 13. Juni 1915 traten insgesamt 66 junge Damen der Kongregation bei.

NS-Zeit

In der NS-Zeit hatten es die kirchlichen Vereine sehr schwer. Bei einer Beerdigung am 18. Januar 1945 wurde nach alter Sitte diese Marienfahne von jungen Mädchen mitgeführt. Dies hatte eine Anzeige bei der Geheimen Staatspolizei zur Folge. Dem Vikar wurde mitgeteilt, dass Vereinsfahnen nur aufgerollt mitgetragen und erst am offenen Grab aufgerollt werden dürften. Der letzte Eintrag in das Protokollbuch der Congregation ist vom 21. Januar 1945, nur drei Tage nach dem oben geschilderten Vorfall. Danach verlieren sich die Spuren des Vereins.